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Stiller Ausnahmezustand: Flughafen Köln/Bonn ohne Passagiere

Von: Torben Klausa, dpa
Letzte Aktualisierung:
Sperrung des Luftraums
Flugzeuge stehen am Samstag (17.04.2010) auf dem Flughafen Köln/Bonn auf dem Vorfeld. Foto: dpa

Köln. Check-In-Schalter ohne Personal und Passagiere, verwaiste Gänge und eine Abflugtafel übersät mit „annulliert”: Auf dem Flughafen Köln/Bonn herrscht an diesem Wochenende irreale Endzeitstimmung. Isländische Vulkanasche sorgt für ein Flugverbot am deutschen Himmel, gähnende Leere in den Hallen - und bei verbliebenen Möchte-Gern-Fluggästen in Köln/Bonn für Zweckoptimismus.

Gabriele Pantin kann man schon von weitem kommen hören. Gemächlich rattert ihr Gepäckwagen mit Koffer und Reisetasche beladen durch das verlassene Terminal. Auch wenn sie mit dieser Ausstattung an diesem Samstagabend ein wenig deplatziert wirkt: Die Hoffnung auf ihren Ägypten-Urlaub hat sie noch nicht aufgegeben. „Es ist ja schließlich bezahlt!”

Und ein bisschen amüsant findet sie den Totalausfall auch: „Selbst die Frau Merkel kann ja nicht anders. Das ist ein ganz gutes Gefühl”, sagt Pantin. Ob Regierungschefin oder Pauschaltourist: Gegen Islands Naturgewalten ist niemand gefeit.

Auf der geöffneten Besucherterrasse des Flughafens könnte man meinen, es sei ein Frühlingsabend wie jeder andere. Hier sind alle Bänke belegt, die Menschen genießen die letzten Sonnenstrahlen und den Blick über das Rollfeld. Nur ihre einheitliche Kleidung verrät, dass es keine Fluggäste sind, die sich hier sonnen.

Die Mitarbeiter der Fluggastkontrolle vertreiben sich die Zeit bis zum Ende ihrer Schicht. „Entspannter Tag” - so bringt es Michael Daum vom Sicherheitsdienst auf den Punkt.

Auch Roland Johle hat sich den Tag am Flughafen irgendwie anders vorgestellt. Mit seiner Frau ist er zum Shoppen nach Köln/Bonn gekommen - jetzt stehen sie vor verschlossenen Türen. „Sowas hat man noch nicht erlebt”, sagt er verblüfft. Nur ein Lebensmittelmarkt und ein Sex-Shop haben geöffnet.

Johles Gattin ärgert sich vor allem über die Flugzeuge: „Das ist doch kein Zustand, die müssen sich was einfallen lassen. Was da an Geld alles dranhängt. Ich hätte gedacht, mit so viel Technik seien unsere Flieger krisenfester.”

Um die Information der verbliebenen Kunden ist man am Flughafen Köln/Bonn in diesen Stunden sehr bemüht: „Verehrte Fluggäste, der deutsche Luftraum ist bis auf weiteres gesperrt”, schallt es aus den Lautsprechern im Terminal 2. Der ältere Herr mit südländischem Teint, der sich auf einer Bank in der Ankunftshalle ausgestreckt hat, hört es schon nicht mehr. Nur mit Hose und Socken bekleidet verschläft er schnarchend die Wartezeit - allein auf weitem Flur.

„Sicherheitshinweis: Bitte lassen Sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt.” An manchen Tagen wirkt sogar die gewöhnlichste Durchsage irgendwie grotesk. Denn wo auch immer in den Hallen des Flughafens Köln/Bonn heute ein Gepäckstück entwendet wird - eines ist jedenfalls sicher: Die Zahl der Verdächtigen ist überschaubar.
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