Stalking wird in der Region zum wachsenden Problem

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. 2012 sind in Deutschland 17 Menschen infolge exzessiven Stalkings gestorben. Was absurd klingen mag, wird auch für die Aachener Staatsanwaltschaft mehr und mehr zum Problem: 720 Verfahren wurden im Landgerichtsbezirk Aachen zwischen dem Norden des Kreises Heinsberg und dem Kreis Euskirchen geführt, in der ganzen Republik waren es etwa 25.000, wie Oberstaatsanwalt Christian Burr am Donnerstag mitteilte.

 Anlass war die jährliche Resümee der Aachener Staatsanwaltschaft bezüglich der Kriminalitätsentwicklung in der Region.

Burr ist der Leiter einer neuen Abteilung, die sich mit Stalking und ähnliche Straftatbeständen befasst. Die Aachener Ermittlungsbehörde hatte es bislang noch nicht mit einem Stalking-bezogenen Todesfall zu tun, doch bundesweit mehren sich die Fälle. Und damit sind nicht einmal Mord oder Totschlag am Ende exzessiven Stalkings gemeint, sondern Selbstmorde oder Todesfälle nach psychosomatischen oder psychiatrischen Leiden, die durch die Nachstellungen des Täters ausgelöst werden. „Es sind meistens Männer, die sich mit der Trennung von der Partnerin nicht abfinden wollen“, sagte Burr. Staatsanwalt Marcel Dörschug bestätigte: „70 bis 80 Prozent der Stalker sind Männer“.

Die im Gesetzestext des Paragrafen 238 des Strafgesetzbuches als „unbefugte Nachstellung“ bezeichneten Delikte müssten, bevor sie verfolgt werden können, „eine schwerwiegende Lebensbehinderung“ der Opfer hervorrufen. Und sie müssten schnell angezeigt werden, sagte Dörschug. Vor allem müssten Opfer sofort jeden Kontakt abbrechen und auch zivilrechtliche Schritte einleiten. Die sozialen Medien und die kaum löschbaren Spuren im Internet habe dem Stalking Tür und Tor geöffnet; und Richter, sagte Dörschug, würden bei Stalking-Fällen noch zu oft zu zögerlich agieren.

Stalking sei jetzt auch Thema einer bundesweiten Konferenz der Generalstaatsanwälte gewesen, berichtete die nach Köln gewechselte und zur Generalstaatsanwältin beförderte ehemalige Leitende Oberstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz. Sie wird seit kurzem kommissarisch von Oberstaatsanwältin Heike Fuchs vertreten. Auch der langjährige Pressesprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Robert Deller, verabschiedete sich, er geht im September in den Ruhestand.

Rückblickend sei das Jahr 2012 im Bereich Kapitalverbrechen, also bezüglich Mord und Totschlag, eher ruhig verlaufen, sagte Deller. Drastisch steigende Zahlen notieren die Strafverfolger hingegen bei der Online-Kriminalität.

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