Aachen - Süße Versuchungen im Museum

Süße Versuchungen im Museum

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Schokolade  Couven-Museum
Der siebenjährige Philip blickt in der Ausstellung „Süße Versuchung - Vom Kakao zur Schokolade” mit großen Augen auf den Sarotti-Mohr im Couven-Museum in Aachen. Foto: dpa

Aachen. Schritte auf dem Flur, die Tür zum Schlafgemach geht auf - oh Schreck! Der Gatte stattet seiner Angetrauten unerwartet einen Besuch ab! Im letzten Moment flüchtet sich der Liebhaber, die Hosen noch nicht an, die Pantoffeln in der Hand, unters Bett - die Dame des Hauses greift schnell zu einer Tasse Kakao, als sei sie gerade im Begriff zu frühstücken. Vergebens!

Ihr Schoßhündchen hat schon den Kopf unters Bett gesteckt und verrät mit seinem Bellen den Galan. Die Gattin errötet, neigt den Kopf lächelnd. Demonstrativ hält sie die Kakao-Tasse vors Gesicht, als wollte sie sagen: „Die heiße Schokolade ist schuld!” Klar, Schokolade soll ja eine aphrodisierende Wirkung haben.

So oder so ähnlich lautet die Geschichte, die das kleine Meissner Porzellanmeisterwerk aus dem 18. Jahrhundert, „Der entdeckte Galan”, erzählt. Eines der zahlreichen Leihgaben, die die Leiterin des Aachener Couven Museums, Dagmar Preising, und die Kuratorin des Hauses, Gisela Schäffer, für die Ausstellung „Süße Versuchung” zusammengetragen haben. „Vom Kakao zur Schokolade” lautet der Untertitel der Ausstellung, die heute Abend eröffnet wird und bis zum 6. September läuft. Damit ist auch der Produktionsablauf gemeint, aber nicht nur.

Kakao als Zahlungsmittel

Die Kulturgeschichte der Süßigkeit wird erzählt, von den Azteken, bei denen Kakaobohnen als Zahlungsmittel galten - für tausend Bohnen gab es einen Sklaven, für zehn ein Kaninchen - bis hin zur Live-Performance der Schokoladenkünstlerin Brigitte Wissing.

Eng verknüpft ist die Ausstellung mit der besonderen Rolle, die die Schokolade in Aachen spielt. „Obwohl die Schokoladenindustrie bereits seit dem 19. Jahrhundert hier ansässig ist, ist das die erste Ausstellung zu dem Thema in Aachen”, sagt die Leiterin des Couven Museums nicht ohne Stolz.

Dabei liegt das Thema eigentlich auf der Hand: In der „Privilegierten Adler-Apotheke”, die Andreas Monheim 1788 erwarb und in der sich heute das Couven Museum befindet, dürfte schon mit Schokolade gehandelt worden sein. In kleinen Mengen und zu medizinischen Zwecken. „Gegen Auszehrung und Schwäche”, wie es damals hieß, sogar in Form von Zäpfchen. Die Kakaobutter schmilzt bei Körpertemperatur, deshalb wird sie heute auch als Basis für Kosmetik verwendet.

Der Enkel, Leonhard Monheim, kam dann auf den Trichter, dass Schokolade viel mehr sein kann: ein Genussmittel. Er stellte einen Chocolatier in seinem kleinen Unternehmen ein, das inzwischen Kolonialwaren und Südfrüchte anbot. Die erste Tafelschokolade überhaupt wurde 1857 dort hergestellt. Das Jahr gilt seitdem als Gründungsjahr der Trumpf Schokolade.

Wie die Produktionsverfahren dann verbessert wurden (warum die Schokolade durch „Conchieren” besser auf der Zunge schmilzt) und wie sich auch die Verpackungen im Laufe der Jahrzehnte verändert haben, können die Besucher der Ausstellung an zahlreichen Vitrinen bestaunen. Viele Exponate stammen aus den Häusern Lindt & Sprüngli, Trumpf und Lambertz. Wie es in den Unternehmen zuging, weiß keiner besser als Lothar Diezel, ehemaliger Betriebsleiter bei der Trumpf-Niederlassung in Kanada und ehemaliger Direktionsassistent bei Lindt & Sprüngli.

Die eine oder andere Anekdote zu den Monheim-Brüdern kann er erzählen. Was er auch liebend gerne tut, beispielsweise bei den fünf Themenführungen zu Leonhard Monheim, die er im Couven Museum übernimmt. Dass Franz Monheim beispielsweise alle Türklinken im Unternehmen - wegen des fettigen Kakaostaubs - nur mit dem Taschentuch angefasst hat.

Das sind die unterhaltsamen Seiten der Schokoladenproduktion. Die „bittere Seite”, verschweigt die Ausstellung dabei nicht: Kolonialzeit, Sklavenhaltung auf den Plantagen, Ausbeutung der Entwicklungsländer. Vorträge, Workshops und viele Angebote für Schulen erweitern die Ausstellung.

Wem jetzt schon das Wasser im Mund zusammengelaufen ist und sich fragt, ob er beim Ausstellungsbesuch darben muss, dem sei versichert: Jeder Besucher erhält nicht nur eine Kakaobohne sowie ein Täfelchen Schokolade, sondern kann - beim Besuch an Wochenenden - auch vom Schokoladenbrunnen naschen.

Öffnungszeiten und Preise des Couven Museums

Die „Süße Versuchung” läuft bis zum 6. September im Couven Museum, Hühnermarkt 17, in Aachen. Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

Die Eröffnung am Freitag findet aufgrund der hohen Gästezahl allerdings um 19 Uhr im Ballsaal im Alten Kurhaus, Kurhausstraße 1 in Aachen, statt, danach kann die Ausstellung bis 22 Uhr besucht werden.

Eintritt: Erwachsene zahlen 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Gruppeneintritt (ab 7 Personen) 3 Euro. Kinder unter 6 Jahren und Schulklassen: Eintritt frei.

Jeden Samstag um 15 Uhr finden Themenführungen statt, für Schulen gibt es je nach Altersklasse kostenpflichtige Führungen mit Werkstattangebot. Auch für Erwachsene gibt es Workshops, beispielsweise „Wein & Kakao” oder einen Pralinenworkshop. Nähere Informationen unter 0241/432-4421.
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