Sturmtief Burglind trifft Aachen und die Kreise Düren und Heinsberg

CHIO-Header

Sturmtief „Burglind” trifft die Region: Helfer im Dauereinsatz

Von: red/dpa
Letzte Aktualisierung:
lkw
Die schweren Windböen waren vermutlich dafür verantwortlich, dass der Fahrer dieses Lastzugs auf der B221 bei Heinsberg die Kontrolle über sein Gespann verlor. Foto: CUH
15955144.jpg
Überall in der Region hatten die Einsatzkräfte der Feuerwehr am Mittwochmorgen viel zu tun, so wie hier in Mützenich, wo ein Baum auf das Dach der Turnhalle gestürzt war. Foto: H. Schepp
Sturmtief_Burglind_N_55824575.jpg
In Stolberg wurde ein Dach abgedeckt, die herabfallenden Ziegel beschädigten dieses Auto. Foto: Ralf Roeger/dpa
15955018.jpg
Sturmtief „Burglind” entwurzelte auch im Kreis Düren wie hier an der Brändströmstraße in Düren zahlreiche Bäume.

Aachen/Düsseldorf. Das erste Sturmtief des neuen Jahres mit dem schönen Namen „Burglind” ist in der Nacht zu Mittwoch mit orkanartigen Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde über den Westen Deutschlands gefegt. Vom frühen Morgen an waren Polizei und Feuerwehr in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren und Heinsberg im Dauereinsatz.

Als erstes hatte Sturmtief „Burglind” am Morgen den Südwesten Nordrhein-Westfalens getroffen. In der Städteregion Aachen seien die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume, herabgefallener Äste und umherfliegender Mülltonnen im Dauereinsatz gewesen, teilte die Polizei mit. Zwischen 5 Uhr und 5.50 Uhr seien 250 Notrufe wegen des Unwetters eingegangen. In Aachen wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 122 km/h gemessen.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurde bislang aufgrund des Sturms niemand verletzt. Am Vormittag schien sich die Situation etwas zu entspannen, es kam aber weiterhin zu Verkehrsbehinderungen auf vielen Straßen. Polizei und Feuerwehr arbeiten die „Wetterfolgen“ derzeit nach Prioritäten ab. Die Feuerwehr im Raum Aachen musste mehr als 400 Mal ausrücken.

Rund um Aachen war der Bahnverkehr besonders stark beeinträchtigt. Die Linien RE 4, RB 20 und RB 33 auf der Pendlerstrecke zwischen Aachen und Herzogenrath fielen wegen eines Baums im Gleisbett aus, es gibt einen Ersatzverkehr mit 40 Taxen. Die Regionallinie zwischen Aachen und Düsseldorf musste in beide Richtungen umgeleitet werden. Auch auf der stark befahrenen Strecke von Aachen nach Köln auf den Linien RE 1 und RE 9 gab es massive Einschränkungen, dort lag zwischen Eschweiler und Langerwehe ein Baum im Gleis.

Auf der Autobahn 44 zwischen Jülich und Aldenhoven kam es laut WDR zu Behinderungen, dort stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn.

Park bei Schloss Schönau teilweise gesperrt

Im Raum Aachen waren die Einsatzkräfte besonders in den Morgenstunden im Einsatz. Bei Linzenzhäuschen war ein Baum umgefallen, dort war die Lütticher Straße eine Zeit lang gesperrt. Auch an der Autobahn A4 in Höhe Richterich waren Sicherungsarbeiten notwendig und in Höhe Horbacher Straße holten die Wehrleute einen umgefallenen Baum von den Bahngleisen. Außerdem sind im Park bei Schloss Schönau mehrere Bäume umgestürzt, so dass Teile des Parks mit Flatterband vor abgesperrt werden mussten. Auch am Hangeweiher und in der Goethestraße mussten Äste und Bäume ebenso wie an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet entfernt werden.

Auf dem Friedhof Lintert sind mehrere Bäume umgestürzt, die zurzeit vom Stadtbetrieb weggeräumt werden. Und an St. Germanus im Stadtteil Haaren ist durch einen umgestürzten Baum ein Seitendach der Kirche beschädigt worden.

Im Kreis Düren verzeichnete die Rettungsleitstelle bis 9.30 Uhr rund 80 sturmbedingte Feuerwehreinsätze, die Polizei war bis zu diesem Zeitpunkt rund 40 Mal im Einsatz. Eine Autofahrerin, die gegen 6 Uhr auf der K39 bei Langenbroich gegen einen umgestürzten Baum gefahren war, kam nach Polizeiangaben mit dem Schrecken davon. Allerdings entstand ein Schaden an ihrem Fahrzeug in Höhe von rund 6000 Euro.

Trampolin gegen ein Auto geschleudert

Auf der Marienstraße in Aldenhoven wurde ein Trampolin von einer Böe durch die Luft und gegen ein Auto gewirbelt, in Merken fielen Dachziegel auf ein geparktes Auto. Auf der Nordstraße riss der Sturm eine Ampel vom Mast, die auf die Straße zu stürzen drohte, auf der Bundesstraße 56 mussten in Höhe Birkesdorf gleich mehrere Bäume von der Fahrbahn beseitigt werden. Auch auf der L264 war die Feuerwehr im Dauereinsatz, unter anderem im Bereich Niederzier und Kelz.

In der Nordeifel musste die Feuerwehr bislang 40 Mal ausrücken. In Mützenich stürzte ein Baum auf eine Turnhalle, in Monschau einer auf eine Strom- und Telefonleitung, so dass viele Familien längere Zeit im Dunkeln saßen. Etliche Straßen waren blockiert, zwischen Mulartshütte und Zweifall traf es eine Telefonleitung, ebenso in der Schwerzfelderstraße in Roetgen. Die Jägerhausstraße zwischen Zweifall und Raffelsbrand (Landesstraße 24) musste komplett für den Verkehr gesperrt werden.

Auch die Einsatzkräfte in Eschweiler hatten einiges zu tun: Um 5.22 Uhr erhielten die Rettungskräfte den ersten Notruf, bis 11 Uhr zählten die Feuerwehrleute bereits 70 Einsätze. Mittlerweile wurde Gesamtwehralarm ausgelöst. Ein Einsatzschwerpunkt der Feuerwehr ist momentan das Firmengelände von F.A. Neumann. Dort droht das Dach eines Fabrikgebäudes herunterzustürzen.

Das stürmische Wetter macht auch vor dem Kreis Heinsberg nicht Halt. Dutzende von Einsätzen absolvierten Feuerwehr und Polizei bislang seit 4.35 Uhr im Kreisgebiet. Ein Baum stürzte auf einen Kindergarten in der Ortschaft Geilenkirchen-Würm, verletzt wurde dabei niemand. In Wegberg wurde eine kleinere Stromleitung beschädigt und auf der Bundesstraße 221 stellte sich ein Lastzug quer, der Anhänger stürzte um. Die Mehrheit der Einsätze drehte sich um leichtere Schäden, vor allem in den Städten Heinsberg, Wassenberg und Wegberg.

Das Sturmtief „Burglind” hat auch im Nordkreis gewütet - besonders in Würselen. Dort stürzten einige Pappelbäume in eine Häuserzeile und durchschlugen sogar teilweise die Dächer. Im Verlaufe des Vormittags musste das Ordnungsamt insgesamt zehn Häuser evakuieren. Verletzt wurde zum Glück niemand. Auch die Bundesstraße 57 musste zweimal vorübergehend voll gesperrt werden. Zum einen war ein Auto aus Richtung Baesweiler kommend von einem Baum getroffen worden. Zum anderen blockierte ein Baum die Bundesstraße am südlichen Stadtrand von Alsdorf.

Beeinträchtigungen in der Region

Auch im Kreis Euskirchen lagen der Polizei bis 12.15 Uhr über 30 Schadensmeldungen über umgestürzte Bäume und abgerissene Äste im gesamten Kreisgebiet vor, die Verkehrsteilnehmer behinderten. Es wurden aber auch ganze Bäume entwurzelt und auf Fahrbahnen geschleudert. Das geschah auf der Landesstraße 194 bei Weilerswist. In der Ahrstraße in Euskirchen ist ein Baum auf ein Haus gefallen. Im Bad Münstereifeler Höhengebiet sind mehrere Bäume auf die Fahrbahn gefallen. Auch eine Stromleitung ist umgekippt. Die Landstraße 498 zwischen Bad Münstereifel und Scheuren sowie die Landstraße 113 zwischen Wald und Houverath ist voraussichtlich für einige Tage gesperrt.

Andernorts standen die Bahnen ebenfalls wegen entwurzelter Bäume oder Oberleitungsstörungen still oder verspäteten sich. Betroffen waren unter anderem Reisende zwischen Köln und Lüdenscheid sowie am Flughafen Düsseldorf und am Köln/Bonner Flughafen.

In der Kölner City legte das Unwetter viele Straßenbahn-Verbindungen lahm. Dort kam es zu Schäden an den Fahrleitungen im gesamten Stadtgebiet, wie die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) meldeten.

Entwurzelte Bäume beschäftigten auch andernorts Polizei und Feuerwehr im Land. Ein Baum stürzte beispielsweise auf die Autobahn 59 bei Duisburg in Fahrtrichtung Düsseldorf. Er landete laut Polizei auf dem rechten Standstreifen und ragte gut zwei Meter auf die Fahrspur. Im Rheinisch-Bergischen Kreis ging auf mehreren Fahrspuren nichts mehr, wie die Polizei mitteilte.

In Lügde im Kreis Lippe stürzte ein umfallender Baum auf ein vorbeifahrendes Fahrzeug und beschädigte es an der Beifahrerseite. Verletzt wurde niemand.

In Selm im südlichen Münsterland konnte der Lokführer einen Regionalzug nicht mehr rechtzeitig vor einem umgestürzten Baum zum Stehen bringen. Der Zug prallte auf den etwa 50 Zentimeter dicken Stamm, sprang aus den Schienen und rutschte dann noch etwa 120 Meter weiter. Verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand. Es waren rund 70 Fahrgäste im Zug. Die Feuerwehr holte sie nach und nach aus dem demolierten Fahrzeug. Sie sollten mit Bussen fortgebracht werden.

200 Flüge in Amsterdam gestrichen

Der erste Sturm des Jahres sorgte unterdessen auch in den Niederlanden für erhebliche Verkehrsprobleme. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden am Mittwoch vorsorglich knapp 200 Flüge gestrichen. Auch der Zugverkehr war von dem heftigen Wind mit bis zu 130 Kilometer pro Stunde betroffen, meldete die niederländische Bahn. In den Küstengebieten fielen Intercitys aus. Deiche und Brücken waren für den Autoverkehr gesperrt worden.

Wegen des erwarteten Hochwassers von mehr als drei Metern sollte auch das Sturmflutwehr an der Nordseeküste in der Provinz Zeeland geschlossen werden. Zuletzt war das bei einem heftigen Herbststurm 2014 geschehen.

Weiterhin gefährliche Sturmböen möglich

Zu Orkanböen wie am Mittwochmorgen sollte es in NRW im Laufe des Tages zwar nicht mehr kommen. Trotzdem warnte der Deutsche Wetterdienst weiterhin vor möglichen Sturmschäden. Noch bis in die Nacht zum Donnerstag seien starke Regenfälle und Sturmböen bis Windstärke 10 möglich, sagte die Meteorologin vom Dienst in Essen. Für ganz NRW galt weiterhin die Warnstufe 2, bei der vor entwurzelten Bäumen und herumgewirbelten Dachziegeln gewarnt wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (17)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert