Spendenbereitschaft für Organe geht deutlich zurück

Von: Angela Delonge
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Organspende
2012 gab es nur zwölf Organentnahmen in den Krankenhäusern in der Region. Archivfoto: dpa

Aachen. Das Ziel ist ausgegeben: Mehr Menschen in Deutschland sollen sich klar zur Organspende bekennen. In die Pflicht genommen hat der Gesetzgeber dafür die Krankenkassen. Sie sollen ihre Kunden so über das Thema informieren, dass sich jeder eine Meinung bilden und diese auch per Ausweis kundtun kann. Dass den Briefen gleich ein Organspendeausweis beiliegt, ist kein Zufall.

Die Mehrheit der Deutschen stehe einer Organspende ohnehin positiv gegenüber, doch viele wüssten gar nicht, wo sie das Papier herbekämen, sagt Bernd Claßen, Vize-Regionaldirektor der AOK Rheinland. „Deshalb sind die Krankenkassen jetzt verpflichtet, ihre Kunden mit Ausweisen zu versorgen.“ Claßen spricht aus Erfahrung, was positive Aktionen angeht. Als die AOK kürzlich in einer Werbeaktion Organspendeausweise mit den Logos der nordrhein-westfälischen Bundesligavereine ausgegeben habe, „wurden sie uns aus den Händen gerissen“. „In Aachen wäre das wohl zurzeit keine gute Idee“, vermutet er.

Oft schwere Verletzungen

Wie auch immer – es gilt, die Zahl der potenziellen Organspender zu erhöhen. Deren Zahl lag im vergangenen Jahr in NRW bei 335. So viele hirntote Patienten mit einwandfrei funktionierenden Organen wurden der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die in Deutschland für die Organisation von Organspenden zuständig ist, von den Intensivstationen der Krankenhäusern gemeldet. Tatsächlich wurden aber nur 231 Organspenden realisiert. Unter anderem, weil sich bei mehr als einem Drittel dieser Patienten die Angehörigen gegen die Organentnahme entschieden.

„Eine Organspende kann bis zu sechs Leben retten“, sagt Ulrike Wirges, Geschäftsführende Ärztin der (DSO) für NRW. Und sie wird dem Krankenhaus mit rund 4000 Euro vergütet. Tatsächlich aber ist eine Organspende an den meisten deutschen Krankenhäusern eine sehr seltene Angelegenheit. Eben­so wie die Tatsache des Hirntods, wie der leitende Oberarzt am Transplantationszentrum der Uniklinik der RWTH Aachen, Christoph Heidenhain, sagt. Auch die weit verbreitete Annahme, dass Unfallopfer grundsätzlich potenzielle Organspender sind, sei nicht zutreffend: „Da liegen oft zu viele schwere Verletzungen vor.“ Wie selten und gleichzeitig aufwendig der Fall einer geglückten Organspende tatsächlich ist, ergibt sich aus der Statistik der DSO für das Jahr 2012. Von den 20 im vergangenen Jahr gemeldeten möglichen Spendern aus den Krankenhäusern der Region ergaben sich nur zwölf Organspenden. Dafür muss in der Regel ein mehrköpfiges Spezialistenteam zwölf bis 18 Stunden vor Ort sein. Grundsätzlich sind alle Krankenhäuser zur Organentnahme verpflichtet. Wenn es nicht zu einer Organentnahme kommt, liegt das nicht immer am Veto der Angehörigen, sondern hat oft auch medizinische Gründe, dass nämlich ein Organ schlicht und einfach nicht zu gebrauchen ist. „Sowohl bei Spendern als auch Empfängern handelt es sich letztlich um einen sehr begrenzten Personenkreis“, sagt Heidenhain.

Aber auch das Erkennen eines Spenders sei keine einfache Sache, unterstreicht Ulrike Wirges. Unterstützung bei dieser Aufgabe der Mediziner sollen die Transplantationsbeauftragten an den Krankenhäusern geben – 340 in NRW. Neuerdings wird ihre Arbeit sogar von der DSO honoriert, sechs Millionen Euro stehen dafür in diesem Jahr bundesweit bereit. Wie dieses Geld verteilt wird, darüber wird noch verhandelt, denn „nicht alle arbeiten so aktiv mit, wie wir uns das wünschen“, sagt Wirges.

Noch vor wenigen Jahren war die Aachener Uniklinik die Nummer 1 bei den Explantationen (Organentnahmen) in NRW (14 im Jahr 2009). 2010 waren es noch zehn, im vorigen Jahr acht. Der Rückgang erkläre sich vor allem durch die negative Medienberichterstattung, sagt Wirges („Wir haben es seit September 2012 allgemein mit einem Rückgang von 25 Prozent zu tun“) und lobt gleichzeitig sowohl die „brillante Infrastruktur“ als auch Melanie Schäfer als „hochengagierte“ Transplantationsbeauftragte der Uniklinik.

Die Uniklinik hat sich als einzige Transplantationsklinik der Region auch auf die Transplantation vor allem von Lebern verlegt. 99 erfolgreich Transplantierte kann die Klinik aus dem letzten Jahr vorweisen: 76 Lebern wurden verpflanzt, 26 Nieren und sechs Herzen. Dies alles „unter großem personellen Einsatz, um eine qualitativ gute Medizin anzubieten“, wie Christoph Heidenhain betont. Umso erfreulicher, dass die Kommission zur Überprüfung der Transplantationszentren, die im Mai die Aachener Einrichtung eingehend unter die Lupe genommen hat, „rein gar nichts zu beanstanden hatte“, wie Uniklinik-Sprecher Mathias Brandstädter sagt.

Auch das Dürener St. Augustinus Krankenhaus hat eine Ehrung erfahren: Für sein Engagement in der Organspende wurde das Haus 2012 als eines von acht in NRW von der DSO ausgezeichnet. 2010 und 2011 wurden in Düren jeweils zwei Organspenden realisiert, 2012 eine. Kriterien für die Auszeichnung ist die Unterstützung der Transplantationsbeauftragten durch die Klinikleitung, die Fortbildung des Klinikpersonals sowie die Erarbeitung von Leitlinien für den Akutfall Organspende.

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