Ticket vergessen: Aseag setzt Neunjährigen aus

Von: Oliver Schmetz
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Als vermeintlicher Schwarzfahrer vom Aseag-Kontrolleur kurzerhand auf die Straße gesetzt: der neunjährige Lasse Franchy. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der neunjährige Lasse sollte sich sputen nach der Schule, das hatte seine Mutter ihm morgens extra gesagt. Schließlich hatte die Oma Geburtstag, das sollte gefeiert werden.

Also nahm er von der Montessori-Grundschule in der Reumontstraße aus, wo er in der OGS-Betreuung ist, anders als sonst schon mittags den Bus nach Hause - und kam doch viel zu spät. Denn weil er sein „Fun-Ticket”, für das seine Eltern monatlich 15,60 Euro berappen, vergessen hatte, war für einen Aseag-Kontrolleur offenbar Schluss mit lustig: An der Haltestelle Elsassstraße warf er den Jungen aus dem Bus. So schilderte der Neunjährige den Vorfall jedenfalls seiner Mutter Birgit Franchy, bei der er nach 20-minütigem Fußmarsch ankam - und zwar „sichtlich schockiert”, wie diese erzählt.

Der Kontrolleur habe ihren Sohn aufgefordert, den Bus zu verlassen, um seine „Personalien aufnehmen” zu können, schildert die Mutter. Der Schulfreund, mit dem Lasse unterwegs war, sei im Bus geblieben, ihr Sohn habe „mit einem wildfremden Mann” aussteigen müssen - was Birgit Franchy nicht fassen kann: „Schließlich bringt man Grundschülern nicht grundlos bei, nicht mit fremden Erwachsenen mitzugehen und sich auch nicht von ihren Freunden zu trennen, wenn sie gemeinsam nach Hause gehen.”

Da Neunjährige in der Regel keine Ausweise mit sich führten, habe Lasse im Zuge des „Verhörs” mit einem Schulheft seine Identität belegt. Danach habe ihm der Kontrolleur einen Überweisungsträger in die Hand gedrückt und gesagt, dass nun 40 Euro Strafe fällig würden - und sei in den nächsten Bus gestiegen und habe ihren Sohn stehenlassen.

Lasse habe diese Erfahrung „sehr mitgenommen”, und das nicht bloß, weil er „seinen zehn Kilo schweren Schulranzen nach Hause schleppen” musste. Immer wieder sei er nachmittags in Tränen ausgebrochen, erzählt die Mutter, die sich per Mail bei der Aseag beschwerte. Tenor: Falls dies das übliche Verhalten der Kontrolleure sei, müsse es dringend überdacht werden. Schließlich könne ein Kind in dem Alter ja wohl mal etwas vergessen, ohne gleich auf die Straße gesetzt zu werden.

„Das tut uns leid”, erklärt Aseag-Sprecherin Eva Wußing auf AZ-Anfrage. Den konkreten Vorfall mag sie zwar nicht kommentieren, „weil wir mit dem Kontrolleur noch sprechen müssen”. Aber „richtig wäre es sicher gewesen, den Jungen bis zu seiner Heimathaltestelle zu begleiten”.

Eine konkrete Regelung für solche Fälle gebe es jedoch nicht: „Das ist Ermessenssache der Kontrolleure.” Dass diese „teilweise” auch Prämien für die Ergreifung von Schwarzfahrern erhalten, bestätigt Wußing der AZ zwar - „aber das darf keinen Einfluss auf ihr Verhalten haben”.

Komisch ist dann bloß das mit der angedrohten 40-Euro-Strafe. Denn wer ein Monatsticket hat und vergisst, muss laut Aseag nur Bearbeitungsgebühr zahlen: fünf Euro.
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