Essen - Und der größte Mond auf Erden scheint im Revier

Und der größte Mond auf Erden scheint im Revier

Von: Bernd Büttgens
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Der Gasometer Oberhausen - wo einst das Gas für die Industrie gespeichert wurde, sorgen heute spektakuläre Ausstellungen wie die „Sternstunden” für große Resonanz. 750.000 Gäste wurden in der Schau über das Sonnensystem bereits gezählt. Auch überirdisch: der Blick vom Gasometer, vom Dach des Reviers, auf das Ruhrgebiet. Foto: Gasometer Oberhausen

Essen. Eine Reise mit Kindern ins Ruhrgebiet. Drei Tage in einer Region, die einen unvergleichlichen Strukturwandel erlebt. Die den Aufbruch nun wahrlich für sich reklamieren darf. Wo früher Kumpels und Stahlwerker malochten, machen sich heute Touristen aus aller Welt eine erlebnisreiche Zeit.

Die Kulturhauptstadt Europas, die Metropole Ruhr, hat viel zu bieten. Der Drei-Tages-Trip mit Kindern, dessen erste Folge am Samstag erschienen ist, wird heute fortgesetzt und vollendet.

2. Tag

Gasometer Oberhausen: Natürlich freut sich Pressechef Thomas Machoczek über die gewaltige Resonanz, die die aktuelle Ausstellung im Oberhausener Gasometer (http://www.gasometer.de) erfährt.

750.000 Besucher haben sich bislang die „Sternstunden”, die multimediale Schau über die Wunder des Sonnensystems, im monumentalen einstigen Gasspeicher angeschaut. Imposant ist das Bauwerk, in dem knapp 60 Jahre lang im Dienst der Industrie zunächst Gichtgas, später auch Koksgas gespeichert wurden, und das seit 1994 spektakuläre Ausstellungen beheimatet. Pflicht ist im Gasometer (Familienkarte 15 Euro) die Aufzugfahrt aufs Dach - der nächste Blick von oben auf die grüne Lunge Ruhrgebiet und auf das in direkter Nachbarschaft liegende Einkaufszentrum Centro.

Und die Kür ist die aktuelle Ausstellung. Die „Sternstunden” gewähren mit spektakulären Bildern und Exponaten einen umfassenden und fesselnden Einblick in unser Sonnensystem und in den kosmischen Prozess des Werdens und Vergehens. Höhepunkt der Präsentation ist der mit 25 Metern Durchmesser „größte Mond auf Erden”, den Wolfgang Volz, der schon für Christo den Reichstag verhüllte, in den 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers gehängt hat. Hier können nicht nur die Kinder staunen, hier kommen die Erwachsenen ins Nachdenken.

Aus dieser Kathedrale der Industriekultur entlässt uns Frank Machoczek, ein Kind des Potts und darauf auch mächtig stolz, mit einem Tipp: „Legen Sie einen kleinen Zwischenstopp in der Siedlung Eisenheim ein!”

P.S.: Neben dem Gasometer liegt ein attraktiver Hochseilgarten (http://www.tree2tree.de) - zum Ausgleich für so viel Kultur.

Siedlung Eisenheim: Gesagt, getan, ist ja nicht weit, quasi auf der anderen Seite der A42 in Oberhausen. Eisenheim, die erste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets, entstand 1846, Bauherrin war die Gutehoffnungshütte. In mehreren Bauphasen entstanden 51 Häuser. Etwa 1200 Menschen lebten hier zur Zeit der Jahrhundertwende. Der Niedergang der Siedlung begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Dem schon legendären Kampf der Bewohner Anfang der 1970er Jahre ist es zu verdanken, dass Eisenheim saniert und die verbliebenen 38 Häuser zum Denkmal erklärt wurden. Nicht nur für Nostalgiker ein Muss!

Duisburger Innenhafen: Die letzte Station des zweiten Tages ist Duisburg, genauer der Innenhafen. Einst der „Brotkorb des Ruhrgebiets”, weil dort so viele Mühlen und Speicher um 1900 gebaut wurden, verlor der Innenhafen doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mächtig an Bedeutung.

Das hat sich nun geändert, denn ein beispielhaftes Stadterneuerungskonzept, dem der britische Stararchitekt Sir Norman Foster die Handschrift gab, hat den Innenhafen zu einem attraktiven Quartier mit neuem Innenstadtanschluss gemacht. Wohnen, arbeiten, ausgehen - hier lässt es sich entspannt flanieren. Und das kulinarische Angebot ist mehr als zufriedenstellend (Rundgang auf http://www.innenhafen-portal.de). Parkplätze gibt es am Kopf des Hafens in der Schifferstraße, direkt unter der A59.

Ach so, die Kinder. Für sie ist die Attraktion im Innenhafen das Legoland Discovery Center Duisburg (http://www.legolanddiscoverycentre.de/duisburg/de). Dort stellt sich unter anderem die Frage: Wie viele Legosteine braucht man wohl, um die Zeche Zollverein nachzubauen? Ganze 77.278, die zusammen 165 Kilogramm wiegen! Kinder von drei bis elf sind nach dem Besuch sehr zufrieden.

3. Tag

Bergbaumuseum Bochum: Der letzte Tag beginnt, wir starten unterirdisch. Konnte man auf der Zeche Zollverein sehen, was mit der Kohle passiert, wenn sie denn mal das Tageslicht erreicht hatte, so richtet das Bergbaumuseum Bochum den Blick nach unten. Für die Kinder ist der Ausflug in 17 Meter Tiefe eine Abenteuerreise, die Führung ist gut gemacht, informativ, die Techniken des Bergbaus werden erläutert, man spürt die Enge, Feuchte, ahnt die Lärmkulisse und den Dreck.

Wer von Besuchern der Führung erfährt, dass „der alte Mann zusammengebrochen ist”, braucht sich nicht zu sorgen. Der alte Mann ist das zurückgelassene, abgebaute Kohlefeld, das einbricht, wenn der Abbau voranschreitet. Eva Koch, Sprecherin des Hauses, das schon seit 1930 besteht, mit dem ehemaligen Förderturm der Zeche Germania in Dortmund das älteste Industriedenkmal für sich reklamieren kann und eine eigene Forschungsabteilung unterhält, erzählt nicht ohne Stolz von steigenden Gästezahlen: „Vor allem die Familie mit Kindern strömen zu uns.” In den Ferien gibt es täglich um 9.30 und 15 Uhr eine spezielle Familienführung durch das Schaubergwerk. (Infos http://www.bergbaumuseum.de )

Bochumer City: Herbert Grönemeyer hat Recht, eine Schönheit ist die Stadt nicht, sie verfügt aber fraglos über viele innere Werte. Zwei Punkte sollten sie beim Blitzbesuch ansteuern: Im so genannten „Bermuda3Eck”, einer gut vermarkteten Kneipenmeile in der City, gibt es am Konrad-Adenauer-Platz seit den 1970er Jahren das Café Mandragora. Hier bedienten - schon vor dem Musical „Starlight-Express” - die Kellner auf Rollschuhen. Die Crepes sind sehr zu empfehlen. Und wer ein ausgefallenes Souvenir aus dem Pott mitbringen möchte, dem sei in der Königsallee 12 der kleine Laden „Stückgut” empfohlen.

Baldeneysee: Wir lassen unseren Schnupperkurs Ruhrgebiet am Baldeneysee (http://baldeneysee.de) in Essen ausklingen. Geparkt haben wir am Regattaturm in der Freiherr-vom-Stein-Straße, direkt daneben liegt auch der S-Bahn-Haltepunkt Essen-Hügel. Auf der gegenüberliegenden Seeseite, die über das Wehr zu erreichen ist, gibt es einen gut frequentierten Tretbootverleih (mit Café), dort starten auch die weißen Tretboote zu den Kunstinseln, die zurzeit im See verankert sind und das Thema Energie der Zukunft aufgreifen (http://www.ruhratoll.de). Für Kinder ist das Kunstthema eher sperrig, das Bötchenfahren dafür umso spannender.

Villa Hügel: Ja, und dann zum Schluss noch ein Stück Ruhrgebietsgeschichte: die Villa Hügel. Sie kreuzen am Parkplatz die Straße und steigen zu Fuß das steile Straßenstück unterhalb eines griechischen Restaurants an zum Kassenhäuschen der Villa. Von dort geht es durch einen zauberhaften Park zum 1873 bezogenen Domizil der Krupps (http://www.villa-huegel.de). Auch hier könnten Sie einen Tag verbringen. Etwa im Großen Haus, das einem Kaiser Ehre gemacht hätte und einen schönen Einblick in das Leben der Stahlbarone gewährt. Oder im Kleinen Haus, wo die bewegende Geschichte der Familie Krupp und ihres Unternehmens erzählt wird.

Naja, 269 Räume und 8100 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, umgeben von einem 28 Hektar großen Park - das Ruhrgebiet ist reich an Attraktionen.

Route der Industriekultur als Leitfaden

Ein guter Orientierungsleitfaden für eine Tour kann auch das regionale Tourismus-Projekt „Route der Industriekultur” sein. Hierbei geht es um einen etwa 400 Kilometer langen Rundkurs durchs Ruhrgebiet.

52 herausragende Zeugnisse der industriellen Vergangenheit und Gegenwart des Ruhrgebietes bilden die Route der Industriekultur. Dazu gehören überregional bedeutende Industrieanlagen wie die Zeche Zollverein oder der Gasometer ebenso wie von namhaften Architekten entworfene Arbeitersiedlungen, Museen oder Panoramen, durch die man sich einen guten Überblick über die Geschichte der Region verschaffen kann.

25 Ankerpunkte bilden das Rückgrat der Route. Sie sind Ausgangspunkte für 25 Themenrouten, auf denen Interessierte zum Beispiel die Geschichte einer Region erforschen beziehungsweise den Spuren eines speziellen Aspekts wie der Bergbau-, der Schifffahrts- oder Eisenbahngeschichte folgen können. (http://www.route-industriekultur.de)
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