Köln - Streit um Baumängel an Kölner Moschee

Streit um Baumängel an Kölner Moschee

Von: dpa
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Kölner Moschee
Baugerüste stehen am Donnerstag (27.10.2011) an dem Neubau der Moschee in Köln, im Hintergrund der Fernmeldeturm Colonius. Wegen „gravierender Mängel” beim Bau der Kölner Zentralmoschee hat die Bauherrin Ditib dem Architekten gekündigt. Die Zusammenarbeit mit dem Kölner Architekturbüro Paul Böhm sei wegen steigender Kosten, Terminverfehlungen und mangelnder Qualität beendet worden, teilte eine Sprecherin der Türkisch Islamischen Union (Ditib) in Köln mit. Foto: dpa

Köln. Um die Kölner Zentralmoschee eskaliert zwei Jahre nach Baubeginn ein Streit zwischen der türkisch-islamischen Bauherrin Ditib und den Architekten.

Die Ditib sieht 2000 Mängel am Rohbau und will vom Architekten Paul Böhm Schadenersatz „möglicherweise in Millionenhöhe” verlangen, wie Ditib-Anwalt Christian Preetz am Donnerstag ankündigte. Wenige Tage zuvor hatte der Dachverband dem renommierten Architekturbüro wegen „unüberbrückbarer Differenzen” überraschend und mit sofortiger Wirkung gekündigt - und damit viel Kritik ausgelöst. Paul Böhm sagte der Nachrichtenagentur dpa nach der Ditib-Pressekonferenz, er weise die Vorwürfe entschieden zurück. Der größte Moschee-Komplex in Deutschland wird nun wohl doch nicht im kommenden Frühsommer eingeweiht werden.

Die Ditib wirft Böhm vor allem gravierende Mängel an der Betondecke der Kuppel vor. Es gebe Abweichungen in der Symmetrie und bei der Farbgebung. Zahlreiche Fehler des Rohbauers habe Böhm nicht abgestellt. Laut Ditib sind die Kosten von den ursprünglich kalkulierten 17 Millionen auf 34 Millionen Euro explodiert. Nun werde die Sanierung Millionen verschlingen. Es solle mit einem neuen Team weitergehen.

Der Architekt sagte dazu: „Wir haben immer seriös und sorgfältig gearbeitet. Dort, wo Mängel beim Rohbauer auftraten, haben wir für deren Beseitigung gesorgt”. Kleinere Mängel seien „grundsätzlich nicht unüblich auf einer Großbaustelle”. Es sei aber „absurd und lächerlich”, von 2000 Fehlern zu sprechen. Die Ditib habe seinem Büro seit gut einem halben Jahr keine Honorare mehr gezahlt. Er befürchte ein langes juristisches Verfahren.

Der Moschee-Beirat mit Vertretern aus Politik, Kirchen und Kultur will bei einem Treffen am 10. November Vermittlungschancen zwischen Ditib und Böhm ausloten. Der frühere Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der Beiratsmitglied ist, kritisierte ein „ungeschicktes und unglückliches Vorgehen” der Ditib und sprach von einer „Anklage” gegen Böhm.

Die Zentralmoschee war nach Protesten und langem politischen Streit im August 2008 vom Stadtrat genehmigt worden. Bei dem Millionenprojekt handelt es sich um den bundesweit größten Moschee-Komplex, der auch ein Kultur- und Begegnungszentrum auf insgesamt 5000 Quadratmetern umfasst. Die Moschee allein wird mit Gebetsräumen für 1200 Gläubige eine der größten in Deutschland. Der Bau mit einer 37 Meter hohen Kuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten ist zu 85 bis 90 Prozent fertiggestellt.

Die Ditib ist in Deutschland der größte islamische Verband und wird vom türkischen Staat mitfinanziert. Das Architektenbüro Böhm gehört zu den führenden hierzulande und hat Kirchen, Rathäuser, Museen, die Kölner Arena oder auch die WDR Arkaden gebaut.

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