Tritt in den Bauch war tödlich: Opfer verblutete

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg. Er soll mehr als vier Promille im Blut gehabt haben, als Eduard E. (29) sich mit seinem 52-jährigen Saufkumpanen am 2. November 2012 in dessen eigener Wohnung prügelte. Aus nichtigem Anlass, wie sich vor dem Aachener Schwurgericht herausstellte.

Die wüste Schlägerei unter zwei Betrunkenen ging für den anderen Mann tödlich aus.Er starb, während sich sein Mitzecher mit wenigen Blessuren auf der Couch im Wohnzimmer zur Ruhe legte.

Jetzt muss sich E. wegen Totschlags vor dem Aachener Landgericht verantworten. In einer vor dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl abgegebenen Erklärung wies sein Aachener Verteidiger Rainer Dietz darauf hin, dass sein Mandant sich an viele Einzelheiten der Tat wegen des selbst für Trinkgewohnte immens hohen Promillewertes nicht genau erinnern könne. E. war Stunden später anlässlich seiner damaligen Zeugenvernehmung kurz nach Mitternacht auf einen Alkoholwert von 2,93 Promille getestet worden.

„Wenn man das auf den Tatzeitpunkt von etwa 19 Uhr am Freitagabend herunter rechnet, erhält man einen Wert von mehr als vier Promille“, verlas der Anwalt seine Erklärung. So stelle sich die Frage, ob er denn die Tötung seines Bekannten tatsächlich billigend in Kauf genommen habe, wie die Staatsanwaltschaft das in der Anklage behaupte, oder ob er wegen des hohen Alkoholwertes einfach nicht bei Sinnen war.

Der Angeklagte selber war erst zwei Wochen vorher wegen fortgesetzter Trunksucht aus einem Arbeitsverhältnis geflogen. Und es war auch nicht das erste Mal, dass er wegen Schlägereien unter Alkoholeinfluss auffällig wurde.

Sein Kumpel habe ihn in seine Stolberger Wohnung aufgenommen, nachdem seine in Eschweiler lebenden Eltern den problematischen Sohn wegen seiner Alkoholsucht rausgeschmissen hätten, wie der Angeklagte in seinem Geständnis angab.

Er können sich aber nur noch an ein Geschubse und einen Kampf erinnern, erklärte er am Mittwoch. Auch wisse er noch von einem Tritt in den Bauch des 52-Jährigen, als dieser bereits im Flur der Wohnung am Boden gelegen habe. Durch diesen wuchtigen Tritt in den Bauch wurden innen liegende Organe verletzt - das Opfer verblutete dann langsam. „Ich wollte ihm weh tun, aber ich wollte ihn nicht umbringen“, gestand der in Kasachstan geborene Angeklagte, der 1998 mit seiner Familie nach Eschweiler gekommen war.

Eduard E. rief auch die Polizei an. Da sagte er noch, er habe den Kumpel tot aufgefunden. Er habe geschellt und als niemand aufmachte, sei er über den Balkon eingestiegen. Das war gelogen; die Polizei nahm den Zeugen nach einigen Tagen als Verdächtigen fest.

Das alles tue ihm sehr leid, bekräftigte E. vor Gericht. Er habe bereits kurz vorher nach Therapiemöglichkeiten gesucht, habe jedoch eine Absage erhalten, weil dort kein Platz frei war. Bei der Auseinandersetzung hätten sich beide gegenseitig beleidigt, beispielsweise habe der alkoholabhängige Bekannte „Hurensohn“ zu ihm gesagt. Da sei er ausgerastet.

Der Prozess geht am 16. Mai im Aachener Landgericht weiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert