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„Suspended Coffee“: Anonym Menschen zum Getränk einladen

Von: Daniela Lukaßen
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Das ist Rita Rudnick. In Düren betreibt sie einen rollenden Kaffeeladen. Bei Rita Rudnick kann man Menschen zum Kaffee einladen, die man gar nicht kennt – einfach um ihnen eine Freude zu machen. „Suspended Coffee“ heißt dieses freundliche Konzept. Foto: Daniela Lukaßen

Düren. Siggi kommt regelmäßig, genauso wie der junge Mann mit seinem Hund. Sie halten ein Schwätzchen mit Rita Rudnick auf dem Dürener Markt und trinken einen Kaffee. Einen Kaffee, der aufgeschoben wurde, wie Rudnick, Betreiberin des „Coffee Bike“, sagt.

„Einen Espresso, bitte“, sagt ein Passant, der auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Zwischenstopp einlegt. Den Espresso trinkt er, den aufgeschobenen Kaffee spendiert er einem Fremden. Anonym und ohne, dass er selbst weiß, wer ihn bekommt. Aufgeschobener Kaffee – was ein wenig klingt wie ein neuer Getränketrend, ist ein Prinzip, das sich unter der Überschrift „Suspended Coffee“ seit einiger Zeit im Rheinland verbreitet.

Die Idee ist einfach. Wer einen Kaffee trinkt und ein bisschen Geld übrig hat, bezahlt eine zweite Tasse. Dieser aufgeschobene Kaffee wird vermerkt und Menschen, die ihn sich in der Regel nicht leisten können, dürfen ihn abholen. Menschen wie Siggi oder der junge Mann mit dem Hund. Menschen, für die ein Kaffee purer Luxus ist, und der ihnen das Gefühl gibt dazuzugehören. Zu einer Gesellschaft, in der man sich, ohne weiter drüber nachzudenken, einen Kaffee zum Mitnehmen leistet. Seinen Ursprung soll das Prinzip des „Suspended Coffee“ in Neapel haben. „Neapel Kaffee“ heißt der aufgeschobene Kaffee darum manchmal auch.

Einfach eine Freude machen

Dafür, dass der „Suspended Coffee“ auch in Deutschland immer bekannter wird, hat die 17-jährige Saskia Rüdiger aus Sachsen gesorgt. Die Abiturientin stolperte bei Facebook über die Idee – und fand sie einfach gut. Sie nahm Kontakt zu dem Betreiber auf und erfuhr, dass es noch keine deutsche Seite dieser Art gab. „Ich habe mich dann spontan dazu entschieden, selbst eine einzurichten“, sagt Saskia Rüdiger. Heute gibt es neben der Facebook-Seite auch eine Homepage, auf der sie die Cafés, Läden und Unternehmen vorstellt, die sich beteiligen.

Auch das „Coffee Bike“ von Rita Rudnick ist als kleine Stecknadel auf der Deutschlandkarte zu finden. Sechs aufgeschobene Kaffees sind an der Pinnwand an ihrem „Coffee Bike“ vermerkt. Eine ältere Dame liest sich den Text durch, der daneben hängt und das Prinzip beschreibt. „Das musst du mir noch mal genau erklären“, sagt sie zu Rita Rudnick, „das klingt ja spannend.“ Seit Anfang des Jahres bietet Rita Rudnick die Aktion an. „Ich habe davon gehört und fand es super“, sagt sie. „Ich freue mich, wenn ich den Menschen auch mal etwas ausgeben kann. Als kleine Unternehmerin könnte ich mir das sonst nicht in dem Umfang leisten. Umso schöner ist es, den Menschen auf diese Weise eine Freude zu machen.“

Anderen eine Freude machen, das ist auch der Beweggrund von Oliver Nelles, der in Köln einen Weinfachhandel betreibt. „Suspended Riesling – spendiere einem durstigen Zeitgenossen für 4,95 ‘ne Flasche“ steht auf der Schiefertafel über der Kasse. Striche sind darauf. Ein Strich für jede aufgeschobene Flasche. „Ich habe einen Freund in Italien, der mir von dem Prinzip erzählt hat. Ich biete das schon seit Jahren an“, sagt Oliver Nelles. Auch seine Aktion wird dankbar angenommen. Dann, wenn der eine oder andere Kunde in das Geschäft kommt, der zwar gerne etwas kaufen würde, aber am Ende des Monats vielleicht kein Geld für eine Flasche Wein mehr übrig hat. „Ich wünsche mir, dass so etwas zu einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken führt“, sagt Nelles. „Und ich möchte, dass alle etwas von einem Geschäft wie diesem haben. Denn das ist ja der Sinn.“

In Düren neigt sich der Markttag dem Ende zu. Rita Rudnick verstaut die Pinnwand mit den aufgeschobenen Kaffees an einem sicheren Platz. Beim nächsten Markttag wird sie sie wieder aufstellen, damit Menschen wie Siggi und der junge Mann mit dem Hund einen Kaffee trinken können.

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