Aachen - Städtische Rambos vor Gericht

Städtische Rambos vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Einer der erfahrensten Anwälte Aachens war am Donnerstag im Zeugenstand zu erleben. Im Strafverfahren gegen zwei Außenbeamte des Aachener Ordnungsamtes schilderte der 72-jährige Friedrich S. vor Richterin Anne-Kristin Kneis, wie er den seiner Meinung nach völlig unverhältnismäßigen Rambo-Auftritt des Beamten Hans-Josef J. (44) und eines jüngeren Kollegen am 9. Mai 2008 am Fischmarkt erlebt hatte.

„Das konnte ich einfach nicht hinnehmen”, schilderte der Anwalt die Sache. Was war passiert? Am späten Nachmittag vor den Dürer-Stuben konnten S., seine Ehefrau und Bekannte verfolgen, wie ein vor dem Stadtarchiv stehender Akkordeonspieler regelrecht aufgemischt wurde.

Der Zeuge: „Der Mann war ein Hänfling. Er wurde nach einem kurzen Disput von einem der Ordnungsbeamten, dem Fahrer des Wagens, dermaßen vor das Auto geknallt, dass ich schon von Weitem die Karosserie wackeln sah.”

S. empfand das Vorgehen gegen den Akkordeonspieler als allzu brutal und unangemessen. Der Jurist machte sich auf den Weg zum städtischen Auto. Dabei habe er gesehen, wie dem Mann bei dem Vorhaben, ihm Handschellen anzulegen, von hinten die Beine weggetreten wurden.

„Der knickte sofort ein” - und wurde wieder gegen die Autokarosserie gestoßen. Dann stieg er schließlich „freiwillig” in den Fonds ein.

„So etwas regelt ein geübter Polizist völlig anders”, bekundete der altgediente Strafverteidiger und: „Die sind ungenügend ausgebildet!” Eine Frisörin und ein weiterer Zeuge bekräftigten vor der Richterin, dass sie sich „für das Vorgehen der Stadt” schämten - heute noch.

Die Angeklagten schilderten das Geschehen natürlich anders. Von dem Akkordeonspieler, der heute nicht mehr aufzufinden ist, sei „eine erhebliche Gefahr” ausgegangen, dafür wäre er bekannt. Ein Cafbesitzer habe angerufen und sich über die Musik beschwert.

Die zwei Beteiligten sowie als Dritter der Chef der Truppe, der 40-jährige Friedhelm W., müssen sich wegen Körperverletzung im Amt in unterschiedlichen Tatbeteiligungen verantworten, die Anklage wird durch Oberstaatsanwalt Alexander Geimer vertreten. Zum Vorfall am Fischpüddelchen kommt ein Tatgeschehen Anfang April 2008 hinzu.

Bei einer Razzia am Kaiserplatz langten laut Anklage Hans-Josef J. und Friedhelm W. anscheinend dermaßen zu, dass es eine Reihe von Polizeibeamten auf die Palme brachte - auch sie erstatteten Anzeige gegen die „gänzlich unbelehrbaren” Männer vom Ordnungsamt.

In jenem Fall erging es einer „sehr zierlichen” Drogenabhängigen, wie der Hauptzeuge und Polizeibeamte Peter B. (52) die Frau beschrieb, gleich zwei Mal schlecht.

Sie seien von der Frau beleidigt worden, als sie ihre Personalien erfassen wollten, rechtfertigten die Beschuldigten ihr Verhalten, die mal wieder eine Person sogleich mit Handschellen „fixieren” wollten.

Brutal zu Boden gerissen

Doch wenige Minuten zuvor hatte die Polizei die Frau bereits überprüft. Die Drogenabhängige sei polizeibekannt, die Lage auf dem Platz sei wieder ruhig gewesen.

Anscheinend in dienstlichem Übereifer soll F. die Frau gegen eine Scheibe des Café Relax gestoßen haben. Als sie sich losmachte und in die Arme der Polizei flüchtete, sei sie verfolgt worden.

Die Polizisten forderten eine Erklärung und hatten den Eindruck: „Die hatte wirklich nur Angst.”

Doch die beiden Beschuldigten hätten sich Minuten später die aus der Polizeiobhut „endgültig Entlassene” am Rande des Kaiserplatzes nochmals geschnappt.

Sie sei brutal von hinten zu Boden gerissen worden, wie mindestens vier Polizisten vor der Richterin bekundeten.

Verteidiger Thomas Koll will nun zum nächsten Verhandlungstag am 5. November den Leiter des Aachener Ordnungsamtes, Detlev Fröhlke, laden - um Auskunft über die Kompetenzen des Amtes und der Polizei zu erfragen.
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