Studenten zeigen Krallen: Politiker zeigen Verständnis

Von: Yuriko Wahl, dpa
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Studenten demonstrieren in Bonn
Mehrere tausend Studenten aus ganz Deutschland haben gegen die „Bildungsmisere” und für massive Reformen demonstriert. Foto: dpa

Bonn. Die Puste geht ihnen noch nicht aus, aber die Geduld schwindet. Seit vielen Wochen demonstrieren die Studenten in ganz Deutschland zu Tausenden gegen Bildungsmisere und für bessere Studienbedingungen.

In Bussen, Bahnen und in einem „Bildungsboot” aus Mainz kamen sie am Donnerstag zu einer Großdemo nach Bonn - Anlass war die Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK).

Vor allem die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge treiben die Studenten auf die Straße, aber auch die in manchen Bundesländern erhobenen Studiengebühren und schlechte Lernbedingungen. Während die KMK drinnen über Reformen brütete, machten die Studenten ihrem Frust vor dem Tagungsgebäude lauthals mit Trommeln und Trillerpfeifen Luft.

„Die Studienzeit ist viel zu kurz, alles ist verschult, da ist kein Raum für Individuelles, von einer freien Bildung kann man da nicht sprechen”, kritisiert Stefan Kreuzer. Der 27-Jährige aus Regensburg meint, Verbesserungen beim Bachelor wären nur ein erster Schritt. „Es geht uns aber auch um grundsätzliche Mängel im Bildungssystem, wir brauchen eine insgesamt bessere Bildungsstruktur.”

Kathrin aus Kassel sagt: „Wir haben viele Forderungen. Auch eine bessere Finanzierung der Hochschulen, mehr Lehrpersonal und viel mehr Mitbestimmung gehören dazu.”

Eine Gruppe aus Köln trägt in dem Demonstrationszug zum Tagungsort symbolisch die Bildung zu Grabe. Während die Studenten den schwarzen Sarg mit der Aufschrift „Bildung” langsam durch die - für den Verkehr abgesperrten - Straßen schleppen, rufen sie Passanten zu: „Seht die Bildung sterben” und verlangen: „Bildung für alle”.

Studentin Anna aus Heidelberg sieht die nun angeschobenen Verbesserungen bei Bachelor und Master positiv: „Dass die vor zehn Jahren gemachten Fehler nun teilweise korrigiert werden, ist allein ein Erfolg unseres Bildungsstreiks”, glaubt sie. Ihre Kommilitonin Sophie ist da skeptisch: „Ich glaube nur, was ich sehe und spüre - nach so vielen leeren Versprechungen.”

Der angehende Soziologe Thomas aus Mainz will noch einmal deutlich Präsenz zeigen, wie auch Studenten aus Berlin, Bremen, Braunschweig oder Saarbrücken. Nach Polizei-Schätzungen sind es mindestens 4000, von den Organisatoren werden auch höhere Zahlen genannt.

Politik und Hochschulrektoren zeigen Verständnis für den Protest der Studenten - haben die vielen Großdemos und Hörsaal-Besetzungen aber auch satt. Es sei nun „an der Zeit, wieder zu einem geregelten Studentenbetrieb zu kommen”, erklären KMK und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gemeinsam.

Draußen geht der Protest lautstark weiter: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut”, skandieren Studenten - auch Schüler und Auszubildende demonstrieren mit.

KMK-Präsident Henry Tesch (CDU) verspricht den Studenten, man werde ihnen deutlich entgegenkommen. NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagt, es sei besser, man versuche die KMK mit einer Blockade zum Nachsitzen zu zwingen, als weiter Hörsäle zu besetzen. Es müsse nun dringend zu konkreten und schnellen Verbesserungen kommen. „Es nützt ja nichts, wenn da draußen weiter demonstriert wird, und hier drinnen nur Kaffee getrunken wird.”
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