Tihange und Doel: Nuklearexperten äußern massive Kritik

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Tihange und Doel: Nuklearexperten äußern massive Kritik

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Belgisches Atomkraftwerk Tihange
Der ehemalige Leiter der US-amerikanischen Atomaufsichtsbehörde, Greg Jaczko, betonte dass Tihange 2 und Doel 3 zumindest so lange vom Netz müssten, wie nicht erwiesen sei, was die Ursache der Risse in den Reaktordruckbehältern ist. Foto: Oliver Berg

Die internationale Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten (Inrag) hat am Samstag ihre Kritik an den umstrittenen belgischen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 erneuert. Beim öffentlichen Teil der Fachtagung in Aachen erläuterten einige der unabhängigen Experten, warum sie ein - zumindest vorübergehendes - Aus der beiden Meiler fordern.

Mehr als 200 Menschen folgten der Inrag und der Städteregion Aachen und hörten sich im Depot in Aachen Vorträge unter anderem vom renommierten Physiker und Kernenergie-Experten Wolfgang Renneberg an. Städteregionsrat Helmut Etschenberg begrüßte die interessierten Besucher der Veranstaltung und lobte das Engagement der Menschen in der Region. Ohne den Protest der Menschen in der Euregio sei ein Kampf gegen Tihange aussichtslos, sagte der CDU-Politiker. Er begrüße sehr, dass sich immer mehr belgische Kommunen ebenfalls für ein Abschalten der Reaktoren aussprechen. Belgien habe als Staat eine Verpflichtung, für Sicherheit zu sorgen, betonte Etschenberg. „Die Menschen in der Städteregion werden keine Ruhe geben und sich mit viel Phantasie weitere Dinge einfallen lassen, um gegen den Betrieb von Tihange 2 zu protestieren.“

Neben Etschenberg begrüßte auch der rheinland-pfälzische Staatssekretär Thomas Griese das Publikum. „Das Atomkraftwerk Tihange liegt nur etwa 75 Kilometer von der rheinland-pfälzischen Landesgrenze entfernt. Bei einer Reaktorkatastrophe würde nicht nur die Stadt Aachen und die Region unbewohnbar, auch Rheinland-Pfalz wäre bei entsprechender Windrichtung stark betroffen“, sagte Griese bei der Fachtagung zum Atomkraftwerk Tihange. Man müsse Belgien bei der Energiewende unterstützen, damit das Land den Atomausstieg schaffen könne.

Trotz schönen Wetters hörten sich die mehr als 200 Teilnehmer komplizierte kerntechnische Erklärungen über die Risse, die Erstellung des Reaktordruckbehälters und die Ultraschalluntersuchungen in Tihange 2 und Doel 3 an. Neben Renneberg sprach unter anderem der ehemalige Leiter der US-amerikanischen Atomaufsichtsbehörde Greg Jaczko. Er betonte, dass Tihange 2 und Doel 3 zumindest so lange vom Netz müssten, wie nicht erwiesen sei, was die Ursache der Risse in den Reaktordruckbehältern ist. Auch wenn es seitens des Betreibers natürlich Druck gebe, die Meiler am Netz zu halten. Renneberg stellte dar, dass es schon bei der Genehmigung der Meiler Probleme gegeben haben müsse. Denn auch nach damaligem Stand der Technik hätten die Risse in den Reaktordruckbehältern entdeckt werden müssen. Er geht davon aus, dass die Risse nicht hätten gesehen werden wollen. Dafür sprächen interne Dokumente der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC. „Hätte man die Stahlringe für den Reaktordruckbehälter nicht genehmigt, hätte sich die Inbetriebnahme von Tihange 2 und Doel 3 um je ein Jahr nach hinten verschoben“, sagte Renneberg. Er glaubt, dass die Behörden dies verhindern wollten. Die FANC habe deshalb, so Renneberg, die Risse wohl nicht in ihren Genehmigungsdokumenten berücksichtigt. Das sei ein Skandal.

 

 

 

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