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Tränenreicher Abschied von der Rostlaube

Von: Marc Pesch, ddp
Letzte Aktualisierung:
Schrottplatz Rosen Abwrackprämie
Schrotthändler Dirk Drossard aus Grevenbroich zeigt Rosen auf dem Rücksitz eine Mercedes 190, der ihm zum Abwracken übergeben wurde. Die Abwrackprämie sorgt derzeit für sentimentale Szenen in nordrhein-westfälischen Autohäusern und bei Schrotthändlern. Häufig weinen Autofahrer sogar bittere Tränen, wenn ihr Vehikel seine letzte Fahrt zum Shredder antritt, wie Autoverkäufer berichten. Foto: ddp

Grevenbroich. Rote Rosen als letzter Gruß: Mit dem Blumenbouquet auf der Rückbank hat eine Familie aus Pulheim (Rhein-Erft-Kreis) ihre 20 Jahre alte Limousine zum Entsorgen abgeliefert. Auch andernorts sorgt die Abwrackprämie für sentimentale Szenen bei nordrhein-westfälischen Autoverkäufern und Schrotthändlern. Häufig weinen Autofahrer sogar bittere Tränen, wenn ihr Vehikel seine letzte Fahrt zum Shredder antritt.

„Dieser Fall war für uns absolut ungewöhnlich - so was hatten wir noch nie”, sagt Ford-Händler Josef Breuer aus Grevenbroich über die Familie, die ihrem Mercedes zum Abschied rote Rosen überreichte. „Die Leute waren schon raus aus dem Autohaus, als ich die Blumen auf der Rückbank gesehen habe.” Er sei ihnen hinterhergelaufen, um ihnen die vermeintlich vergessenen Blumen zu bringen. „Da sagte der Mann: Nein, nein, die sind für unser Auto. Für 20 Jahre treue Dienste.” Mehr als 450.000 Kilometer habe der weiße 190er Daimler auf dem Buckel gehabt, der Wagen sei noch tadellos angesprungen.

Für diese Kunden war es offenbar ein bewegender Abschied. Damit sind sie nicht die einzigen. Wie Autohändler aus ganz NRW berichten, fließen derzeit viele Tränen. „Einige müssen tatsächlich weinen, das berichten mir auch Kollegen”, beteuert Breuer. In anderen Fällen würden Kuscheltiere in den Autos zurückgelassen, manche würden sich mit Worten wie „Alter, machs gut” von ihrem fahrbaren Untersatz verabschieden, sagt auch Autoverkäufer Peter Kames aus Düsseldorf.

Wie „geschnitten Brot” läuft es in vielen Autohäusern, seit die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro als Umwelt- oder Abwrackprämie zur Verfügung gestellt hat. „Vor allem Kleinwagen laufen wie nie zuvor. Wir kommen kaum nach. Wahnsinn - damit hätten wir nie gerechnet”, freut sich Ford-Händler Breuer.

Einen ähnlichen Boom verzeichnen auch viele Schrottplatzbesitzer. Dirk Drossard aus dem Rhein-Kreis Neuss hat deutlich mehr zu tun, als normalerweise um diese Jahreszeit: „In den letzten zwei Wochen sind hier so viele Autos abgegeben worden, wie sonst in einem Jahr.” Auch der Mercedes mit den roten Rosen auf der Rückbank ist bei ihm in der Schrottpresse gelandet. „Klar, die Rosen haben wir im Auto gelassen. Das ist Ehrensache. So eine Geschichte hatten wir allerdings noch nie.”

Die Bundesvereinigung deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen rechnet bundesweit für 2009 mit einem Plus von mindestens 5 Prozent bei der Verschrottung von Altautos. Man könne davon ausgehen, dass durch die Abwrackprämie etwa 200.000 zusätzliche Fahrzeuge in den Shredder gelangten, sagte Geschäftsführer Ulrich Leuning. Der Bund hat insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Bis zu 600.000 Autokäufer können davon profitieren - gut möglich, dass noch weitere roten Rosen altersschwachen Autos ein letztes Geleit geben.
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