Summerjam-Festival: Der Reggae auf dem Rückzug

Von: hes
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Feldzug für namibische Kwaito-Musik: der in Köln lebende Eric Sells, alias Ees. Foto: Heiner Schepp

Köln. Die Botschaft ist seit 28 Jahren die gleiche, die sie umgebende Musik hingegen mehr denn je im Wandel: „Love, peace and unity“ – Liebe, Frieden und Gemeinschaft heißt es beim Kölner Summerjam-Festival, dessen 28. Auflage am heißen ersten Juli-Wochenende knapp 30.000 Musikfreunde aus ganz Europa auf die Badeinsel im Fühlinger See lockte.

Für den einen macht die „Gras“-Wolke, die drei Tage lang über dem Erholungsgebiet im Kölner Norden wabbert die Summerjam zu Klein-Amsterdam, für andere ist „Cologne Bay“ in diesen Tagen ein Stück Jamaica am Rhein. Aus dem Herkunftsland des Reggae standen angesagte Künstler in der fast 50 Konzerte auf drei Bühnen umfassenden Programmfolge: Richie Stephens, Busy Signal oder Junior Kelly, vor allem aber Gentleman, Wahl-Jamaicaner und als Tillmann Otto aufgewachsen in der Domstadt, wo er die ersten Summerjam-Festivals noch als Zuschauer erlebte. „Musik ist für mich viel mehr als Unterhaltung. Musik ist emotional, sie ist befreiend und sie ist politisch“, erzählt der 39-Jährige kurz vor seinem Heimspiel, und lässt weit nach Mitternacht auf der Bühne Taten folgen: „Think about the people in Istanbul, in Kairo!“, schreit Gentleman, fordert mit „Stand up!“ und „Revolution!“ zum sozialen Aufstand auf. Wie in seinem jüngsten Album „New Day Dawn“, legt Gentleman auch live den Schwerpunkt auf Balladen, obschon seine alten, pulsierenden Reggaenummern wie „Intoxication“ oder „Superior“ besser ankommen.

Den geordneten Rückzug des eigentlichen, des Roots-Reggae hatte das Publikum aller Generationen schon am Eröffnungstag erlebt: Snoop Lion, der in Jamaica den Wandel vom Gangster-Rapper („Snoop Dog“) zum Reggae-König vollzogen haben will, ließ den Off-Beat meist außen vor, rappte die Hits seines alten Alter Ego und vergraulte so manchen Fan nicht nur mit der Kürze seines Auftritts.

Die Klaviatur der Nicht-Reggaemusik bei der Summerjam beherrschten andere da besser: der Frankfurter Chima mit frisch-poppigem Deutsch-Hiphop, der ebenfalls in Köln lebende Deutsch-Namibier Ees mit seinem Feldzug für südafrikanische Kwaito-Musik oder auch der israelische Musiker Matisyahu, der zum Entsetzen der Sicherheitskräfte 80 Zuschauer auf der Bühne zu seinem rhythmischen Stile-Mix tanzen ließ.

Auch der krönende Abschluss am Sonntag war schließlich ein Heimspiel: Der aus Kerpen stammende Patrice verwandelte das Gelände vor der großen Bühne in eine bunte und tanzende Party-Zone, ganz getreu dem Motto: „Love, peace and unity“.

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