Über 7000 Unfallfluchten im Jahr 2013

Von: Claudia Schweda
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Auffahrunfall
Schon passiert: Wer beim Ein- oder Ausparken ein fremdes Auto touchiert und nicht wartet, bis der Unfallgegner kommt, begeht Unfallflucht. In fast der Hälfte der Fälle wird diese Straftat aufgeklärt. Foto: stock/imagebroker

Aachen / Düren / Heinsberg. In Geilenkirchen ist in der Nacht zum Samstag ein Autofahrer auf einen anderen Wagen aufgefahren, der trotz grüner Ampel vor der Kreuzung stark abgebremst worden war. Doch statt sich um den entstandenen Schaden zu kümmern, beschleunigte der vorausfahrende Fahrer seinen Wagen wieder und fuhr Richtung Frelenberg davon. Das berichtet die Polizei am Montag. Unfallflucht.

Über 7000 Mal ist es im vorigen Jahr im Raum Aachen (4127 Mal), Düren (1619 Mal) und Heinsberg (1443) zu einer Unfallflucht gekommen. Knapp 330 Mal wurde dabei ein Mensch verletzt. Die Zahlen sind in den vergangenen zehn Jahren angestiegen. Das ist angesichts des insgesamt steigenden Verkehrs in Teilen erklärbar.

Doch deutlich wird, dass es sich zusehends um ein großstädtisches Problem handelt. Denn in den Kreisen Heinsberg und Düren stiegen die Zahlen im vorigen Jahr im Vergleich zu 2004 nur um 15 beziehungsweise elf Prozent. Dagegen wurden in der Städteregion Aachen 28 Prozent mehr Verkehrsunfallfluchten als noch 2004 angezeigt. Die Tendenz für das erste Halbjahr ist im Raum Düren und Aachen weiterhin leicht steigend. Nur im Raum Heinsberg bleibt das Niveau – wie schon im Vorjahr – bislang nahezu konstant.

Erschreckend ist für die Aachener Polizei die dramatisch gestiegene Zahl der Unfallfluchten mit Verletzten in der Städteregion: sie liege im ersten Halbjahr 2014 um einen deutlichen zweistelligen Prozentpunktbereich über der Zahl des Vergleichszeitraumes im Vorjahr, teilte Sprecherin Sandra Schmitz mit, ohne eine exakte Zahl zu nennen. Insgesamt waren im vorigen Jahr in der Städteregion 146 Menschen bei Unfallfluchten verletzt worden, im Kreis Düren 94, im Kreis Heinsberg 87.

Drei von vier Unfallfluchten, bei denen Menschen verletzt werden, werden in der Städteregion Aachen aufgeklärt. „Die Quote war 2013 mit 75 Prozent immens hoch“, sagt Sandra Schmitz, Sprecherin der Polizei, im Kreis Düren (71 Prozent) und im Kreis Heinsberg (68 Prozent) lag sie kaum darunter. Der Aufwand der in diesen Fällen betrieben wird, ist nach Angaben der Polizei immens: Lackspuren werden analysiert, Beamte gehen von Haus zu Haus, um Zeugen zu finden, und im besten Fall kann sich das Unfallopfer an den Wagen oder sogar mehr erinnern.

Unfallfluchten mit Sachschäden werden zwar deutlich seltener aufgeklärt, weil es häufig keine Zeugen gibt, aber die Quote dürfte deutlich höher liegen, als viele Unfallflüchtige glauben: 2013 betrug sie im Raum Aachen 47 Prozent, im Kreis Heinsberg 45 Prozent und im Kreis Düren 43 Prozent – nur etwa jeder Zweite kommt also tatsächlich ungeschoren davon. „Diese Quote wird viele Autofahrer überraschen und hält hoffentlich in Zukunft einige davon ab, sich vom Unfallort zu entfernen, ohne sich um den Schaden zu kümmern“, sagt Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Heinsberger Polizei.

Die, die erwischt werden, kommt ihre Tat teuer zu stehen: Unfallflucht ist eine Straftat. Wer erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe und bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Hat es Verletzte gegeben, und die Anklage geht von vorsätzlicher Körperverletzung aus, kann die Haftstrafe bis zu fünf Jahre betragen. Die Geldstrafe liegt nach Angaben des Aachener Gerichtssprechers Herbert Voßen – unter der Bedingung, dass niemand verletzt wurde und der Fahrerflüchtige durch keinen Punkt in Flensburg vorbelastet ist – bei etwa 30 bis 50 Tagessätzen. Die Höhe eines Tagessatzes bestimmt sich durch die Höhe des Einkommens, beträgt aber mindestens fünf Euro.

Neben der Geldstrafe droht dem Fahrerflüchtigen häufig auch ein Fahrverbot oder sogar der Entzug der Fahrerlaubnis. Bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort darf der Führerschein schon dann entzogen werden, wenn ein „bedeutender Schaden an fremden Sachen“ entstanden ist. Dieser „bedeutende Schaden“ beginnt bei etwa 1300 Euro, am Amtsgericht Aachen wurde die Grenze nach Angaben Voßens in einigen Fällen auch schon bei 1100 Euro angesetzt. „Diese Wertgrenze hat man bei einer lackierten Stoßstange schnell erreicht“, sagt Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft.

Auch für die Haftung der Versicherung kann eine Unfallflucht Folgen haben: „Der Versicherte hat die Pflicht, an der Schadensaufklärung mitzuarbeiten“, sagt Alina Schön vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Eine Unfallflucht sei das Gegenteil dessen. Die Versicherung könne den Versicherten, der ertappt wurde, für den Schaden in Regress nehmen.

Laut Gesetz ist diese so genannte Leistungsfreiheit auf maximal 5000 Euro begrenzt. Der Zettel hinter der Windschutzscheibe jedenfalls reiche nicht aus, um als Unfallverursacher seiner Aufklärungspflicht nachzukommen. Wer auf der sicheren Seite sein will, empfiehlt die Sprecherin des Versicherungsverbandes, wartet eine „angemessene Zeit“ und informiert, wenn niemand kommt, die Polizei.

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