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Spendenbetrug: Haft für früheren Kerkrader Pastor?

Von: lf/Archiv
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Kerkrade inferno lkw-unfall
Bei einem Lastwagenunfall in Kerkrade waren drei Menschen ums Leben gekommen, darunter der LKW-Fahrer. Für seine Witwe und die Kinder wurde viel Geld gesammelt, allein 110.000 Euro von den Leserinnen und Lesern dieser Zeitung. Auch ein Kerkrader Priester sammelte - steckte das Geld aber in seine eigene Tasche. Nun soll er dafür in Haft. Foto: dpa

Maastricht. Die Maastrichter Staatsanwaltschaft fordert im Prozess gegen den früheren Kerkrader Pastor Sjang S. eine einjährige Haftstrafe. Er soll unter anderem Geld unterschlagen haben, das er für die Witwe des Lkw-Fahrers sammelte, der beim als «Inferno von Kerkrade» bekannt gewordenen Unglück starb.

Acht Monate soll der von allen Ämtern enthobene Kirchenmann absitzen, der Rest solle zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem soll er der Pfarrgemeinde Haanrade 70.000 Euro zurückbezahlen.

Sjang S. wird Betrug und Hehlerei vorgeworfen. S. hatte einen Spendenfonds für die Witwe des deutschen LKW-Fahrers gegründet, der 2004 umkam, als er mit seinem Lkw in einen Supermarkt raste. Der Fall bewegte damals als „Inferno von Kerkrade” die Menschen in der Region. Auch der Kirchenmann ging fleißig sammeln - von dem Geld sah die Witwe allerdings nie auch nur einen Cent. Ein weiterer Fall, in dem der Mann eine kranke ältere Frau um Ersparnisse und Renten-Einkünfte gebracht haben soll, sei bereits verjährt.

Unsere Leserinnen und Leser spendeten viel Geld

Die Witwe des LKW-Fahrers hat sich mehrfach bei den Leserinnen und Lesern unserer Zeitung bedankt - sie spendeten 110.000 Euro. „Die Zukunft meiner Kinder ist gesichert.” Das Geld wurde in Ausbildungsfonds für die Kinder angelegt.

Rückblende. Am 25. Juni 2004 rast in Kerkrade ein 16 Meter langer Sattelschlepper mit versagenden Bremsen bergab und bohrt sich in einen Supermarkt, in dem eine 55-jährige Niederländerin und ein 34-jähriger Iraker sterben. Frank Makel (41), in Diensten einer Spedition aus Bad Salzuflen, verzichtet auf seine einzige mögliche Rettung und lenkt seinen 40-Tonner nicht auf eine rechts liegende Wiese, weil dort Kinder spielen. Das Schicksal seiner Witwe berührt ungezählte Menschen: Das Ehepaar Makel hatte nur zehn Monate zuvor Sohn Kevin (11) nach einjährigem Wachkoma in Folge eines Badeunfalls verloren.

Juniorchef verurteilt

Zudem war Petra Makel zum Zeitpunkt des plötzlichen Todes ihres Mannes wieder schwanger und stand mit den Söhnen Kenny (damals 9 Jahre alt) und Kim (4) vor einer gänzlich ungewissen Zukunft. Der niederländische Pastor Sjang Schumans und unsere Hilfsaktion nahmen sich des Schicksals der Opfer an. Der Strafprozess gegen die Spedition ist beendet, nur der Juniorchef wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Wirtschaftlich kommt die Familie Makel heutzutage „so einigermaßen über die Runden”, wie die Frau sagt. Mit einer kleinen, lebenslangen Rente aus den Spenden unserer Leser, der Witwenrente der Berufsgenossenschaft, den Halbwaisenrenten für die drei Kinder von Frank Makel sowie dem Kindergeld bewältigt sie den Alltag. Ihr neuer Partner ist nach einem Bandscheibenvorfall und einem Wirbelsäulenschaden arbeitslos und auch nicht mehr arbeitsfähig. „Aber wir machen das Beste daraus, wir schmeißen den Haushalt zusammen, er hilft den Kindern bei den Hausaufgaben, und wir sind ein verschworenes Team.” Schmerzensgeld erhielt sie von der Spedition nicht - im Unterschied zu den Kindern, die insgesamt 15.000 Euro erhielten und dieses Geld ab dem 18. Lebensjahr in Anspruch nehmen dürfen.

Von der Spedition, deren Wartungsfehler an dem Lastwagen ihrem Mann das Leben kostete, habe sie „nie mehr etwas gehört”. Und dennoch ist die Spedition im Leben der Petra Makel weiterhin präsent: „Täglich fahren die Lkw dieser Firma noch an unserem Haus vorbei.”

Speditionschef für defektes Bremssystem am Unfall-Lkw verantwortlich

In der gerichtlichen Aufarbeitung des Dramas von Kerkrade wurde Junior-Speditionschef Kurt S. (58) wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Er sei als Speditionschef unmittelbar für das defekte Bremssystem des Unfall-Lastwagens von Frank Makel verantwortlich gewesen und habe darauf bestanden, dass der defekte Lkw auf Tour ging, so das Landgericht Detmold in seinem Urteil.

Gegen die Zahlung einer Geldbuße von 10.000 Euro wurde das Verfahren gegen Kurt S. Schwiegervater und Seniorchef Georg M. (79) eingestellt.

Das erste Urteil gegen Werkstattleiter Gregor O. (55) zu neun Monaten Haft auf Bewährung wurde vom Bundesgerichtshof „wegen geringer Schuld” aufgehoben. Zudem habe er „entscheidend zur Aufklärung des Falles” beigetragen und leide bis heute an den Folgen der Ereignisse, so das Landgericht Detmold im Revisionsverfahren.
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