Köln - Urteil im Kölner Prozess um „Mord ohne Leiche” erwartet

Urteil im Kölner Prozess um „Mord ohne Leiche” erwartet

Von: Markus Peters, ddp
Letzte Aktualisierung:
Mord ohne Leiche
Das von der Polizei veöeffentlichte Foto zeigt die seit dem 18. April 2007 vermisste 33-jaehrige Filipina Lotis K. aus Köln-Muelheim. Das ungeklärte Schicksal der Frau beschäftigt die Justiz. Seit 2008 steht der heute 46-jährige Ehemann der Frau wegen Mordverdachts vor Gericht, mit ihm müssen sich seine Zwillingsschwester und deren Ehemann verantworten. Foto: ddp

Köln. Im Prozess um das ungeklärte Schicksal einer 33-jährigen Kölnerin will die fünfte Strafkammer des Kölner Landgerichts voraussichtlich am Freitag ein Urteil verkünden. Seit dem 1. September 2008 steht der Ehemann der Frau wegen Mordverdachts vor Gericht, mit ihm müssen sich seine Zwillingsschwester und deren Ehemann verantworten.

Ein Telefonat mit einer Freundin ist das letzte gesicherte Lebenszeichen von Lotis K. Seit dem 18. April 2007 ist die damals 33-jährige Filipina nicht mehr lebend gesehen worden. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der angeklagte Ehemann Lotis K. getötet und die Leiche entsorgt hat. Drahtzieher sollen seine mitangeklagten Verwandten gewesen sein. Hintergrund könnte ein Sorgerechtsstreit um den inzwischen sieben Jahre alten Sohn der Frau sein.

Der Autobauer Siegfried K. hatte Lotis Ende 1999 während eines Urlaubs auf den Philippinen kennengelernt. Das Paar heiratete ein Jahr später und zog in ein Kölner Mehrfamilienhaus, in dem bereits die Schwester von K. mit ihrem Mann lebte. Diese - selbst kinderlos - sollen eine intensive Beziehung zum Sohn von Lotis und Siegfried K. aufgebaut haben, der 2002 geboren wurde. Ende 2005 stand die Ehe des deutsch-philippinischen Paares vor dem Aus und die Frau zog mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung.

Bei ihren Ermittlungen in dem Vermisstenfall stößt die Polizei schnell auf den erbitterten Sorgerechtsstreit zwischen Lotis K. und der Familie ihres Mannes. Die Staatsanwaltschaft verweist zudem auf das letzte bekannte Lebenszeichen der Vermissten, das Telefonat mit der Freundin: „Ich muss Schluss machen, mein Mann kommt”, soll die Frau gesagt haben.

„Es gibt keinen objektiven Beweis dafür, dass Lotis K. tot ist”, widerspricht der Rechtsanwalt des Ehemanns. Zwar sei es richtig, dass Lotis K. seit spätestens Anfang Mai 2007 nicht mehr gesehen wurde. Dafür könne es auch andere Gründe als einen Mord geben: „Vielleicht hat sie sich von einer Brücke in den Rhein gestürzt oder ist versehentlich in den Fluss gefallen.”

Dann fände man ihre Leiche nie. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass Lotis K. in ihre Heimat zurückgekehrt sei, wo man recht mühelos untertauchen könne.

Freunde und Bekannte der Frau schließen diese Variante aus. Nie, so heißt es, hätte die Frau ihren Sohn freiwillig zurückgelassen. Doch auch die Hinweise auf ein Verbrechen sind dürftig. Polizeitaucher hatten im Kölner Hafen, unweit der Stelle, wo das Handy der Vermissten zuletzt geortet wurde, vergeblich nach der Leiche gesucht.

Ebenso schleppend wie die Suche nach der Leiche verlief die Hauptverhandlung. Die Angeklagten machten vor Gericht von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch, die Verteidiger bezeichneten ihre Mandanten als unschuldig. Sie seien bislang nicht vorbestraft und hätten ein bürgerliches Leben geführt.

Die Staatsanwaltschaft versuchte, aus den wenigen Indizien ein Gesamtbild zu formen, das die Angeklagten eindeutig überführt. Doch das entscheidende Beweisstück für ein Verbrechen, die Leiche der Ermordeten, kann die Ermittlungsbehörde auch über zweieinhalb Jahre nach dem Verschwinden von Lotis K. nicht vorweisen.

Womöglich befindet sich die Tote unter dem Fundament eines Neubaublocks im Kölner Stadtteil Mülheim, der zum Zeitpunkt ihres Verschwindens gerade gebaut wurde. Zeugen wollen in den Wochen nach der Tat dort einen penetranten Leichengeruch bemerkt haben. Doch inzwischen ist das Gelände mehrgeschossig bebaut und vermietet. Einen Antrag der Verteidiger, das Gebäude abzureißen und dann nach der Leiche zu suchen, wurde vom Gericht abgewiesen. Falls die Leiche auch dort nicht gefunden worden wäre, hätte dies ihre Mandanten entlastet.

Die Staatsanwaltschaft hält alle drei Angeklagten auch so für überführt und fordert lebenslange Haftstrafen. Die Anwälte machten in ihren Plädoyers hingegen „begründete Zweifel” an der Täterschaft geltend und forderten für ihre Mandanten Freisprüche.
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