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Tierisch ernst: Leerer Käfig vor vollen Rängen?

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
guttenberg
Mit dem Vogelkäfig unter dem Arm hebt der designierte AKV-Ordensritter „Wider den tierischen Ernst” Karl-Thoeodor zu Guttenberg über die jubelnden Narren ab. Ob es dazu tatsächlich kommt, ist noch offen.

Aachen/Berlin. Für Aachens Edelkarnevalisten soll sie das Top-Ereignis des Jahres werden, in Berlin mutiert sie zunehmend zur Nebensache: Die für Februar geplante Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst” an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bleibt eine unschöne Hängepartie.

Mehr und mehr verfestigt sich der Eindruck, dass Deutschlands nach wie vor beliebtester Politiker angesichts der vielen Brandherde in seinem Ressort keine Zeit für den AKV haben wird.

Im Gespräch mit dem Referent

Auffallend genug, dass zu Guttenberg seit Bekanntgabe seiner Wahl im August letzten Jahres bis heute keine Zeit für den AKV gefunden hat, wie auch der neue Präsident Werner Pfeil leidvoll zugestehen muss. „Wir sind bisher nur mit dem persönlichen Referenten und dem Pressesprecher im Gespräch.” Pfeil erklärt zwar immer wieder: „Wir gehen davon aus, dass er kommt.” Doch so recht scheint er langsam selber nicht mehr dranzuglauben. „Die Situation ist schwierig. Ich glaube, im Moment beneidet mich niemand.”

Hinterlassen hat ihm die „schwierige Situation” sein Amtsvorgänger Horst Wollgarten, der sich die Bekanntgabe des neuen Ordensritters seinerzeit nicht nehmen lassen wollte - freilich, ohne je selbst mit dem Minister gesprochen zu haben. Berufen konnte man sich bis dato lediglich auf Zusagen des Referenten.

Es vergingen dann weitere zwei Wochen, bis die Pressestelle offiziell eine Bestätigung herausgab. Eine Hintertür ließ aber auch der Pressesprecher damals offen: „Man weiß ja nicht, was in Afghanistan passiert.” Inzwischen muss sich der Minister jedoch nicht nur mit den Unwägbarkeiten in Afghanistan befassen, sondern auch mit den Zuständen auf der Gorch Fock und dem Unfalltod einer Offiziersanwärterin, die aus der Takelage stürzte, dem ungeklärten Tod eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, dem Feldpost-Skandal - zahlreiche Briefe von Soldaten waren geöffnet worden - der geplanten Bundeswehrreform und den Haushaltskürzungen. Selbst der Pressestelle steht da nicht mehr der Sinn nach Auskünften in Sachen Karneval, die derlei Anfragen seit Tagen unbeantwortet lässt.

Derweil rennen dem AKV die Karteninteressenten weiter die Türen ein: „Wir sind völlig überbucht”, sagt Pfeil. Mindestens 200 Karten mehr hätte man problemlos absetzen können, wenn es die Saalkapazität hergeben würde. Umso unangenehmer, wenn der eigentliche Star und Auslöser des Rummels nicht erscheinen würde.

Bekanntlich haben sich nicht nur Anhänger von zu Guttenberg zur Ordensverleihung am 19. Februar angesagt, sondern auch seine Kritiker. Mehrere Friedensverbände haben dazu aufgerufen, eine Menschenkette am Veranstaltungsort Eurogress zu bilden und an das blutige Geschehen in Afghanistan und anderen Krisenherden zu erinnern (Motto: „Krieg ist tierisch ernst”). Der Verein Aachener Friedenspreis hat zu Guttenberg empfohlen, besser fern zu bleiben: Bei den friedliebenden Menschen sei er „nicht willkommen”, hieß es in einem offenen Brief an den Minister. Die Ordensverleihung wurde darin als „zynischer Akt karnevalistischen Treibens” bezeichnet.

Doch die geplanten Proteste sind zurzeit Pfeils geringste Sorge. „Das ist in einer Demokratie so”, sagt der AKV-Präsident. Wichtiger ist für ihn, endlich Klarheit zu gewinnen, ob der Ordensritter kommt oder nicht. „Das wollen wir kurzfristig klären” - am besten schon nächste Woche. Frühestens dann soll auch der Plan B für den Fall des Fernbleibens bekanntgegeben werden. In jedem Fall werde ersatzweise eine andere prominente Person den Orden entgegennehmen, heißt es. Schon wird spekuliert, dass zu Guttenbergs Ehefrau Stephanie den Preis abholen könnte.

Auswirkung denkbar gering

Die Auswirkungen auf den Programmablauf der Sitzung wären denkbar gering. Denn ein Motto oder einen roten Faden wird es dieses Jahr nicht geben, sagt Pfeil. Aus zwei Gründen: Die reine Nummernfolge erleichtert den Zusammenschnitt für die Fernsehaufzeichnung (ARD, 21. Februar, 20.15 Uhr) und ermöglicht einen schnellen Zuschnitt auf den Ersatzgast.
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