Staudamm Schwammenauel vor 75 Jahren eingeweiht

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
5767918.jpg
Seit 75 Jahren prägt der Staudamm Schwammenauel das Landschaftsbild der Nordeifel: Über ein Schienensystem wurde das Material mit kleinen Loren auf die Baustelle gebracht. Die Steine für den Damm kamen größtenteils aus Steinbrüchen, die heute unter der Wasseroberfläche liegen. Foto: WVER

Nordeifel. „Ärgerlich ist es, wenn man einen Schraubendreher vergessen hat“, sagt Bernhard Hüpgen und lacht. Denn dann führt kein Weg daran vorbei, die 400 Stufen, die man soeben bergab gegangen ist, wieder hinaufzustapfen. Der Betriebsleiter der Rurtalsperre weiß aus Erfahrung: „Wer in einer Talsperre arbeitet, lernt, sein Werkzeug achtsam zusammenzupacken.“

Jeden Tag steigt ein Mitarbeiter aus seinem Team die steilen Treppen im Kontrollgang des Schwammenaueler Staudamms hinab. Damit tauchen sie immer aufs Neue in die Geschichte des Bauwerks ein, das heute vor 75 Jahren eingeweiht wurde.

Trockenheit und Hochwasser

Ohne den gewaltigen Damm wäre der Rursee noch die Rur, umgeben von Äckern und Feldern. Der Fluss wirkt eher unscheinbar, und doch hat die Rur, die im Hohen Venn entspringt, immer wieder Probleme gemacht. „Wenn es viel geregnet hat, sammelte sich das Wasser in der Rur und sorgte für Überschwemmungen. In längeren Trockenphasen reichte das Wasser für die Dürener und Jülicher Industrie nicht mehr aus“, beschreibt Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER), dem Betreiber von sechs Eifel-Talsperren.

Um den Fluss zu regulieren, begannen vor vielen Jahrzehnten die Planungen für die Talsperre. Hinzu kam, dass man bereits von einem „Wasserkrieg“ zwischen Aachen und Düren sprach, weil die Aachener die Kall, die bei Zerkall in die Rur und damit nach Düren fließt, in kleinen Becken aufzustauen begonnen hatten. Also wurden in den 30er Jahren an der Rur gleich drei Dämme gebaut. Der große bei Schwammenauel sowie zwei kleinere bei Rurberg. Einer davon staut den Fluss ab Einruhr zum Obersee, der heute der Trinkwasserversorgung des Raumes Aachen dient.

„Geplant wurde die Talsperre schon, bevor die Nationalsozialisten die Macht ergriffen haben“, erklärt Seiler. Unter den Nationalsozialisten sind die Dämme dann gebaut und die Einweihung für deren Zwecke instrumentalisiert worden. War die Urft 1900 noch mit einer Mauer aufgestaut worden, wurden 30 Jahre später Dämme aufgeschüttet. Um das zu ermöglichen, musste die Rur umgeleitet werden: Die Arbeiter hoben einen Stollen aus, der noch heute als Grundablass dient und den Unterlauf und das Kraftwerk Schwammenauel mit Wasser versorgt. Über einen „Fangdamm“ wurde die Rur in den Stollen geführt. Dann begannen die Männer über einem Betonkern steinigen Lehm, eine Spundwand als Erosionsschutz und Fels zu schichten und eine Hochwasserentlastung zu bauen.

„Im Vergleich zur Urftstaumauer, an der 700 Maurer gleichzeitig arbeiteten, war der Bau des Dammes weniger personalintensiv“, weiß Richard Gronsfeld vom WVER. Für den Ingenieur ist es beeindruckend, mit welch einfachen Mitteln der Damm gebaut wurde.

Nach dem Krieg brauchte die Industrie mehr Wasser, 1955 wurde aufgestockt. Seitdem steht der Damm auf einem mehr als 300 Meter breiten Fuß. Dafür, dass er dies noch viele Jahre sicher tut, ist unter anderem Gronsfeld zuständig. Alle zehn Jahre wird der Damm von den Ingenieuren „auf links gedreht“. Es wird überprüft, ob er auch den heutigen technischen Anforderungen entspricht. Der alte Damm ist laut WVER in einem guten Zustand.

2005 stand mit dem Austausch der Armaturen im Schieberhaus, durch die das abgelassene Wasser austritt, eine Großbaustelle an. Der Grundablass wurde verschlossen, die Rur über einen Stollen von der Urft gespeist. In solchen Fällen ist eine langfristige Planung der Wasserexperten, die in Düren die Monitore stets im Blick haben, unabdingbar. Schließlich ist der Verband verpflichtet, fünf Kubikmeter, also 5000 Liter, pro Sekunde an den Unterlauf abzugeben. Die Firmen zahlen für ihr Wasserrecht.

Aber die Talsperre bietet mehr als Wasserversorgung und Hochwasserschutz. Sie hat die Landschaft geprägt, den Tourismus angekurbelt: Sie zählt „zu den schönsten landschaftlichen Erlebnissen der nördlichen Eifel“, heißt es im Heimatjahrbuch 1959. Wer aus dem kühlen Kontrollgang zurück ins Tageslicht tritt, wird diesen Anblick besonders genießen. Für die Wärter geht es am nächsten Tag wieder hinab. Grünspan und Tropfsteine müssen entfernt, die Elektronik überprüft und Messwerte genommen werden. Und bloß nicht den Schraubendreher vergessen...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert