Sturz von Tribüne: Staatsanwalt ermittelt

Von: gego/dpa
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Aachen. Der Fan vom FC St. Pauli, der am Montagabend auf dem neuen Aachener Tivoli von einer Brüstung in die Tiefe gestürzt ist, schwebt offenbar weiterhin in Lebensgefahr. Das hat die Aachener Polizei mitgeteilt, nachdem der FC St. Pauli am Vormittag bereits von einem stabilen Zustand gesprochen hatte.

Die Staatsanwaltschaft wird nach Vorlage der bisherigen Polizeierkenntnisse in diesem Fall ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eröffnen und prüfen, ob Verkehrssicherungspflichten verletzt wurden, etwa von Bauaufsicht oder Alemannia Aachen.

Zu klären ist, ob es hier um die Straftatbestände der fahrlässigen Körperverletzung oder im schlimmsten Fall der fahrlässigen Tötung geht, sagte Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage dieser Zeitung. Die Polizei soll schnellstmöglich ihre Erkenntnisse übermitteln. Auch Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer sprach am Nachmittag von einem Zustand, der „ernst, aber stabil” sei. Der 39 Jahre alte St. Pauli-Anhänger aus einem Vorort von Hamburg wird im künstlichen Koma gehalten.

Der 39 Jahre alte St. Pauli-Anhänger aus einem Vorort von Hamburg war über die Brüstung des Gäste-Stehblocks rund sechs Meter in die Tiefe gestürzt und mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der Verunglückte hatte sich nach Aussagen des FC St. Pauli bei dem Sturz beide Unterarme gebrochen und Hämatome im Gesicht zugezogen. Es bestehe zudem der Verdacht auf Brüche im Brustwirbel-Bereich.

Die Polizei schließt nach der Auswertung von Videomaterial und Zeugenbefragungen Fremdverschulden aus.

Alemannia-Geschäftsführer Kraemer sprach von einem „tragischen Unglücksfall”, der das sportliche Geschehen „total überschattet”. Kraemer war noch am Montagabend mit dem Aachener Mannschaftsarzt Alexander Mauckner ins Krankenhaus gefahren, um nach dem 39-Jährigen zu sehen. Die Angehörigen des Mannes sollen am Mittwoch nach Aachen kommen. Die Alemannia stellt der Familie nach Angaben von Pressesprecher Thorsten Pracht „einen renommierten Hamburger Medienanwalt” auf Vereinskosten zur Verfügung, der zunächst auf Unterlassung der Veröffentlichung der Bilder des gestürzten Mannes klagen soll, die im Internetauftritt von zwei Boulevardzeitungen zu sehen sind.

Kraemer schließt indes nicht aus, dass die Alemannia bauliche Veränderungen am Gäste-Stehblock vornehmen wird, „Gespräche werden geführt, Entscheidungen zeitnah getroffen”. Aachens Baudezernentin Gisela Nacken (Grüne) sagte auf Anfrage dieser Zeitung, man werde „mit der Alemannia besprechen, ob es aufgrund dieses Falles sinnvoll sein könnte, die Plexiglaswand” über die gesamte Breite der Brüstung zu verlängern. Auch Kraemer nannte dies „eine Möglichkeit”. Zu Einzelheiten wollte er „in der momentanen Situation, in der ein Mensch um sein Leben kämpft”, keine Stellung beziehen.

Baudezernentin Nacken jedoch betonte, dass die städtische Baubehörde das Stadion abgenommen und nichts zu beanstanden hatte, ebenso wenig wie Feuerwehr und Polizei. Auch das Ordnerkonzept als Teil des Sicherheitskonzeptes sei von allen Behördenbeteiligten für praktikabel befunden worden, sagte Frithjof Kraemer.

Eine Begehung des Unglücksortes im 50 Millionen Euro teuren Stadion, das mit 32.960 Zuschauern zwar ausverkauft, aber offensichtlich nicht ganz vollbesetzt war, wurde angekündigt.

Auch für Alemannia-Coach Jürgen Seeberger wurde das höchste Aachener Heimdebakel der Zweitliga-Geschichte zur Randnotiz. „Das ist eine Katastrophe. Bei allem Ärger über die Niederlage und den Frust, den wir heute alle schieben - das lässt alles in den Hintergrund rücken. Wir drücken dem jungen Mann die Daumen, dass ihm im Krankenhaus geholfen werden kann”, sagte der Trainer.

Auf dem Feld war die Tivoli-Premiere für Aachen gründlich misslungen. Nach einer guten Anfangsphase brach die Seeberger-Elf auseinander und ließ sich vorführen. „Was ab der 20. Minute passiert ist, kann ich mir nicht erklären. Wir können uns nur einfach bei den Zuschauern entschuldigen, weil das desaströs war, was bei uns abgelaufen ist”, sagte Torwart Thorsten Stuckmann.

Einen „zittrigen Fuß” hatte Profi Cristian Fiel bei seinem Team wegen des Doppelschlags des früheren Alemannen Marius Ebbers (24./28.) ausgemacht. Doch auch nach den Treffern von Deniz Naki (35.), Florian Bruns (39./Foulelfmeter) und Rouwen Hennings (86.) war kein Aufbäumen zu erkennen. „Wir haben zeitweise richtig versagt, aber eigentlich will ich gar nicht über Fußball sprechen. Mir ist schlecht und das hat nichts mit dem Spiel zu tun”, sagte Seeberger.
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