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Totalschaden für Köln und Schramma

Von: dpa/wg/az
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Präsentierte sich am Sonntag in Köln als Opfer: Fritz Schramma. Foto: dpa

Köln. Die vergangenen vier Wochen haben den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) bundesweit bekannt gemacht. Landauf, landab sah man die Bilder des untersetzten Mannes mit dem buschigen Schnäuzer, der fassungslos durch die Geröllmassen des eingestürzten Stadtarchivs irrte.

Nun steht Schramma auch im übertragenen Sinne vor einem Trümmerfeld. Seine politische Karriere ist zuende - am Sonntag kündigte er an, nicht mehr kandidieren zu wollen - und das Ansehen Kölns liegt darnieder.

Warum hat der Einsturz Fritz Schramma sein Amt gekostet? Direkte Verantwortung für das Unglück hat er nicht. Der Einsturz ist wohl die Folge des benachbarten U-Bahn-Baus. Die Bauarbeiten wurden von drei Unternehmen ausgeführt, Bauherr waren die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB).

Und das Krisenmanagement - hat er da etwas falsch gemacht? Er ist teilweise ungeschickt aufgetreten, das haben seine Leute selbst zugegeben. So hat er am Tag nach dem Unglück den ganzen U-Bahn-Bau angezweifelt und musste dann zurückrudern.

Vor allem aber haben ihm hier andere geschadet, etwa die KVB-Spitze und der Baudezernent Bernd Streitberger (CDU), die ihn nicht darüber informierten, dass es schon im vergangenen September Probleme mit dem Grundwasser gegeben hatte.

Das „Kölsche System”

Schließlich ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Schramma. Schramma soll interne Sitzungen zum Archiv-Einsturz mitgeschnitten haben, und das ist grundsätzlich strafbar.

Er selbst kann die Aufregung nicht fassen: Das Aufnahmegerät sei eine „Riesenkiste” gewesen, und alle 45 Minuten seien geräuschvoll die Tonbänder gewechselt worden.

Dennoch hat Schramma nach dem Urteil der Kölner Lokalpresse in der Krise versagt, und zwar vor allem deshalb, weil er immer wieder betonte, den U-Bahn-Bau „nicht in der Verantwortung” zu haben.

Das stimmt zwar formal, aber gleichzeitig sagt es nach vorherrschender Auffassung etwas über das „Kölsche System”, das dazu beigetragen haben mag, dass Warnzeichen an der Baustelle ignoriert wurden.

Ein System, in dem alle irgendwie mit drinhängen, gemeinsam profitieren und sich im Ernstfall aus der Verantwortung stehlen.

Der Einsturz hat das enorme Selbstbewusstsein der Kölner erschüttert. Immer wieder zitierte Lebensweisheiten wie „Et kütt, wie et kütt” (Es kommt, wie es kommt) oder „Et hätt noch immer jot jejange” (Es ist noch immer gut gegangen) erscheinen jetzt wie eine Verhöhnung der Opfer.

Mit einem Mal ist von einer „Mentalität des fahrlässigen Optimismus” die Rede. Und der joviale, immer hemdsärmelig agierende OB gilt vielen geradezu als die Personifizierung dieser nun angeprangerten Laissez-faire-Haltung.

Sogar der politische Nachruf aus der Düsseldorfer Staatskanzlei fiel seltsam reserviert aus. „In der Amtszeit von Fritz Schramma hat sich Köln sehr zu seinem Vorteil verändert”, teilte sein Parteifreund Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit und fügte hinzu: „Selbst wenn es in diesen Tagen nicht so deutlich werden mag.”

Nun sucht die CDU hektisch einen Nachfolger. Doch hat der eilig auserkorene Favorit bereits abgewunken. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach will sich nicht um die Nachfolge bewerben.

Bosbach, der in CDU-Kreisen immer wieder als Kandidat genannt wird, sagte der Kölnischen Rundschau, die Kandidatur wäre „zweifellos eine reizvolle Aufabe”, aber antreten wird er nicht.

„Ich kann nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag kandidieren und mich gleichzeitig um das Amt des Oberbürgermeisters von Köln bewerben”, so Bosbach.
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