Start im „Fiasko”, Ende mit Hoffnung

Von: Stephan Mohne und Robert Esser
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Bescheidener Aufmarsch vor dem Rathaus: Knapp 150 Alemannia-Anhänger „demonstrierten” - ohne Plakate, Banner und lange Schlachtrufe - vor dem Rathaus. Die Politiker im Ratssaal bekamen davon kaum etwas mit. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die Fans begann der Mittwochabend, der mit über die Zukunft ihrer Alemannia entschied, im „Fiasko”. In der gleichnamigen Kneipe am Synagogenplatz hatten sich am Spätnachmittag knapp 150 Anhänger der nahezu insolventen Zweitliga-Kicker versammelt.

Zum Anstoßen war allerdings nur einem harten Kern zumute. Der Rest marschierte schweigend, aber in schwarz-gelber Kluft, durch die Fußgängerzonen Richtung Markt. 15 Minuten dauerte die Aktion. Erwartet wurden die Fans von einer Handvoll Fotografen und Fernsehteams. ZDF und ARD berichteten bundesweit über die Aachener Schicksalsstunden. Die Polizei eskortierte, Passanten und Zuschauer blieben unbehelligt.

Auch über den Grund der sogenannten Demonstration verlautete vor Ort nichts. Die Fans hatten weder Banner noch Parolen dabei, als sie vor dem Ratssaal auftauchten. „Hurra, hurra, die Aachener sind da!”, brüllte die überschaubare Unterstützer-Truppe. Ein Mal. Das war´s. Da gab´s drinnen bei den Politikern doch deutlich mehr Gesprächsbedarf.

Denn die mussten einen Ausweg aus dem finanziellen Dilemma finden. Und mit Bauchschmerzen, Zähneknirschen und vielen Fragezeichen fanden sie diesen am Ende auch. Kurz nach 23 Uhr stimmte der Stadtrat einstimmig bei zwei Enthaltungen einer „Patronatserklärung” zu, die 5,5 Millionen Euro umfasst. Darunter eine Bürgschaft über drei Millionen Euro, mit der sich Alemannia jetzt „frisches Geld” zur Überwindung der aktuellen Krise bei einer Bank besorgen kann. Und sie betonte, dass diese Hilfe ein Einzelfall bleiben werde.

Zuvor hagelte es nochmals Fragen. Wie glaubhaft denn die von der Alemannia quasi in letzter Minute vorgelegten Zahlen seien, wollten die Politiker wissen. Rede und Antwort stand dabei Dr. Karl-Heinz Paffen, der als Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Stadt in den vergangenen Tagen alle Zahlen analysierte.

Sie hielten letztlich dieser entscheidenden Prüfung stand. So will der Stadtrat nun dem Verein die Chance geben, aus der Krise herauszukommen. Geknüpft ist das Paket an Bedingungen. Zum Beispiel will die Stadt als Sicherheit treuhänderisch Anteile an der Stadion GmbH. Ob die städtische Hilfe nun die finale Rettung bedeutet, das konnte am Mittwoch naturgemäß nicht beantwortet werden.

In der Verwaltungsvorlage hieß es, sie werde dadurch „möglich”, vieles sei vom sportlichen Erfolg abhängig. OB Marcel Philipp zeigte sich optimistisch: „Jetzt ist der Weg frei für die Sanierung. Neben dem notwendigen sportlichen Erfolg ist ein wesentlicher Punkt die Treue der Fans. Jede verlängerte oder neu gekaufte Dauerkarte für den Tivoli ist jetzt wichtiger denn je.”

„Dass die Politiker mit ihrer Entscheidung Bauchschmerzen hatten, kann ich verstehen”, räumte der Versammlungsleiter der Fan-Demonstration, Hans Libotte, ein. „Man muss gewissen Leuten bei der Alemannia wohl Naivität vorwerfen, aber wir Fans können keine direkte Schuldzuweisung machen”, sagte er. „Wir sind über die finanzielle Situation, die Ursachen und Hintergründe nicht informiert.”

Dass der Spielbetrieb nun in der kommenden Saison für nur sieben Millionen Euro auf die Beine gestellt werden soll, hat Libotte gehört. „Aber mit ein paar jungen, hungrigen Spielern kann man auch für wenig Geld Begeisterung und sportlichen Kampfgeist auslösen”, machte sich der Fan-Führer Mut.

Am Mittwoch hielt sich die Begeisterung in Grenzen - bei der Demo auf dem Markt und im Rat. Und auf glückseliges Zuprosten wurde - trotz positivem Ratsvotum - mehrheitlich verzichtet. Denn noch ist nicht klar, wer die Zeche am Ende bezahlen muss. Der Klub will sich erst heute dazu äußern.
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