Starker Anstieg: 264 Unfälle auf der Autobahn 4 im ersten Halbjahr 2013

Von: Daniel Gerhards
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Kontrolle auf der A 4: Die Polizisten Dirk Grevenstein (r.) und Rainer Krombach kontrollieren Ladung und Fahrer vieler Lkw. Ihr Fazit zu diesem Gefahrguttransporter: „Alles in Ordnung.“ Foto: Daniel Gerhards

Aachen/Köln. Dieser Dienstag ist ein ruhiger Tag auf der A 4. In den Ferien gibt es nicht viel Berufsverkehr, und es sind auch weniger Lkw auf der Straße. Trotzdem: Die A 4 ist zwischen Aachen und Kerpen ein gefährliches Pflaster. Allein im ersten Halbjahr 2013 gab es 264 Unfälle – 76 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auch deswegen ist die Autobahnpolizei Köln in diesen Tagen verstärkt auf der A4 unterwegs. Es gibt Radarmessstellen, Laserkontrollen, zivile Kamerafahrzeuge und zusätzliche Streifen.

In einem dieser Streifenwagen sitzt Polizeihauptkommissar Dirk Grevenstein mit seinem Kollegen Rainer Krombach. Er schaut nach rechts, über die Schulter und wirft einen Blick in das Führerhaus eines Lkw. Ist der Gurt nicht angelegt, telefoniert der Fahrer mit dem Handy, blättert er in Unterlagen? Das wären Gründe für Grevenstein, den Lastwagen anzuhalten. Doch dieser Brummi-Fahrer darf weiterfahren.

In den Baustellen und an Stauenden kommt es immer wieder zu Unfällen. Elf solcher Auffahrunfälle waren es allein im ersten Halbjahr 2013. Solche Unfälle seien alle – zumindest mittelbar – auf die veränderte Verkehrsführung in Baustellen zurückzuführen. Oftmals sind Lkw-Fahrer beteiligt. So auch Anfang Juli, als ein unaufmerksamer Lkw-Fahrer bei Düren in ein Stauende an einer Baustelle rast. Drei Insassen eines niederländischen Pkw müssen ins Klinikum eingeliefert werden. Der Alptraum für jeden Autofahrer. „Viel kann man gar nicht machen“, sagt Pütz. Nur das: Immer gleich die Warnblinkanlage anschalten, Abstand zum Vorderfahrzeug halten und den Verkehr im Rückspiegel beobachten. „Dann hat man noch Spielraum nach vorne.“ Dass phasenweise bis zu 30 Prozent der Fahrzeuge auf der A 4 Lkw sind, macht die Lage noch brisanter.

Dirk Grevenstein wird kurz vor Düren auf einen Lkw aufmerksam, der seine Fahrbahn mehrfach nach rechts verlässt. „Der macht irgendwas, was ihn vom Fahren ablenkt“, sagt er. Krombach drückt aufs Gas. Doch der Fahrer hat den Streifenwagen bereits bemerkt. „Jetzt fährt er wieder geradeaus“, sagt Grevenstein. Nach einem strengen Blick ins Führerhaus fahren die Beamten weiter. „Ich muss schon sehen, dass er etwas macht, wenn ich eine Anzeige schreiben möchte“, sagt Grevenstein. Also weiter.

Dass Lkw-Fahrer unaufmerksam sind, haben die Polizisten auf der A 4 schon oft erlebt. „Es gibt betrunkene Fahrer. Andere machen während der Fahrt alles Mögliche“, sagt Robert Pütz, Leiter der Autobahnpolizeiwache Broichweiden. Viele haben Fernseher, Internet, Kaffeemaschine und Mikrowelle an Bord. Nicht jeder Fahrer sieht ein, dass man die besser nur im Stehen bedient.

In den Baustellen lassen aber auch fast alle Lkw-Fahrer ihre Hände am Steuer. Denn die sind oft sehr eng. Teilweise sind die Fahrstreifen so schmal, dass man auf Schildern dazu angehalten wird, versetzt zu fahren. Das sei allerdings nur eine Empfehlung – wenn trotzdem jemand überholt, kann die Polizei das nicht ahnden.

Hohes Tempo führt zu Unfällen

Hauptunfallursache in Baustellen sei zu hohes Tempo, sagt Pütz. „Wenn sich jeder an die vorgegebene Geschwindigkeit hält, auf seinem Fahrstreifen bleibt und die durchgezogenen Linien beachtet, kann eine Baustelle noch so schlecht eingerichtet sein – dann passiert nichts“, sagt er.

Auch an den Stellen, wo die Fahrbahnen verschwenkt werden. „Dort ist es am gefährlichsten“, sagt Pütz. So eine Stelle gibt es etwa an der Baustelle bei Niederzier. Dort wird der Anschluss an das neue Autobahnstück für die Umfahrung des Tagebaus Hambach gebaut. Dort passieren auch Unfälle. Aber natürlich nicht nur dort.

Was kann die Polizei dagegen unternehmen? Vielmehr als bisher getan werde, sei kaum möglich, sagt Pütz. Wenn sich die Fahrer nicht an die Vorgaben halten, würden weiter Unfälle passieren. Pütz: „Der Verkehrsteilnehmer ist das erste Problem.“

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