„Speedway”-Radweg: Freizeitweg zwischen Natur und Technik

Von: Nicola Gottfroh
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Man kann auf dem „Speedway”
Man kann auf dem „Speedway” Gas geben, muss man aber nicht: Diese Seniorin nutzt den autofreien Weg auf der früheren Trasse einer Fernbandanlage gern für gemütliche Radtouren. Foto: Nicola Gottfroh

Elsdorf. Mit Vollgas rauscht Frank Mertens auf seinem gelben Rennrad fast geräuschlos über den glatten Asphalt. Bei einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde weht ihm an diesem sommerlichen Tag der Wind erfrischend um den Kopf.

Mertens ist auf seiner Lieblingsstrecke zum Gasgeben unterwegs - dem „Speedway”-Radweg zwischen Elsdorf und Niederaußem. Und der „Speedway” hat seinen Namen wirklich verdient, findet der Rennradler: „Hier kann man sich wirklich regelrecht in einen Geschwindigkeitsrausch fahren”, sagt er.

Auf dem Speedway tummeln sich an schönen Tagen nicht nur Rennradfahrer, sondern auch Familien beim Fahrradausflug, Inline-Skater, Läufer. „Das Tolle an dem Weg ist, dass es zwar an einigen Stellen auf und ab geht - unter Brücken hindurch oder Hügel hinauf. Aber die Strecke insgesamt verläuft extrem gerade. Da kann man über Kilometer so richtig in die Pedale treten”, sagt Mertens.

Dass der „Speedway” ohne große Biegungen und Kurven verläuft, das hat seinen Grund: Der Weg führt über eine Trasse, auf der noch bis zum Jahr 2010 eine Fernbandanlage verlief. Sie hat früher den Abraum des Tagebaus Hambach transportiert - und jetzt wird auf der alten Betriebsstraße eben geradelt.

Die Umgestaltung der Trasse zu einem grünen „Biosphärenband” ist Teil des Regionale-2010-Projekts „Terra Nova” von Bergheim, Bedburg, Elsdorf, RWE Power und des Rhein-Erft-Kreises. Der Speedway führt vom Tagebaurand in Elsdorf über Bedburg hin nach Niederaußem bei Bergheim, wo sich das Kohlekraftwerk über die rekultivierte Landschaft erhebt.

Rund 15 Kilometer soll die Strecke einmal lang werden - und jeder Ort am Wegesrand des „Speedway” soll dann eine Anbindung an die Radautobahn haben. Offiziell zur Fahrt freigegeben sind bislang aber erst siebeneinhalb Kilometer der Strecke, von Elsdorf bis nach Glesch. Dort wird noch eine über gebaut.

Landschaftspark entsteht noch

Auch die Rekultivierung entlang der Strecke ist noch nicht ganz abgeschlossen. Aber die jungen Bäume, die die Radler derzeit entlang der Strecke zu Hunderten sehen, werden ja wachsen. So viel landschaftliche Vielfalt wie bei einer Fahrt über den Vennbahnradweg, der bald von Aachen über Belgien nach Luxemburg führen wird, ist auf dem „Speedway” jedoch nicht zu entdecken.

Dafür besticht er mit dem besonderen Flair der Spannung zwischen Braunkohle und Natur. Für Radsportbegeisterte aus der Region Düren und Jülich ist er eine echte Alternative - nicht nur, weil er direkt vor der eigenen Haustür liegt.

Insbesondere auch deshalb, weil das Regionale-Projekt „Terra Nova” noch mehr bietet als nur einen Radweg. Zum Projekt gehört auch der „Time Park” am Tagebau Hambach, der derzeit noch entsteht. Der Landschaftspark wird, wenn er denn fertig ausgebaut ist, am „Terra Novum”-Forum enden, dem Besucherzen­trum in Berrendorf-Wüllenrath. Das wurde am Freitag bereits im Beisein des NRW-Wirtschaftsministers Harry K. Voigtsberger eröffnet und soll ab dem 1. Juni auch für die Bevölkerung zugänglich sein.

Nur einen Katzensprung von der Tagebaukante entfernt können Besucher im Biergarten des Forums den Wandel der Landschaft im Braunkohlegebiet verfolgen - dort, wo heute noch ein Loch klafft, werden die Besucher eines Tages einen See im Blick haben. In dem vier Millionen Euro teuren Gebäude, das sich in seiner „sandigen” Optik gut in die karge Landschaft einfügt, kann man in Ausstellungen zudem auf eine Zeitreise gehen. Gezeigt werden Bilder und Exponate zur Landschaftsgeschichte.

„Mit dem Tagebauforum und der Umgestaltung der ehemaligen Bandstraße zum Speedway entwickelt sich die Region zu einem Erlebnisraum, der Natur und Technik miteinander verbindet”, findet Regionale-Geschäftsführer Reimar Molitor.
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