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Stipendien: NRW Vorbild für den Bund

Von: Berthold Strauch
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Mehr Geld im Portemonnaie: Das Land NRW unterstützt in Kooperation mit Unternehmen Studenten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die finanzielle Situation der Studierenden ist schwierig: Nicht nur den Lebensunterhalt, auch die Studiengebühren gilt es zu schultern. Um begabten Studierenden dabei zu helfen, hat der nordrhein-westfälische Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) jetzt ein Fördermodell ins Leben gerufen, das in Aachen erstmals in klingende Münze umgesetzt worden ist.

Kern des Stipendienmodells der Landesregierung ist die Zusage, Studierende mit monatlich 150 Euro zu unterstützen - wenn Wirtschaftsunternehmen den Betrag in gleicher Höhe beisteuern. Die 300 Euro werden maximal bis zum Ende der Regelstudienzeit gezahlt. Das kann beim Bachelor-Studium plus Master schon mal sechs bis sieben Jahre ausmachen, erklärt Regina Oertel, die an der RWTH Aachen in die Vergabe dieses Förderprogramms eingebunden ist. Angela Poth, die Fundraising-Beauftragte von Rektor Ernst Schmachtenberg, wirbt bei den Hochschulpartnern bereits intensiv um eine weitere finanzielle Unterstützung für die Zukunft - mit großem zählbarem Erfolg.

Für zwei Semester, also ein Jahr, wurden acht Studenten im Aachener Marschiertor ihre Förderurkunden überreicht. Für die Ko-Finanzierung sorgt der Regionale Industrieclub Informatik Aachen. Der eingetragene Verein bündelt unter dem Kürzel „Regina” rund 100 Mitgliedsfirmen, die ihr Geld mit IT, der Informationstechnologie, verdienen.

Der Vorsitzende Hans Röllinger betonte, dass sich „Regina” intensiv der Nachwuchsförderung verschrieben habe - im eigenen Interesse. Denn trotz aller Wirtschaftsprobleme könne seine Branche genügend Jobs zur Verfügung stellen. Dies wurde jüngst bei der „Nacht der Unternehmen” deutlich: Die überwiegende Zahl der in dieser Veranstaltung angebotenen freien Stellen wurde von den „Regina”-Mitgliedsfirmen offeriert.

Felix Frei und Daniel Franz sind zwei der von „Regina” geförderte Stipendiaten. Daniel Franz studiert Informatik und Mathematik an der RWTH, Felix Frei Informatik. Von „Regina” gehörten Stefan Kowalewski vom Lehrstuhl Informatik und Michael Wallrath (Ascom) zur Jury. Anhand der bisherigen Schul- und Studienleistungen wurde die Auswahl unter rund 40 Bewerbern getroffen.

Der 20-jährige Felix Frei kommt aus Bochum und hat sein drittes Semester begonnen. Er freut sich, dass er sich dank der Finanzspritze „besser aufs Studium konzentrieren kann”. Zudem sei er nun „unabhängiger von meinen Eltern” - deren regelmäßiger Scheck sei vorerst nicht mehr notwendig, sagt der junge Mann.

Daniel Franz (21) stammt aus Bocholt und studiert im fünften Semester. Er will seinen „Hiwi”-Job am Informatik-Institut beibehalten, wo er Programmieraufgaben erledigt und damit wertvolle Praxiserfahrung sammelt.

Mit von der Partie ist im Förderprogramm auch die Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie stellt zehn Stipendien für zwei Semester zur Verfügung. „Die IHK ist Mittlerin zwischen Wissenschaft und Wirtschaft”, betont Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes. „Wir können den Stipendiaten bei Bedarf Kontakte zu unseren Mitgliedsunternehmen herstellen.”

50 weitere Stipendiaten werden von Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Exzellenz-Universität, „proRWTH”, gefördert. Und auch die Sparkasse Aachen, die zehn Stipendien finanziert, gehört zum Kreis der Förderer - neben vielen anderen Unternehmen und Institutionen. Dies sei, so Sparkassenvorstand Christian Rother, „ein gutes Zeichen für das Klima in der aus der Region Aachen”.

Von einer „wunderbaren Zeremonie” sprach Rektor Schmachtenberg, als am vergangenen Donnertag in der Aula des RWTH-Hauptgebäudes die Stipendiaten und ihre Geldgeber im Mittelpunkt einer lockeren Feier standen. Bildung sei „ein kostbares Gut”, formulierte Magnifizenz Schmachtenberg - mit seiner goldenen Amtskette geschmückt - an die „Besten der Besten”. Die RWTH bekenne sich zu ihrem Bildungsauftrag, unterstrich der Rektor. Er äußerte sein „großes Ziel”, dass langfristig zehn Prozent der Studenten in den Genuss einer Bildungsförderung kommen könnten. Für Aachen wären das 3000 junge Leute. Noch sei man „weit davon entfernt”. Allerdings zeige die Zahl von rund 2000 Studierenden, die sich um ein Stipendium beworben hätten, dass das Potenzial vorhanden sei.

Schmachtenberg machte deutlich, dass die RWTH nach dem Verteilungsschlüssel des Landes für alle Universitäten zunächst nur 90 Stipendien bekommen sollte. Dank hoher Einwerbung von Mitteln aus der Industrie habe die Zahl auf 190 gesteigert werden können - auch, weil andere Hochschulen in NRW nicht so erfolgreich in der Akquise gewesen seien, sagt der Rektor. „Es lohnt sich immer, in die Jugend und die Wissenschaft zu investieren.”

Das Modell des Landes NRW gilt als Muster für den Bund

Landesweit stehen im Wintersemester 1400 Stipendien zur Verfügung. Auf die RWTH entfallen davon nach Angaben von Pressesprecher Erik Otto vom NRW-Innovationsministerium 190 Stipendien, auf die Fachhochschule Aachen weitere 30 Empfänger.

Die meisten der für Aachen bereitgestellten Stipendien sind schon im August/September zugeteilt worden. Gezahlt wird übrigens, ohne dass zum Beispiel Bafög-Überweisungen und andere Begabten-Stipendien dabei angerechnet werden müssen.

NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart möchte über eine Bundesrats-Initiative erreichen, dass dieses Fördermodell bundesweit flächendeckend ausgedehnt wird. Einen entsprechenden Beschluss hat die Landesregierung kürzlich bereits gefasst. Im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-gelben Bundesregierung ist die geplante Einführung dieses Modells bereits berücksichtigt.
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