Aachen - Thalys: Am DB-Schalter gibt es keine Fahrscheine mehr

Thalys: Am DB-Schalter gibt es keine Fahrscheine mehr

Von: Ulrich Simons
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Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys verlässt den Kölner Hauptbahnhof. Foto: dpa

Aachen. Spontan am Aachener Hauptbahnhof in den Thalys nach Köln, Lüttich oder Brüssel einsteigen – am 9. Juni ist das vorbei. Mit dem Fahrplanwechsel stellt die Bahn den Fahrkartenverkauf für den Hochgeschwindigkeitszug ein.

 Nicht wenige Fahrgäste in der Region sind verärgert. Denn Tickets sind dann nur noch im Thalys Store & More am Kölner Hauptbahnhof, über das Internet, eine kostenpflichtige Telefon-Hotline (Telefon0180/7070707) und in einigen Reisebüros erhältlich.

Riskante Spontanbuchung

Thalys-Pressesprecherin Pia Verheyen kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Der Thalys wird in der Regel nicht direkt am Bahnhof gebucht. Das macht doch keiner.“ Ihre Erklärung: Der Zug sei im Gegensatz zum deutschen ICE reservierungspflichtig. Mit dem Ticket buche der Fahrgast auch gleich seinen Sitzplatz. Pia Verheyen: „Bei einer Spontanbuchung direkt am Bahnhof ist das Risiko viel zu groß, dass es keine freien Plätze mehr gibt.“

Wer künftig mit dem Thalys reisen möchte, kommt am Internet kaum noch vorbei. Das hat auch Bernd Schwuchow aus Eschweiler erkannt, der es auf den Punkt bringt: „Wer nicht mit dem Internet vertraut ist, schaut in die Röhre.“ Denn bei kurzfristigen Buchungen hilft auch die Telefon-Hotline nicht weiter: Wer seinen Fahrschein mit der Post zugeschickt haben möchte, der muss mindestens sieben Tage vor dem Reisetermin reservieren.

Zudem genüge – kritisiert Bernd Schwuchow – die gebührenpflichtige Thalys-Hotline (30 Sekunden kostenlos, danach 14 Cent pro Minute) nicht der aktuellen „Warteschleifen“-Verordnung. Warteschleifen müssen seit dem 1. Juni kostenlos sein, allerdings gilt diese Regelung nur für Musik. Die Zeit, die der Anrufer im Dialog mit einem Sprachcomputer („... drücken Sie bitte die 2“) verbringe, gelte nicht als Warteschleife, warnt Thomas Bradler von der Ver- braucherzen­trale NRW. Hier dürften die Firmen weiter abkassieren.

Was bei Computer-Freaks für leuchtende Augen sorgen dürfte, ist vor allem für ältere Menschen ein Alptraum, die mit „der Technik“ nicht viel am Hut haben: die Buchung per Internet. Selbst Wünsche zum Sitzplatz lassen sich hier gezielt eingeben, und in Sekunden erfährt man, ob der Fensterplatz noch verfügbar ist.

Kurzfristige Buchungen kann man dann aber nur noch „Ticketless“ zu Ende bringen. Das ist keine Aufforderung zum Schwarzfahren, sondern heißt: Nach Abschluss der Buchung kann sich der Reisende seinen Fahrschein in Form einer Bestätigungs-E-Mail ausdrucken oder sich gleich als Barcode auf sein Smartphone schicken lassen. Beides braucht er dann nur noch dem Zugschaffner zu zeigen. Wer die High-Tech-Variante nutzen will, muss allerdings zuvor Mitglied im Club der Thalys-Reisenden („The Card“) werden.

Auch Interrailer dürften demnächst große Augen machen, wenn sie in Aachen erfahren, dass sie für die Weiterfahrt mit dem Thalys eine aufpreispflichtige Reservierung benötigen, die sie dummerweise an den Fahrkartenschaltern der DB nicht mehr kaufen können. Im Thalys erwartet sie dann die nächste Überraschung: Wer im Zug nachlöst, darf zum Ticket noch einen Aufpreis von 25 Euro entrichten, sagt Thalys-Pressesprecherin Pia Verheyen.

So bleibt zumindest für die Fahrt von Aachen nach Lüttich nur der Euregio-Aixpress, und der braucht mit knapp einer Stunde Fahrt durch das ebenso kurvige wie schöne Wesertal doppelt so lange wie Thalys und ICE. In Lüttichs modernem Bahnhof kann man dann endlich das Thalys-Ticket kaufen.

Bernd Schwuchow hat jetzt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz aus Würselen angeschrieben. Das EU-Parlament möge sich doch bitte der Angelegenheit annehmen.

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