Aachen - Tagung in Aachen: Mythos um Hitlers „Mein Kampf“ lebt weiter

Tagung in Aachen: Mythos um Hitlers „Mein Kampf“ lebt weiter

Von: Marlon Gego
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In manchen Ländern ist Hitlers „Mein Kampf“ frei erhältlich, in Deutschland noch bis mindestens Ende 2015 verboten. Das Foto zeigt von links eine italienische, spanische, finnische und norwegische Übersetzung im Deutschen Historischen Museum Berlin. Foto: imago/Metodi Popow

Aachen. Ob Hitlers rassistische Hetzschrift „Mein Kampf“ bald wieder in deutschen Buchläden zu kaufen sein soll, hat selbst auf dem Deutschen Historikertag im September in Mainz für aufgeregte Diskussionen gesorgt, in den Feuilletons der großen Zeitungen sowieso.

Das Urheberrecht der Propagandaschrift liegt seit Hitlers Tod 1945 beim Freistaat Bayern, Ende 2015 läuft der Urheberrechtsschutz aus. In Deutschland ist eine späte Debatte darüber entstanden, wie mit dem Buch künftig umzugehen ist. Veröffentlichen? Und wenn ja: wie? Oder doch lieber weiter verbieten?

Das Aachener Zeitungsmuseum hat anlässlich seiner Ausstellung „Kampf dem Hakenkreuz“ in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politische Wissenschaften der RWTH Aachen und der Landeszentrale für politische Bildung NRW zu einer heute zu Ende gehenden internationalen Tagung eingeladen und sich unter anderem der Zukunft des Buches angenommen. Titel der Tagung: „Zwischen Verbot und Auseinandersetzung: NS-Propaganda im 21. Jahrhundert“.

Christian Kuchler, Professor für die Didaktik der Gesellschaftswissenschaften an der RWTH, sprach sich gestern ebenso für eine Aufhebung des Verbotes aus wie der in London tätige deutsche Historiker Thomas Longerich, der sagte: „Das rigide Veröffentlichungsverbot ist unangemessen.“ Wäre es anders, sei dies ein „Armutszeugnis für Jahrzehnte der Aufarbeitung des Dritten Reiches und der politischen Bildung in Deutschland“. Alle Referenten waren sich in diesem Punkt ziemlich einig. Das Verbot stärke nur den Mythos.

In der Tat bereitet das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) im Auftrag der bayerischen Landesregierung eine historisch-kritische „Mein Kampf“-Edition vor, die Hitlers Tiraden ausführlich kommentieren und einordnen soll. IfZ-Mitarbeiter Thomas Vordermayer gab gestern eine Art Werkstattbericht zum Stand des Projektes ab, geplant ist, die Edition in mindestens vier Bänden im Herbst 2015 zur Frankfurter Buchmesse zu veröffentlichen.

Zugleich aber ist die bayerische Landesregierung dabei zu prüfen, ob sich ein Veröffentlichungsverbot auch über den Ablauf des Urheberrechtsschutzes hinaus juristisch durchsetzen ließe, so dass die kommentierte Edition des IfZ die einzige deutschsprachige Neuveröffentlichung von „Mein Kampf“ bliebe.

In den Niederlanden, berichtete Marc van Berkel (Universität Rotterdam, Hochschule Nijmegen), sei die Aufmerksamkeit für den Zweiten Weltkrieg ungebrochen, in Nijmegen entstehe für 30 Millionen Euro gar ein nationales Kriegsmuseum. „Mein Kampf“ stehe selbst bei Wissenschaftlern im Ruf, eine „Bibel des Nationalsozialismus“ zu sein, das Interesse an dem Buch habe in den letzten Jahren aber abgenommen.

Das mag auch damit zusammenhängen, sagte Thomas Vordermayer, dass jeder Interessierte das Buch ohnehin schon gelesen habe. Im Internet nämlich, sagte er, sei der Inhalt längst problemlos herunterzuladen.

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