Unruhe wegen neuer Apotheken-Notdienste

Von: Rudolf Müller
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Wer eine Notdienst-Apotheke sucht, wird künftig des öfteren in die Nachbarstadt fahren müssen. Foto: dpa

Eschweiler. „Notdienst-Kalender? Haben wir nicht. Die finden Sie nur noch in der Tageszeitung.“ So hat eine Eschweiler Apothekerin am Montag unsere Frage nach einem Notdienst-Plan für das kommende Jahr beantwortet. Das Heft, das bisher – nicht nur in Eschweiler – wertvolle Hilfe bot, wenn Not am Mann war, ist Vergangenheit.

Die Neuregelung des Notdienstes durch die Apothekerkammer Nordrhein sorgt dafür, dass der Eschweiler Apotheker Jochem Genius in diesem Jahr auf die Erstellung der Broschüre für Eschweilers Notdienst-Apotheken in 2014 verzichtete: „zu teuer, zu kompliziert.“

In der Tageszeitung werden die Notfall-Apotheken auch künftig aufgelistet sein. Ebenso im Internet. Wer nach der Notdienst habenden Apotheke sucht, der kann sein blaues Wunder erleben: Die Pläne werden nicht mehr stadtintern von den örtlichen Apothekern gefertigt, sondern städteübergreifend von der Kammer. Damit soll verhindert werden, dass in zwei Kommunen Apotheken Notdienst leisten, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, während der Rest der Fläche unversorgt bleibt.

Martin Katzenbach, Sprecher der Apotheker in der Städteregion Aachen: „Ein Feldversuch in Westfalen war sehr erfolgreich. Dort hat man mit Google-Maps die Notdienste so verteilt, dass jeweils zwei Notdienst leistende Apotheken etwa 20 Kilometer voneinander entfernt liegen. Dieses System wird jetzt auf den Bezirk Nordrhein übertragen.“

Was in Zeiten rückläufiger Apothekendichte außerhalb der Stadtkerne für „größere Gerechtigkeit“ sorgt, wie Katzenbach sagt, ist für Patienten vielerorts gewöhnungsbedürftig. Vor allem auf dem Land hat es erhebliche Auswirkungen: Das neue flächendeckende Raster sorgt zum Beispiel dafür, dass es tageweise in einzelnen Städten überhaupt keine Notfall-Apotheke gibt.

Aus Eschweiler Sicht etwa ist dies schon Anfang Januar der Fall: Am 7. Januar sind die für Eschweiler zuständigen Apotheken die Abraxas-Apotheke in Alsdorf und die Fortuna-Apotheke in der Nähe des Aachener Kaiserplatzes. Am 9. Januar dürfen die Indestädter zwischen der Adler-Apotheke in Inden und der Schwanen-Apotheke in Alsdorf wählen. Und am 18. Januar haben für Eschweiler die Elefanten-Apotheke in Stolberg-Mühle und die Cornelius-Apotheke in Alsdorf Dienst.

Verwirrend: Das Raster sorgt dafür, dass die Angaben über Notdienst-Apotheken innerhalb einer Stadt durchaus unterschiedlich sind. Wer – um bei Eschweiler zu bleiben – den Aushang einer Apotheke in Weisweiler liest, wird auf Notdienstler in Langerwehe und/oder Aldenhoven hingewiesen, während ein Kunde im Stadtteil Pumpe nach Broichweiden und/oder Stolberg geschickt wird.

Martin Katzenbach: „Die Umstellung ist ein Tribut an die veränderte Apothekenlandschaft. Eine rein geografisch basierte Verteilung des Notdienstes ist unabdingbar. Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen für Apotheken haben dramatisch abgenommen; wir liegen zwischen drei und fünf Prozent Umsatzrendite – und das bei hohen Kosten und irrem Risiko. Die Apothekendichte vor allem in Peripheriegebieten ist entsprechend dramatisch rückläufig.“

Jochem Genius überlegt dennoch, den Notdienst-Kalender, den es ihm zufolge derzeit nur noch in der Hälfte aller Städte der Region gibt, neu aufzulegen. Wenn das erste „große Durcheinander“ passé ist.

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