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’t Loon: Bergbau lässt Parkhaus sacken

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Die Spätfolgen des Bergbaus: In der Tiefgarage des Heerlener Einkaufszentrums ’t Loon versinkt im Dezember 2011 ein Pfeiler in einem acht Meter großen Krater. Jetzt scheint erwiesen, dass jahrelange Auswaschungen im Untergrund den Hohlraum geschaffen hatten. Foto: Archiv

Heerlen. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich in einer Tiefgarage unter dem Heerlener Einkaufszentrum ’t Loon die Erde aufgetan, und Pfeiler D18 versank innerhalb weniger Tage anderthalb Meter tief in einem acht Meter großen Krater.

 Jetzt ist sich Professor Dick Hordijk von der Uni Eindhoven sicher, gemeinsam mit einem internationalen Expertenteam die Ursache für das Loch im Boden gefunden zu haben: Das plötzliche Absacken des Pfeilers war eine Folge der Spalten und Klüfte im Untergrund, die der relativ oberflächennahe Bergbau an dieser Stelle hinterlassen hatte.

Teilweise abgerissen

Weil man das im Dezember 2011 noch nicht wusste, war der Alarm gewaltig. Die Stadt ordnete umgehend die Räumung der Läden und Wohnungen in diesem Bereich von ’t Loon an, eine Woche später fiel der Startschuss für den Abriss der Tiefgarage und der darüberliegenden Bebauung. Einen Tag vor Heiligabend durften die Bewohner des Homerus-Hochhauses in ihre Wohnungen zurück, am 11. Februar dieses Jahres öffneten die Geschäfte im verbliebenen Teil des Einkaufszentrums wieder.

Da waren die Bodenuntersuchungen bereits in vollem Gange, berichtete Hordijk am Freitag bei einer Pressekonferenz der Eigentümergemeinschaft in Heerlen. Zwei Kernbohrungen im April brachten dann letzte Gewissheit: Die Lösung des Rätsels lag in einem ausgekohlten Flöz, das unter der Tiefgarage bis auf knapp 80 Meter an die Erdoberfläche heranreichte.

Das Flöz, das gekippt liegt, war die Sohle V der Grube Oranje Nassau 1, die von 1899 bis 1975 insgesamt rund 31,978 Millionen Tonnen Steinkohle unter der Stadt förderte. Sohle V war bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Betrieb. Danach ließen die Bergleute wie üblich Streb und Stollen kon­trolliert einfallen.

Das blieb auch in darüber liegenden Erdschichten nicht ohne Folgen. Hier trat von unten nach oben eine Art „Dominoeffekt“ ein, der dazu führte, dass die über dem Streb liegenden, vorwiegend sandigen Schichten aufgebrochen und zerklüftet wurden. 20 Meter unterhalb von ’t Loon wurde auf diese Weise auch eine zwei Meter mächtige Tonschicht porös, die bisher das Grundwasser zurückgehalten hatte.

Über Jahrzehnte hinweg suchte sich das Wasser durch die ehemals undurchlässigen Schichten seinen Weg in die alten Grubengänge und schuf dabei neue Hohlräume, indem es auf dem Weg nach unten jede Menge Sand mitnahm. Im Dezember 2011 gab es dann kein Halten mehr.

Auf die Frage, ob der Teil-Abriss des Einkaufszentrums nicht etwas voreilig war, ging Hordjk am Freitag nicht ein, versicherte aber im Namen seines Teams: „Wir sind absolut der Meinung, dass der abgerissene Teil von ’t Loon wieder bebaut werden kann.“ Allerdings müsse man das Fundament anpassen.

Oberflächennahen Bergbau hat es auch unter den heutigen Hochhäusern an der Muzenlaan gegeben. Ob es dort auch zu Setzungen kommen könne? Hordijk wollte sich nicht festlegen. „Das haben wir nicht untersucht.“

Offen ließ er am Freitag auch die Frage, ob der letzte Grubenbetreiber oder sein Rechtsnachfolger für den entstandenen Schaden aufkommen muss. „Wir haben nur eine technische Untersuchung vorgenommen.“

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