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„Spiderman” mitten in der City

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Toll getrieben hat es laut Anklage ein 33-Jähriger, der sich wegen 45-fachen Wohnungseinbruchs und vier weiteren Diebstahlversuchen seit Mittwoch vor dem Aachener Landgericht verantworten muss.

Beute im Wert von etwa 400.000 Euro soll Xhevat T. in Aachen, Würselen, Horrem, Buir, Düren und Jülich gemacht und bei seiner Freundin in Aachen versteckt haben.

In die Annalen der Polizei ist der Angeklagte, der am 11. Februar 2008 von einem Spezialkommando im Aachener Ostviertel gestellt wurde, als filmreifer Reality-Spiderman eingegangen. Die Serie des Fassadenkletterers begann Mitte September 2008 und führte ihn auch mehrfach ins benachbarte niederländische Limburg.

Wie im Krimi stellt sich beispielsweise Anklage-Fall Nr. 34 dar: Im Dezember 2007 tauchte der Klettermaxe ebenso furchtlos wie dreist im Schlafzimmer einer Wohnung im zweiten Stock eines Hauses mitten in der Aachener City nahe dem Rotlichtbezirk auf. Er stieg von hinten über den Balkon ein, hebelte die Türe auf.

Als er sich im Schlafzimmer umsah, bemerkte er, wie jemand aus dem Wohnzimmer eintreten wollte. Blitzschnell hielt er die Türklinke fest, änderte seinen Plan, ging selbst ins Wohnzimmer und bedrohte den Inhaber mit einem langen Schraubenzieher. Dann durchsuchte er das Zimmer, wo er mit „nur” 650 Euro fündig wurde.

Schmuck für 110.000 Euro

In anderen Fällen war die Beute wesentlich höher. So zwei Tage später in derselben Straße: Dort sprang er zunächst über eine zwei Meter hohe Mauer, hangelte sich wieder am Fallrohr der Regenrinne bis ins dritte Obergeschoss hoch. Hier, niemand war zuhause, ließ er eine Geldkassette, eine vergoldete Trompete und Schmuck im Wert von 3400 Euro mitgehen.

Richtig dick wurden die Raubzüge in der Ursulinerstraße und am Holzgraben. Mitten in der Stadt kletterte er ins 2. Obergeschoss, erbeutete für 20.000 Euro Schmuck, am gleichen Tag in einer weiteren Wohnung 7000 Euro bar und Schmuck im Wert von sage und schreibe 110.000 Euro.

Als Verlobte vor Gericht

Am Holzgraben machte er über einer Gaststätte rund 23.000 Euro Beute. Die Nähe von Gaststätten zog Spiderman anscheinend an, so war ein Ausflugslokal auf der Lütticher Straße sein Ziel. Bei einem weiteren Bruch über einer Gaststätte kam der Sohn der Wirtsleute nach Hause. Jener griff den durchtrainierten Spiderman an. Was er besser nicht getan hätte. Xhevat T. würgte seinen Gegner und flüchtete mit einem Riesensprung durchs Fenster.

Mit angeklagt wegen Hehlerei ist auch seine Freundin (22). Sie gab am Mittwoch vor Richter Wolfgang Diewald die Verlobung mit dem Klettermaxen, dem auch in Holland der Prozess gemacht werden soll, bekannt. Sie zeigte stolz einen goldenen Ring. Das Verfahren geht morgen weiter.
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