Aachen - „Unternehmen zahlen Zeche für dieses Wahlgeschenk“

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„Unternehmen zahlen Zeche für dieses Wahlgeschenk“

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) der Aachener Region stehen in einer neuen Blüte. Die Arbeitgebervertretung, 1946 gegründet, wird seit zwei Jahren von Hauptgeschäftsführer Ralf Bruns geleitet.

Seitdem ist die Interessenvertretung spürbar gewachsen: um 35 Mitgliedsfirmen auf mittlerweile 240 – mit insgesamt rund 30.000 Beschäftigten. Weiteres Wachstum ist fest eingeplant, kündigte Bruns an.Der Verband möchte ein streitbarer Partner sein, der versucht, Einfluss zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund verhehlt der Hauptgeschäftsführer keinesfalls seine Abneigung gegen die von der großen Koalition in Berlin unlängst beschlossenen Rente mit 63. Nachfragen in den Betrieben ließen erkennen, dass bis zu fünf Prozent der Belegschaften dieses Angebot, unter bestimmten Voraussetzungen früher in den Ruhestand treten zu können, gerne annehmen würden. Bruns nannte dies einen „ganz erheblichen“ Wert.

Die Betriebe seien auf diese Entwicklung nicht ausreichend vorbereitet, um die ausscheidenden Mitarbeiter angemessen zu ersetzen. Dies sei für sie „nicht vorhersehbar gewesen“. In der Konsequenz werde dies den Fachkräftemangel in den Unternehmen weiter verschärfen, prophezeite Bruns: „Die Unternehmen werden die Zeche zahlen müssen“ – für dieses, wie er formulierte, „Wahlgeschenk“. Angesichts eines relativ hohen Altersdurchschnitts in der Region sei dies „eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen“.

Für den größten Teil der VUV-Mitglieder sei das vergangene Jahr ein gutes, teils sogar sehr gutes Jahr gewesen, machte Bruns deutlich. So hätten viele Betriebe nicht nur ihre Stammbelegschaft halten, sondern auch noch zusätzlich Personal aufbauen können. Die Prognosen für 2014 indes seien „etwas gedämpft“. Doch die Mehrheit erwarte zumindest einen gleichbleibenden oder zufriedenstellenden Geschäftsverlauf, was sich im ersten Halbjahr bestätigt und zu einer Stabilisierung der aktuellen Beschäftigung geführt habe. Neben den allgemeinen konjunkturellen Perspektiven führten insbesondere die Energiekosten und die Steuerbelastung für Sorgenfalten.

Intensiv vorantreiben will Bruns den mit Unterstützung seines Verbandes ins Leben gerufenen „Industriedialog“ in der Region, zudem auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Dabei will er auch den Fokus darauf lenken, dass nicht allein das Heil in Dienstleistungsjobs gesucht wird, sondern dass auch Perspektiven einer Re-Industriealisierung nicht vertan werden.

Ein Stück nähergerückt ist bereits der Bereich Automobilwirtschaft. Dessen bislang im Technologiezentrum am Europaplatz in Aachen ansässiger Verband „CAR“ (Competence Center Automotive Region Aachen) ist gerade unter das Dach des VUV geschlüpft, unter dessen Federführung er 2001 mit ins Leben gerufen wurde, wie Geschäftsführer Michael Preising erinnerte. Durch die engeren Kontakte zwischen den Firmen sollen Impulse für innovative Produkte und zusätzliche Arbeitsplätze initiiert werden.

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