Düsseldorf/Aachen - Sprachtest für Vierjährige wird reformiert

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Sprachtest für Vierjährige wird reformiert

Von: Claudia Schweda
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Der bisherige Sprachtest für Vierjährige, Delfin 4, wird ab 2015 abgeschafft. Pädagogenverbände reagieren erleichert auf diese Nachricht. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Die umstrittene Sprachstandserhebung bei allen vierjährigen Kindern in nordrhein-westfälischen Kindertagesstätten - der Delfin-4-Test - wird ab dem Jahr 2015 abgeschafft. Dies haben am Dienstag in Düsseldorf die beiden Regierungsfraktionen von SPD und Grünen beschlossen.

Stattdessen soll die sprachliche Entwicklung der Kinder durchgängig beobachtet werden und Sprachförderung künftig schon mit der Aufnahme in die Kitas beginnen. Die Koalition will damit weg von punktuellen Tests. Allerdings konnte sich die rot-grüne Koalition bisher noch nicht auf ein neues Verfahren verständigen.

Die Vorsitzende des Verbandes Erziehung und Bildung in der Region Aachen, Marga Bourceau, reagierte erleichtert auf diese Nachricht: „Endlich wird unsere Kritik gehört“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. „Sprachstandsdiagnostik und -förderung muss in einer Hand liegen - und zwar in der der Erzieherinnen.“ Bourceau begrüßte die Pläne für eine ganzheitliche vorschulische Sprachförderung, die sofort mit dem Eintritt der Kinder in die Tagesbetreuung beginnt - und nicht erst mit vier Jahren. „Wir verlieren doch bislang wertvolle Jahre“, sagte die VBE-Vorsitzende. Bei der bisherigen Regelung kommen Grundschullehrerinnen in die Kitas, um ihnen bis dahin unbekannte vierjährige Kinder zu testen. Der Test an sich, aber auch diese für die Kinder fremde Situation hatte von Anfang an für Kritik von Erzieherinnen und Eltern gesorgt und die Aussagekraft des Tests in Frage gestellt. Schüchterne Kinder verstummten teilweise vor ihnen unbekannten Lehrerinnen. Nach VBE-Angaben fallen alljährlich in den Grundschulen 60.000 Stunden Unterricht aus, weil die Lehrer die Sprachtests in den Kitas leisten müssen.

Der kinderpolitische Sprecher der SPD, Wolfgang Jörg, kündigte am Dienstag an, dass die „ungeliebte Sprachstandserhebung“ durch eine neue Praxis der Sprachförderung in den Kindergärten ersetzt werde. Im Alltag der Kinder sei zu ermitteln, „über welche sprachlichen Kenntnisse die Kinder verfügen“. Daran müsse sich eine Sprachförderung orientieren. Dieses Verfahren erfordere eine entsprechende Qualifikation bei den Erzieherinnen und Erziehern. Zudem müssten sie für die Sprachförderung ein ausreichendes Zeitbudget erhalten. „Für beides werden wir Geld in die Hand nehmen“, versicherte der Politiker.

Die Kinderexpertin der Grünen, Andrea Asch, erklärte, ihre Partei wolle ein aussagekräftigeres Verfahren. Wichtig sei, dass die Sprachtests künftig nicht mehr von Grundschullehrern, sondern den Erziehern selbst durchgeführt werden. „Wir wollen die Sprachbildung für Kinder jeden Alters in einem ganzheitlichen Konzept verbessern“, sagte Asch. In einem ersten Schritt müsse sich eine zusätzliche finanzielle Förderung auf die Kitas konzentrieren, „die in besonderem Maße von Kindern aus benachteiligten Familien besucht“ würden.

Der CDU-Familienexperte Bernhard Tenhumberg wies darauf hin, dass der Bund die Sprachtests in Kitas generell überprüfe. Deshalb sei es „kontraproduktiv und falsch“, wenn Rot-Grün in NRW den Untersuchungen des Bundes „mit Schnellschüssen voreilig vorweg greift“.

2007 hatte die schwarz-gelbe Vorgängerregierung eine verpflichtende Sprachstandserhebung für alle Vierjährigen in NRW als erstem Bundesland eingeführt. Das Verfahren „Delfin 4“ war jüngst bei einem wissenschaftlichen Sprachtestvergleich durchgefallen.

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