Aachen - Sportfest im Waldstadion endet mit Rettungseinsatz

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Sportfest im Waldstadion endet mit Rettungseinsatz

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Bundesjugendspiele
Die Bundesjugendspiele im Aachener Waldstadion endeten denkbar ungünstig: mit einem Großeinsatz von Rettungskräften. Vielen der jugendlichen Teilnehmer ging es nicht gut, weil sie bei dem warmen Wetter wahrscheinlich zu wenig getrunken hatten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit einem Großeinsatz von Rettungssanitätern und Notärzten sind am Freitagnachmittag die Bundesjugendspiele der Aachener Luise-Hensel-Realschule zu Ende gegangen. Das Sportfest im Waldstadion musste vorzeitig abgebrochen werden, weil plötzlich mehrere Schüler mit Schwächeanfällen und Kreislaufproblemen zu kämpfen hatten.

Sieben Kinder wurden vorsorglich ins Uniklinikum gebracht, insgesamt mussten 24 Schüler - vorwiegend Mädchen - versorgt werden. Die Polizei hat ein Verfahren eingeleitet und prüft, ob ein Fehlverhalten der verantwortlichen sportlichen Leiter vorliegt. Die meisten Schüler litten unter Flüssigkeitsmangel, einige hatten Atemprobleme.

„In dieser gehäuften Form ist das noch nie passiert”, sagt Paul Witschen, Sportlehrer und Mitglied der Schulleitung, der seit 30 Jahren bei den Bundesjugendspielen dabei ist. Vereinzelte Schwächeanfälle habe es immer mal gegeben, meist aber habe es dann gereicht, den Kindern etwas zu trinken zu geben und die Beine hochzulegen. Diesmal aber mussten um die Mittagszeit plötzlich vermehrt Schüler mit Erschöpfungszuständen in den Schatten gebracht werden. Sie hatten die drückende Hitze unterschätzt und vermutlich zu wenig getrunken.

Als sich die Fälle häuften, sollen die zur Betreuung der Schüler eingesetzten Sanitäter die verantwortlichen Lehrer auf die Erschöpfungszustände aufmerksam gemacht haben. Dies sei aber nach vorliegendem Protokoll zunächst ignoriert worden, so die Polizei. Sportlehrer Witschen betont hingegen, umgehend die Rettungskräfte informiert zu haben, die gegen 11.45 Uhr mit vier Notärzten, Rettungswagen, Sanitätern und einem Löschzug ausrückten. Insgesamt wurden 50 Einsatzkräfte aus der Städteregion in Bereitschaft versetzt.

Während die geschwächten Kinder versorgt wurden, mussten sich einige Lehrer auch Vorwürfe von Eltern gefallen lassen, das Wetter falsch eingeschätzt und die Kinder überfordert zu haben. „Wir haben nicht nachlässig oder verantwortungslos gehandelt”, widerspricht Witschen. Alle Eltern und Kinder seien im Vorfeld mehrfach mündlich und schriftlich informiert worden, für ausreichende Getränke und Ernährung zu sorgen. In der Vergangenheit habe das immer gut geklappt, selbst bei höheren Temperaturen sei etwas Vergleichbares nie vorgefallen.

Es seien lediglich „mittlere konditionelle Leistungen” eingefordert worden, betonen Witschen und seine Kollegen: Der normale Dreikampf mit Laufen, Werfen und Springen, am Ende ein 800-Meter-Lauf für die Mädchen und ein 1000-Meter-Lauf für die Jungen.

Auch Schulleiterin Sibylle Reuß zeigte sich überzeugt, dass sich alle Lehrer richtig und verantwortungsvoll verhalten hätten. „Ich kann nicht verstehen, wie das jetzt hochgeschaukelt wird.” Das Erscheinen der Rettungskräfte könne sie nicht nachvollziehen. „Da hat vielleicht jemand überreagiert.” Gegen den Vorwurf, Panik geschürt zu haben, wehrt sich der Schulsanitätsdienst. Die Lage sei dramatisch gewesen.

Jetzt sind die Lehrer besorgt, dass durch diesen außergewöhnlichen Einsatz die Bundesjugendspiele insgesamt in Frage gestellt werden könnten. Die Luise-Hensel-Realschule sei eine der wenigen Schulen, die sie überhaupt noch organisiert.

Erstmals hatte die Schule in diesem Jahr einen eigenen Sanitätsdienst für die insgesamt rund 600 sporttreibenden Schüler eingerichtet, der trotz aller Anstrenungen mit einer derartigen Situation überfordert war. Sowohl Rettungskräfte als auch Sportlehrer wollen nicht ausschließen, dass die Häufung der Schwächeanfälle auch psychologische Ursachen gehabt haben könnte und die ersten Fälle weitere nach sich gezogen haben. „Das gibt es unter Pubertierenden”, meint auch Reuß. Unterdessen prüft die Polizei, ob Rechtsverstöße vorliegen.
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