Studie untersucht Lebenssituation von Conterganopfern

Von: dpa
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Aachen/Stuttgart. Die Lebenssituation von Conterganopfern und mögliche Defizite in der Versorgung stehen im Mittelpunkt einer groß angelegten Studie. Das teilte der Bundesverband Contergangeschädigter am Montag mit.

30 Prozent der knapp 2.400 Betroffenen beteiligten sich daran. „Die Geschädigten nehmen damit die Chance wahr, aller Welt vor Augen zu führen, wie das Leben eines Contergangeschädigten wirklich aussieht”, stellte die Vorsitzende des größten Opferverbandes Margit Hudelmaier in einer Mitteilung fest.

Contergan löste in den 60er Jahren einen der größten Arzneimittelskandale aus. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5.000 in Deutschland. Die Betroffenen sind heute um die 50 Jahre alt.

Das Bemühen um Hilfsmittel, Therapie oder Kur sei häufig ein Spießrutenlauf, sagte Verbrandssprecherin Ilonka Stebritz. So habe ein Betroffener ohne Arme ein Jahr lang um ein Dusch-WC gekämpft, obwohl es ihm zugestanden hätte. Frührentner - und davon gebe es unter den Conterganopfern immer mehr - hätten auch keinen Anspruch mehr auf einen Zuschuss zur speziellen Ausstattung ihres Autos, etwa mit einer Fußlenkung.

Conterganopfer beklagen zunehmend die Folgeschäden durch jahrzehntelange Fehlbelastungen von Wirbelsäule, Gelenken und Muskulatur. Die Folge sei ein altersuntypisch steigender Bedarf an therapeutischen und pflegerischen Leistungen und vorzeitige Erwerbsunfähigkeit.

Rund 800 Betroffene wollen per Fragebogen und in Interviews Auskunft über ihre Lebenssituation geben. Aspekte seien gesundheitliche Beschwerden, ihr Umgang damit, Bildung, Wohn- und Arbeitssituation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Nach Angaben des Verbands geht die Studie zurück auf einen parteiübergreifenden Antrag des Bundestags. Die Universität Heidelberg führe die Studie im Auftrag der Conterganstiftung durch. Sie soll im August 2012 abgeschlossen sein. Die Stiftung machte keine Angaben zu dem Projekt.

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