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Trotz Titel: Miss Germany aus Baesweiler „bleibt, wie sie ist“

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Ohne Red-Bull-Dose, aber mit Schärpe: Vivien Konca (l.) aus Baesweiler ist seit dem Wochenende Miss Germany. Ihre Mutter Beata ist sicher: „Die Vivien bleibt, wie sie ist, und das ist auch schön.“ Foto: Stefan Schaum, dpa

Baesweiler. Kleine Handtaschen kann Vivien Konca vorerst nicht mehr brauchen. Ein Jahr lang muss sie richtig große Kaliber schultern, denn nicht bloß das Zubehör fürs standesgemäße Make-up benötigt seinen Platz. Auch die schwarz-rot-goldene Schärpe und das silberne Diadem muss die 19-Jährige jetzt bei sich tragen.

Kein einziger offizieller Fototermin mehr ohne zumindest eines dieser Accessoires, der Grundausstattung einer jeden Miss Germany. Und eine solche ist die junge Frau aus Baesweiler-Loverich nun. Ihr selbst formuliertes Ziel: „Ich will Deutschland ein Gesicht geben.“ Ihre Hoffnung: Es möge das eigene bleiben. Doch wie viel Normalität verträgt das Amt? Diese Frage könnte sich stellen.

Am Wochenende hatte sie sich im Europapark Rust gegen 23 Konkurrentinnen durchgesetzt. Sie selbst formuliert das anders. „In dem Wettbewerb waren wir keine Konkurrentinnen, da hat es wirklich keinen Kampf untereinander gegeben. Das war von Anfang an ein ganz freundschaftliches Verhältnis.“ Das sind Worte, die sich für eine Miss gehören. Als Repräsentantin müsse sie stets freundlich sein, sagt Vivien Konca später im Gespräch.

Freundlich sein und selbstbewusst auftreten – so hat sie es gelernt in einem dreiwöchigen Medientraining, das alle Anwärterinnen auf den Titel durchlaufen haben. So sei sie aber auch zuvor schon gewesen, sagt sie. Es waren wenige Tage, die sie vorbereiten sollten auf eine lange Zeit, in der ein Termin den nächsten jagen wird. 200 Tage wird sie in diesem Jahr offiziell unterwegs sein. Mindestens. Ob sie das schon überblickt? „Es kommt erst so langsam bei mir an“, sagt sie. „Ich denke aber, dass man 24 Stunden am Tag eine Miss ist. Da steht man eigentlich immer unter Beobachtung.“ Kurze Pause. „Ist schon ein komisches Gefühl.“ Die richtige Kleidung, das richtige Auftreten, das richtige Lächeln: Wo immer sie als Miss unterwegs ist, soll möglichst alles stimmen.

Ein wenig loslassen kann sie in Loverich. Wie haben ihre Nachbarn und Freunde sie dort vor vier Tagen gefeiert, als sie mitten in der Nacht ankam. Sogar das Straßenschild hatten sie überklebt und mit Pappe eine „Miss-Germany-Straße“ daraus gemacht. Ein dickes Stück Kuchen zu später Stunde hat Vivien sich gegönnt. Und das würde sie auch in Zukunft tun, sagt sie. „Es ist doch bloß ein Klischee, dass eine Miss nichts Süßes essen darf. Was die Ernährung betrifft, gibt es überhaupt keine Vorschriften“, sagt sie

. Erdbeeren liebe sie sehr, aber auch Fast-Food. Oder Red Bull, den Drink mit ganz viel Zucker und Koffein. Der steht vor ihr beim Pressetermin in einem Baesweiler Bistro, erst für ein Foto schiebt sie ihn beiseite. „Hallo, Ihr zwei Hübschen“, hat eine Bedienung sie begrüßt, als sie mit Mutter Beata hereinkam. Auch hier hat sich natürlich längst herumgesprochen, dass Baesweiler jetzt eine Miss Germany zu bieten hat. „Die ganze Stadt hat mir schon gratuliert“, sagt Vivien – und hätte sie ihr Handy nicht abgeschaltet, käme sie wohl gar nicht dazu, etwas von sich zu erzählen. „Das klingelt ständig.“ Auch hier am Tisch trägt sie die Schärpe, denn die Kamera liegt schon auf dem Tisch.

Wie sie wohl ihren Sieg im Wettbewerb beurteilt? Sieht sie sich als Schönheitskönigin? Nein. Oder zumindest nicht nur. „Ich denke nicht, dass nur das Aussehen zählt. Da geht es eher um ein Gesamtpaket“, sagt die Frau, die am Baesweiler Gymnasium ihr Abitur gemacht hat und fünf Sprachen spricht. „Eine Miss mus eine eigene Persönlichkeit haben und sie bei der Wahl und auch später mit einbringen.“ Humorvoll und offen sei sie, ihre Mutter fügt hinzu: „und hilfsbereit“.

„Ein Heimweh-Typ“ ist sie ebenfalls, doch sie hofft, dass sich das im Lauf der nächsten Wochen noch legt. Was sie vermissen wird? Chihuahua Coco und Freund Kevin. „Der wird sich daran gewöhnen müssen, dass er mich nicht mehr so oft sieht.“ Als Begleiter auf ihren Terminen möchte sie ihn nicht dabei haben, sagt sie. Berufliches und Privates trennen – sie hofft, dass das gut klappen wird.

Wie es beruflich für sie weitergehen wird, wenn sie in einem Jahr den Titel wieder abgeben muss, und auch den weißen Renault Clio, den sie bis dahin als Miss fahren darf? „Das werde ich dann sehen“, sagt sie. Die Ausbildung zur Handelsfachwirtin liegt auf Eis, „aber mein Chef hat super viel Verständnis dafür gezeigt“. Vielleicht findet sich aber was ganz anderes, denn man knüpfe schließlich viele Kontakte. „Womöglich bleibe ich anschließend im Medienbereich.“ Die ersten Schritte sind jedenfalls gemacht, viele weitere kommen noch. Normal bleiben will sie dabei auf jeder Etappe. „Die Vivien bleibt, wie sie ist, und das ist auch schön“, sagt Mutter Beate. Und die Tochter sagt, „na klar“.

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