Unsicherheitsempfinden vor Rasern größer als vor Vandalen

Von: Ulrich Simons
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Klaus Oelze, Aachener Polizeipräsident: „Die Stimmung entspricht der Lage.“ Foto: Michael Jaspers

Euregio. Wohnungseinbrecher, darunter auch Banden, die sich neuerdings aus dem Raum Lüttich in Richtung Deutschland bewegen, verunsichern derzeit die Bürger zwischen Aachen, Lüttich, Hasselt und Maastricht am meisten. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen und fast 200 Seiten starken repräsentativen Studie zum Thema „Unsicherheitsempfinden in der Euregio“.

Am Montag stellten Projektleiter Michael Dejozé und die Gouverneure der teilnehmenden Provinzen – Michel Foret (Lüttich), Herman Reynders (Limburg/B), Norbert Dolman (Limburg/NL, vertrat Gouverneur Theo Bovens) – die Ergebnisse in Eupen vor. Mit auf dem Podium auch der Aachener Polizeipräsident Klaus Oelze.

Die Untersuchung, erstellt von der 2010 gegründeten Projektgruppe Emrod („Euregio Maas Rhein Observatorium der Delinquenz“), lieferte unterm Strich ein erfreuliches Ergebnis: Der überwiegende Teil der Menschen in der Euregio (64 Prozent) fühlt sich in seinem Wohnumfeld sicher.

Was den Chef der Aachener Polizei besonders freute: Mit 93 Prozent schoss „sein“ Revier bei der Befragung zum The­ma „Sicherheit“ den Vogel ab.

Dass die seit vielen Jahren praktizierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Verwaltungen der drei Länder hervorragend funktioniert, stellten alle Beteiligten heraus. Gouverneur Herman Reynders: „Es ist nicht immer einfach, aufgrund der unterschiedlichen Vorschriften links und rechts der Grenze zusammenzuarbeiten.“ Andererseits sei das Zusammentreffen unterschiedlicher Arbeitsweisen und -möglichkeiten auch eine Chance, vom Nachbarn zu lernen.

Ob Eifel oder Region Weser-Geul

Der Lütticher Gouverneur Michel Foret äußerte sich ähnlich: „Wenn wir diese Art von Studie machen und die Ergebnisse veröffentlichen, dann geschieht dies nicht, um uns untereinander zu vergleichen, sondern um herauszufinden, was schon getan ist, was wir noch tun können und wie wir eine gemeinsame, euregionale Richtung einschlagen können.“

Interessantes Detail der Untersuchung: Zwischen den einzelnen Ländern waren bei den Ergebnissen keine so großen Unterschiede festzustellen. Ein deutliches „Bedrohungsgefälle“ gab es dagegen zwischen den Großstädten und dem ländlichen Raum. Klaus Oelze: „Die Menschen auf dem Land fühlen sich noch eine Runde sicherer als die in der Großstadt.“

So ergab die Befragung in Aachen und Lüttich ebenso ähnliche Ergebnisse wie die Antworten aus der Eifel und der ländlichen Region Weser-Geul an der belgisch-deutschen Grenze.

Ein anderes auffallendes Detail der Studie: 22 Prozent der Befragten fühlten sich durch rasende Autofahrer verunsichert, 18 Prozent beklagten sich über die Nöte bei der Parkplatzsuche, 17 Prozent ärgerten sich über Hundekot in öffentlichen Anlagen und auf dem Trottoir.

Vandalismus an Bushäuschen und in Telefonzellen kam dagegen nur auf elf Prozent der Nennungen, Jugendgangs auf zehn, Graffiti-Schmierereien an Häusern auf acht Prozent. Bettler und Obdachlose empfanden nur sieben Prozent in ihrem Wohnumfeld als störend.

Bei der Frage, ob sie in den letzten zwölf Monaten Opfer einer Straftat geworden seien, rangierten bei den Antworten Sachbeschädigungen und Eigentumsdelikte deutlich vor Gewaltattacken. So gaben zehn Prozent an, ihr Auto sei von Vandalen beschädigt worden. Sieben Prozent der Befragten wurde das Fahrrad entwendet, aber nur einer von 100 war gewaltsam beraubt worden.

Der subjektive Eindruck von Sicherheit – auch das zeigte die Studie – hat viel mit Wohlfühlen zu tun. Wer sich in seiner Wohnumgebung als gut integriert betrachtet und nette Kontakte zu seinen Nachbarn hat, der empfindet seine Situation weitaus weniger bedrohlich als jemand, bei dem diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, und dessen Straße möglicherweise auch noch unordentlich und vermüllt ist.

Selbstschutz ist wichtig

Aachens Polizeipräsident hatte noch einen Tipp: „Gerade zur Vorbeugung beim Thema Wohnungseinbrüche kann man selber viel tun.“ Bei diesem „galoppierenden Thema“ sei der Selbstschutz enorm wichtig. Denn viele Geschädigte seien nach einem Einbruch in ihren intimsten Lebensbereich oft für lange Zeit traumatisiert. Manche würden erst einmal ihre komplette Wäsche waschen. Für andere bliebe als letzter Ausweg oft nur noch der Umzug.

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