Takeda: Globale Entscheidung trifft Aachen hart

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
Takeda war einer der „Gründe
Takeda war einer der „Gründerväter” und Großsponsoren der Kurpark-Classix. Nach dem Auftritt von Dionne Warwick samt Orchester im Kurpark stieg der Konzern bereits Ende 2010 aus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Das sind keine guten Nachrichten für Aachen gleich zu Beginn des Jahres”, sagt Harald Baal. Da hat der CDU-Fraktionsvorsitzende wohl recht. Vor einigen Tagen gab die Becker Textil GmbH bekannt, dass sie als letzte Aachener Tuchfabrik am 30. September endgültig ihre Pforten schließt.

179 Beschäftigte verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Und am Mittwoch teilte der japanische Pharmariese Takeda mit, dass der Standort Aachen wegen der Verlagerung der Vertriebsaktivitäten nach Berlin dicht gemacht wird.

Rund 140 Stellen im Innendienst und in der Verwaltung sind davon betroffen. „Das ist um so bedauerlicher, weil Takeda in Aachen sehr aktiv in Sachen Sponsoring war”, erklärt Baal. Aber das seien globale Entscheidungen, auf die man in Aachen keinen Einfluss habe.

Ähnlich sieht das die grüne Ratsfrau Karin Schmitt-Promny: „Wir sind tief enttäuscht über die Entscheidung, zumal Takeda 30 Jahre erfolgreich tätig ist und durch das Sponsoring auch regional verankert war.” Kaum nachvollziehbar sei, dass bei den technischen Möglichkeiten der Vertrieb nun nach Berlin verlagert würde.

„Wir müssen uns in diesen wirtschaftlichen Umbruchzeiten fragen, welche Unternehmen man nach Aachen holen kann”, sagt Schmitt-Promny und denkt dabei an neue junge Firmen aus dem Technologiesektor. „Außerdem müssen wir das Augenmerk auf kleine und mittlere Unternehmen richten. Die sind wichtig für die Region und die bleiben auch hier”, betont das Mitglied im Wirtschaftsausschuss.

Zweifellos seien die Negativmeldungen von Becker und Takeda kein guter Jahresauftakt, aber, so SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken, „das Ganze hat nichts mit dem Standort Aachen zu tun”.

Das Aus für die Becker Textil GmbH habe ihn nicht überrascht, das sei seit vielen Jahren „eine besondere Leidensgeschichte. Auf diesem Markt kämpfen alle ums Überleben”. Und die Aachener Filiale von Takeda sei im Zuge der Globalisierung „von den Großen geschluckt worden”. Wichtig sei es nun, genau auf die Entwicklung des Campus zu schauen, obwohl die Politik darauf relativ wenig Einfluss habe.

Bürgermeister Björn Jansen bedauert, dass der Pharmakonzern seine Zelte in Aachen abbricht: „Das ist für die ganze Stadt schlecht.” In seiner Funktion als Stadtsportbund-Vorsitzender wird der SPD-Ratsherr deutlicher: „Das ist eine Katastrophe.”

Denn Takeda habe nicht nur den Benefizlauf, sondern auch Personal beim Stadtsportbund (SSB) gesponsert. Zwar würde niemand entlassen, aber etliche Stunden müssten gekürzt werden. In jedem Fall soll auch im September der dann 13. Benefizlauf gestartet werden. Jansen: „Wir haben mit Fendel und Keuchen sowie dem Marienhospital ja noch zwei Partner im Boot, müssen uns aber sicher ein neues Konzept überlegen.”

Betroffen von der Schließung der Takeda-Filiale ist auch das Hochschulsportzentrum (HSZ). „Einer unserer größten Sponsoren fällt weg. Das haut schon ziemlich rein”, nimmt Nico Sperle, Leiter des HSZ, kein Blatt vor den Mund. Die Zeit dränge jetzt, um einen neuen Finanz- und Sachsponsor für den Lousberglauf zu finden. Der Lauf findet, so Sperle, trotz dieser „sehr ungünstigen und bedauerlichen Entwicklung” am 20. Juni statt.

Es sei zwar sehr schade, dass ein weltweit tätiges Unternehmen Aachen den Rücken kehrt, überrascht habe ihn die Entscheidung aber nicht, sagt Christian Mourad, engagierter Kulturmanager und Veranstalter der Kurpark-Classix. „Ich hatte schon im vergangenen Jahr das Gefühl, dass sich die Dinge aus Aachen verschieben”, blickt Mourad zurück.

„Takeda war 2007 quasi einer der Gründerväter und hatte mit dem Crossover-Konzert eine eigene Veranstaltung.” Nach dem Auftritt von Dionne Warwick samt Orchester im Kurpark stieg Takeda aus. Ende 2010 teilte der Konzern Mourad mit, sich als Sponsor von den Kurpark-Classix zu verabschieden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert