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Tagesmütter wehren sich gegen Kibiz-Plan

Von: Wolfgang Goebels und Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Tagesmütter in NRW dürfen künftig nur noch fünf Kinder betreuen. Bisher gilt eine „5 plus 3-Regelung”, wonach eine Tagesmutter für bis zu acht Kinder Verträge mit Eltern machen darf, aber nur fünf davon zeitgleich bei ihr sind.

Das ist meist deswegen eine Lösung für beide Seiten, weil viele Eltern von Kleinkindern keinen Ganztagsplatz suchen, sondern nur eine Betreuung für zehn bis 15 Stunden, und im Rest der Arbeitszeit der Tagesmutter ein anderes Kind zur Betreuung kommt.

„Max kommt Montag und Mittwoch, Moritz dann Dienstag, Donnerstag und Freitag. Lina kommt nur nachmittags für ein bis zwei Stunden während Mama zum Sport geht, Luisa nur vormittags weil die Mama nur halbtags arbeitet”, sagt die Aachener Tagesmutter Christine Burghardt, die damit die Flexibilität des bisherigen Systems beschreibt. „Die geplante Neuregelung”, sagt sie, „geht auf Kosten der Eltern, die eben nur Kinderbetreuung in geringerem Umfang suchen.” Denn künftig würden die Tagesmütter ihre Plätze vorrangig an Ganztags-Kinder, zumindest aber an höchstmögliche Stundenanfragen geben.

Schäfer: Betreuung wie in Familie

Auch Elisabeth Dorn-Dickhaus vom Tagesmütternetz Oberberg erwartet, dass Eltern, die nur eine Betreuung des Kindes in geringem Umfang wollen, künftig keinen Platz mehr erhalten. „Für diese Eltern wird es eine Lücke geben, weil Tagesmütter Plätze zur Sicherung der eigenen Existenz vorrangig an Ganztags-Kinder vergeben müssen.”

Familienministerin Ute Schäfer (SPD) begründet das geplante Kibiz-Änderungsgesetz mit dem Ziel, die frühkindliche Bildung auch in der Kindertagespflege zu verbessern. „Das geht nur mit einer stabilen Umgebung, in der die Gruppenkonstellation nicht ständigen Wechseln unterliegen darf”, sagt Schäfer gegenüber unserer Zeitung. „Wir wollen eine familienähnliche Betreuung ermöglichen.”

Tagesmütter: Lohnt sich nicht

Aus Sicht der Tagesmütter lohnt sich die Betreuung finanziell nicht mehr, wenn nur noch fünf Kinder mit einem Stundenumfang von teils unter 20 Wochenstunden betreut werden. Bei einem Stundenlohn von rund fünf Euro pro Kind einschließlich Sozialabgaben, Steuern und Betriebskosten blieben oft nur drei Euro übrig, rechnen Burghardt und Dorn-Dickhaus vor. „Deshalb werden sich Tagesmütter Kinder mit längeren Zeiten herauspicken.”

Hildegard Thomé vom Herner Elternverein dagegen hält eine Begrenzung auf fünf U3-Kinder wegen des hohen Aufwands für sinnvoll. Für ältere Kinder sei auch eine „Randzeitenbetreuung” mit maximal acht Verträgen denkbar.

Inge Lorsch-Enger, Vorsitzende des Landeselternverbandes Kindertagespflege NRW, bestätigt, dass der Gesetzentwurf derzeit im Verband „heiß diskutiert” wird. Wichtig sei, dass die Qualität der Kindertagespflege gesichert werde. „Eine Betreuung von zwei Wochenstunden ist Baby-Sitting, keine Betreuung.”
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