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Tod eines neunjährigen Behinderten: Mutter und Tochter angeklagt

Von: dpa
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Bad Münstereifel. Weil er von seiner Familie nicht versorgt wurde, starb vor knapp einem Jahr ein neunjähriger behinderter Junge in Bad Münstereifel. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat jetzt die 35-jährige Mutter und ihre 17-jährige Tochter angeklagt.

Ihnen wird Aussetzung mit Todesfolge vorgeworfen, wie am Donnerstag bekannt wurde. Weitere Vorwürfe gegen die Mutter sind Verletzung der Erziehungs- und Fürsorgepflicht sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die 17- Jährige muss sich zudem noch wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Die Mutter von fünf Kindern wird beschuldigt, im April 2009 zwei Wochen lang mit einem ihrer Kinder in Spanien Urlaub gemacht zu haben. Sie beauftragte ihre älteste Tochter mit der Versorgung des behinderten Justin und zwei weiterer Kleinkinder im Alter von sechs und drei Jahren. Die 17-Jährige soll jedoch mit der Aufgabe überfordert gewesen sein und Justin im Stich gelassen haben.

Justin befand sich laut Anklage auf dem Stand eines Anderthalbjährigen und konnte sich nicht selbst versorgen. Das Gitterbett, in das er hineingelegt worden war, konnte er nicht alleine verlassen. Als er am 12. April 2009 gefunden wurde, war er fast verhungert und verdurstet. Nur mit einer Windel bekleidet soll er an einem geöffneten Fenster gelegen haben. Im Krankenhaus starb er noch am selben Tag an Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel und einer Lungenentzündung.

Der Prozess wird demnächst (noch nicht terminiert) vor dem Bonner Jugendschwurgericht verhandelt: Bei einer Verurteilung wegen Aussetzens mit Todesfolge muss die Mutter mit einer Strafe zwischen drei und 15 Jahren rechnen. Für die 17-Jährige hingegen gilt das Jugendstrafrecht, bei dem es keine festgelegten Strafrahmen gibt.

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