Aachen/Düsseldorf - Unerwarteter Zulauf an den Unis

Unerwarteter Zulauf an den Unis

Von: Axel Borrenkott
Letzte Aktualisierung:
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Mit 500 zusätzlichen Neueinschreibungen hatte die RWTH Aachen zum Wintersemester gerechnet, es sind aber 1700 mehr als im Vorjahr. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Wie zählt man zukünftige Studenten? Eine offenbar so schwierige wie folgenreiche Aufgabe - so überrascht, wie sich Hochschulen und Ministerien jetzt über den Zulauf zum Wintersemester geben.

Dass man sich dermaßen verschätzt hat, hat mit überholten Zahlen zu tun, auf denen die Prognosen beruhten. Vermutlich wollten aber auch noch viel mehr junge Leute auf die Uni, als man ahnen konnte, nicht nur wegen der Aussetzung der Wehrpflicht.

Mit 500 zusätzlichen Neueinschreibungen hatte die RWTH Aachen zum Wintersemester gerechnet, es sind aber 1700 mehr als im Vorjahr. Für Nordrhein-Westfalen insgesamt waren 100.000 zusätzliche Studierende prognostiziert worden, tatsächlich sind es 115.000. Die Prognose-Zahlen waren Basis für das Abkommen zwischen Bund und Ländern aus dem Jahr 2009, der die Finanzierung der bis 2015 erwarteten zusätzlichen Studenten regelt.

Zuständig für die Prognosen ist die Kultusministerkonferenz (KMK). Die rechnet aus den Schulabgängerzahlen und den Übergangsquoten vergangener Jahre die künftigen Zahlen hoch. Basis für die Prognose von 2009 waren die Zahlen von 2007 - und die sollten gelten für die Entwicklungen der Jahre 2011 bis 2015. Die Wehrpflicht-Aussetzung kam 2010 hinzu.

„Es gibt ein Statistik-Problem im Hochschulbereich, die Prognose-Zahlen haben einen zu langen Vorlauf”, bringt es Christiane Dusch vom NRW-Wissenschaftsministerium auf den Punkt. Die KMK wird hat eigens eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Prognose-Methoden zu verbessern. Ein Problem ist wohl auch, dass die allem zugrunde liegenden Zahlen über Schulabgänger und Übergangsquoten vom Bundesamt für Statistik erst jeweils im Sommer des Folgejahres zur Verfügung stehen.

Unterschätzt wurde anscheinend auch der Effekt der Wehrpflicht-Aussetzung. Nach den vom Ministerium vorgegebenen Daten konnte beispielsweise die RWTH von daher mit 900 zusätzlichen Anfängern rechnen, 500 in diesem, 400 im nächsten Jahr. Offenbar waren es aber wesentlich mehr. Welche Rolle der Wegfall der Studiengebühren in NRW gespielt hat, ist noch völlig unklar. Der Zulauf aus Bundesländern, die schon G8 eingeführt haben, macht jedenfalls ganze 120 Neueinschreiber aus. „Der Planungsansatz des Ministeriums kann nicht gestimmt haben”, sagt Prorektor Aloys Krieg.

Erste Zahlen auch aus anderen Hochschulen sprechen dafür, dass in diesem Jahr, anders als sonst, prozentual mehr Jungen als Mädchen ein Studium aufgenommen haben. „Wir gehen aber auch von einer insgesamt höheren Studierneigung aus”, sagt Krieg, „Es rufen immer noch Leute und fragen, wo noch etwas frei ist.” Krieg warnt dabei vor „dramatischen Entwicklungen”, wenn es für die zusätzliche Überzahl in den nächsten Jahren nicht zusätzliches Geld gebe.
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