Aachen - SuperC: Aus der Bohrlochruine soll es doch noch sprudeln

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SuperC: Aus der Bohrlochruine soll es doch noch sprudeln

Von: Axel Borrenkott
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Renommierbau mit Mängeln: Das SuperC neben dem Hauptgebäude der RWTH Aachen. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Eigentlich hätte sie längst sprudeln sollen, die berühmteste Aachener Quelle der Neuzeit. Aus zweieinhalb Kilometern Tiefe soll das im Juli 2008 eingeweihte Super C, das neue Wahrzeichen von RWTH und Stadt, mit Wärme versorgt werden.

Im Wesentlichen geht es noch, so hört man aus der RWTH, wo dieses Thema mit einer gewissen Diskretion behandelt wird, um ein Materialproblem.

In einem gemeinsamen Vorhaben der Hochschule, der Industrie und der Stadtverwaltung Arnsberg wird derzeit ein Kunststoff-Rohr entwickelt, durch das das heiße Wasser aus der Tiefe strömen kann.

Arnsberg ist mit von der Partie, weil ein Schaden, der dort bei einem vergleichbaren Vorhaben entstanden ist, die Unmöglichkeit der in Aachen geplanten Lösung offenlegte.

Die Stadt im Sauerland will ein Freizeitbad geothermisch aufheizen. Beim Versuch im Herbst 2008, das Wasser durch ein Glasfaser-Rohr aus 3000 Metern Tiefe zu holen, ist das Material geborsten.

Das war das Signal für die RWTH, für das Super C keinesfalls Glasfasern für das Steigrohr zu verwenden.

Neuen Kunststoff erfinden

Ursächlich für das Problem der Verrohrung des Bohrlochs soll auch das Antragsverfahren für das Forschungsprojekt sein. Weil auch mit EU-Mitteln in Millionenhöhe gefördert, habe man „bis zur letzten Schraube” beschreiben müssen, was wo mit welchem Material vorgesehen sei.

So war zur Auskleidung des Bohrlochs selbst ein mit Zement umhülltes Stahlrohr geplant - und so auch ausgeführt - sowie als Innenrohr eben Glasfaser. Das kam nach Arnsberg allerdings nicht mehr infrage.

Entscheidend dafür, das ohnedies unter dem spektakulären Oberbau dahindämmernde Projekt wieder flott zu machen, war aber, so hört man jedenfalls, ein Eingriff des seit August vergangenen Jahres amtierenden neuen Rektors.

Ernst Schmachtenberg, Ingenieur und Experte für Kunststoffverarbeitung, hat irgendwann im vergangenen Herbst zum Runden Tisch gerufen und die Gretchenfrage gestellt: Kann man das Problem lösen?

Da haben die Kollegen TH-Ingenieure offenbar ja gesagt. So wurde demnach die Entwicklung eines tauglichen Rohrmaterials angestoßen: ein Kunststoff, über dessen Spezifika aber Geheimhaltung vereinbart wurde.

Binnen der nächsten „drei bis sechs Monate” soll das Produkt, für das es dann möglicherweise ja auch einen größeren Markt geben dürfte, einsetzbar sein. Eine Finanzierung dafür gebe es auch bereits.

Doch dass das Wasser schadlos nach oben steigen kann, heißt nicht unbedingt, dass es dann auch die gewünschten Eigenschaften hat. Die Planung, mit der beim Spendensammeln für das Super C auch eifrig geworben wurde, sieht vor, dass in der Tiefe etwa 85 Grad Celsius heißes Wasser vorhanden ist, dass dieses oben mit etwa 60 Grad ankommt und dass es auch die kalkulierte Leistung bringt, nämlich den Wärmebedarf des Studiencenters bis zu 80 Prozent abzudecken.

Die Temperatur in 2,5 Kilometer Tiefe ist wohl normalerweise gegeben. Nicht hinreichend bekannt sei aber, wie die Gesteinsschichten in der Umgebung des Bohrlochs aufgebaut und wie leitfähig sie sind.

Das Loch ist seit November 2004 fertig gebohrt, heraus kommt bis jetzt nichts. Das Vorzeige-Projekt Geothermie war wohl schwieriger als die Planer wahrhaben wollten. Nun kommt wieder Bewegung in die fünf Millionen Euro teure Bohrlochruine.

Spannend kann es also werden, wenn am Freitagnachmittag die Experten der RWTH ein öffentliches Kolloquium zu diesem Loch und zur „Gegenwart und Zukunft von Geothermie” überhaupt halten.

Veranstaltung zur Geothermie am Freitag

Über den aktuellen Stand von Forschung und Nutzung der Erdwärme (Geothermie) als Energie- beziehungsweise Wärmequelle informieren Experten am Freitag, 12. Juni, in einem öffentlichen Kolloquium der RWTH im Super C, Templergraben 55, ab 14 Uhr.

Anstoß zu dieser Veranstaltung ist das Geothermieprojekt der RWTH, also das Vorhaben, das Super C mit Erdwärme aus 2,5 Kilometer Tiefe zu versorgen. Berichtet wird aber auch über den „Boom von Geothermieprojekten” in Deutschland.

Vortragen werden von der RWTH Prof. Axel Preuße, Lehrstuhl Markscheidewesen und Bergschadenkunde, sowie Prof. Christoph Clauser, Lehrstuhl Angewandte Geophysik. Danach geben zwei Referenten der Firma EWE einen „Ausblick über erneuerbare Energien”.
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