Aachen - Unfallopfer: Traumanetzwerk erhöht Überlebenschance

Unfallopfer: Traumanetzwerk erhöht Überlebenschance

Von: Thomas Vogel
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Die Serie schwerer Unfälle re
Die Serie schwerer Unfälle reißt nicht ab: Für die bestmögliche Versorgung der Opfer ist in der Region aber gesorgt. Foto: Stefan Müllejans

Aachen. „Kurz nach vier Uhr am Mittwochmorgen wurde ein 29-jähriger Motorradfahrer mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Aachener Uniklinikum eingeliefert”: Nahezu täglich verbreiten die Polizeibehörden in der gesamten Region derzeit solche dramatischen Meldungen - in den vergangenen Tagen verunglückten vor allem zahlreiche Motorradfahrer.

Zumindest kann man sich darauf verlassen, dass im Klinikum wie auch in den anderen Krankenhäusern mit Unfallaufnahme das medizinisch und Menschenmögliche getan wird, um Leben zu retten und Körper wiederherzustellen.

Im Uniklinikum (UKA) ist die Zahl der schwer- und schwerstverletzten Patienten, die zur intensivmedizinischen Erstbehandlung eingeliefert werden, in der letzten Zeit deutlich gestiegen. Insgesamt hat sich die Notfallversorgung durch die Zertifizierung zum überregionalen Traumazentrum und den Zusammenschluss mit anderen Kliniken zu einem Traumanetzwerk verbessert. Es soll noch weiter ausgebaut werden. „Noch vor wenigen Jahren wurden Patienten mit schweren Verletzungen vom Unfallort oft direkt in die Kliniken nach Köln und Düsseldorf gebracht”, sagt Professor Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am UKA. Die Begründung: In Aachen seien kaum Intensivkapazitäten verfügbar.

Das hat sich inzwischen geändert. Vor rund einem Jahr wurde eine zusätzliche Intensivstationseinheit eröffnet, um mehr Platz für schwer- und schwerstverletzte Patienten zu schaffen. Zudem hat sich durch den Zusammenschluss von 15 Kliniken in der Region zum Traumanetzwerk der Austausch untereinander intensiviert. Patienten ohne Folgeoperationen werden in andere Häuser verlegt, um weitere Notfälle aufnehmen zu können.

„So ein großes Klinikum ist nicht unbedingt dafür da, jeden Knöchelbruch zu behandeln”, sagt Pape. Waren es vor vier Jahren noch zwischen 70 und 80 Polytrauma-Patienten (vielfach Verletzte), die ins Uniklinikum eingeliefert wurden, ist die Zahl mittlerweile auf 120 bis 130 gestiegen. Der größte Teil von ihnen sind Verkehrsunfallopfer. Die Verletzten werden dank der Zusammenarbeit im Traumanetzwerk schnell in das richtige Krankenhaus mit der passenden Fachabteilung gebracht. Das durchorganisierte Vorgehen soll garantieren, dass Wartezeiten auf ein Minimum reduziert werden: Die Überlebenschance für Schwersttraumatisierte steigt.

Ein Blick auf die möglichen Ansätze zum Ausbau des Netzwerkes verrät: Eine Ausdifferenzierung ist in Zukunft nicht ausgeschlossen. Im Zuge der gestiegenen Patientenzahlen im UKA hat sich die Kommunikation mit den Rehakliniken verbessert. Pape: „Es gibt nichts Blöderes für einen Patienten, als in der Physiotherapie einen guten Trainingsstand erreicht zu haben und dann auf einen Platz in der Rehaklinik warten zu müssen.” Darum arbeitet man etwa in Aachen mit der Schwertbad-Rehaklinik und dem Haus Cadenbach des Luisenhospitals zusammen.

Schließlich wächst das Traumanetzwerk weiter, regional wie lokal. In den nächsten Monaten wird ein weiteres Krankenhaus in Mönchengladbach die Zertifizierung abschließen und dem Traumanetzwerk beitreten. Im Uniklinikum selbst ist ein zweiter, größerer Schockraum geplant, um dem steigenden Patientenaufkommen gerecht werden zu können.

15 Krankenhäuser arbeiten eng zusammen

Das Traumanetzwerk Euregio Aachen ist eine Kooperation von derzeit 15 Krankenhäusern in der Region zur besseren Versorgung Unfallverletzter. Ende vergangenen Jahres wurde es von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert.

Koordiniert durch die Unfallchirurgie des Uniklinikums Aachen gehören dazu: die Uniklinik Maastricht sowie Krankenhäuser in Aachen, Düren, Erkelenz, Eschweiler, Geilenkirchen, Heinsberg, Mönchengladbach, Stolberg und Würselen.

„Bei der Versorgung schwer verletzter Unfallopfer darf es keine Wartezeiten geben”, sagt Professor Hans-Christoph Pape, Direktor der Unfallchirurgie des Klinikums. „Die Überlebenschance von Schwerstverletzten sinkt mit jeder Viertelstunde ohne Behandlung. Traumanetzwerke sind dazu da, die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen.”

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