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Unruhe beim Deutschen Roten Kreuz

Von: Marlon Gego und René Benden
Letzte Aktualisierung:
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Ehrenamtliche Helfer: Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bei einer Vortragsveranstaltung. Archivfoto: dpa

Aachen. Im Aachener Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kehrt einfach keine Ruhe ein. Nach der Beurlaubung von Geschäftsführer Peter Timmermanns im August ist Ende vergangener Woche der Vorsitzende des Kreisverbandes, Andreas Smyra, mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten.

Mit Schatzmeister Wolfgang Gottschalk erklärte ein weiteres Vorstandsmitglied seinen Rücktritt, der Verband steht vor einem dringend notwendigen Neubeginn. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Smyra am Dienstag mit, als hauptberuflicher Rechtsanwalt die anstehende Neustrukturierung des Kreisverbandes mit 650 festangestellten Mitarbeitern nicht leisten zu können.

Gestörtes Vertrauensverhältnis

Der DRK-Kreisverband hat seit längerem mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, für die Geschäftsführer Timmermanns qua Amt zumindest eine Mitverantwortung trägt. Smyra und seinen Vorstandskollegen wird intern vorgeworfen, Timmermanns nicht hinreichend sorgfältig kontrolliert zu haben. Probleme mit dem DRK-Pflegeheim in Stolberg oder bei der Fusion mit dem Kreisverband Aachen-Stadt hätten anderenfalls früher angegangen werden können.

Über mehrere Jahre ist Timmermanns immer wieder Opfer an­onymer Vorwürfe geworden, an mehreren Stellen wurden Anzeigen gegen ihn eingereicht. Diese Vorwürfe reichen von persönlicher Bereicherung bis hin zu schwerwiegenden Straftatbeständen, mit denen sich diesen Sommer auch die Staatsanwaltschaft Aachen befasste. Die Ermittler konnten die Vorwürfe gegen Timmermanns jedoch nicht erhärten, stattdessen sucht die Staatsanwaltschaft nun nach dem oder den anonymen Briefschreibern. Bislang ohne Erfolg.

Auch eine interne Prüfung des DRK ergab keine Hinweise für ein geschäftliches Fehlverhalten Timmermanns‘, jedenfalls keines, das eine Kündigung rechtfertigen würde. Dennoch ist das Vertrauensverhältnis zwischen einigen Mitarbeitern bzw. Funktionären auf der einen und Timmermanns auf der anderen Seite nachhaltig gestört. In seinen 13 Jahren als Geschäftsführer des Kreisverbandes hat er sich keineswegs nur Freunde gemacht.

Ein langjähriger Wegbegleiter, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Dass es Probleme beim Kreisverband geben würde, wundert mich nicht. Was mich wundert, ist, dass es so lange gedauert hat, bis die Kritik öffentlich wurde.“ Obwohl seine Beurlaubung offiziell beendet ist, hat Timmermanns seine Arbeit aufgrund einer Erkrankung nicht wieder aufnehmen können.

Nach Informationen unserer Zeitung ist Timmermanns‘ berufliche Zukunft offen. Ob Timmermanns weiter beim DRK bleibt, soll so bald wie möglich entschieden werden. Danach wird der noch verbliebene Vorstand um Smyras bisherige Stellvertreter Daniela Jansen, Ingo Kohnen und Ralf Laufenberg wohl einen neuen Geschäftsführer suchen müssen. Intern ist die Rede davon, den neuen Geschäftsführer außerhalb des DRK-Kreisverbandes zu suchen, der, anders als Timmermanns, betriebswirtschaftlich ausgebildet sein sollte.

Die wirtschaftlichen Probleme des DRK-Kreisverbandes sind unter anderem auf ein vom DRK betriebenes Pflegeheim in Stolberg zurückzuführen, das seit Jahren defizitär ist.

Offenbar hauptsächlich deswegen, weil noch in den 90er Jahren vom damaligen DRK-Vorsitzenden Walter Meyer ein, wie sich herausstellen sollte, zumindest ungünstiger Pachtvertrag unterzeichnet wurde. Interimsgeschäftsführer Attila Nagy teilte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass über diesen Vertrag im Moment neu verhandelt werde, ebenso wie über „marktgerechte Veränderungen der Immobilie“, in der das Pflegeheim untergebracht ist. Geplant ist, das Pflegeheim weiter zu betreiben. Ob auf Dauer vom DRK-Kreisverband, ist im Moment offen.

Nagy erklärte, er habe nicht vor, einzelne Geschäfts- und Tätigkeitsfelder des DRK aufzugeben. Dennoch würden in allen Bereichen die Kosten, die Prozesse und auch die Konditionen geprüft, zu denen das DRK Leistungen anbietet. In einigen Bereichen würden die Konditionen bereits nachverhandelt. Ob am Ende der Umstrukturierung Arbeitsplätze abgebaut werden, steht noch nicht fest. Sollten Stellen wegfallen, sagte Nagy, dann nur „einige wenige“.

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