„Solar Decathlon Europe”: Eine Verkleidung aus 32.000 alten CDs

Von: Hanna Sturm
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So ist es geplant: Studenten des Counter-Entropy-Teams zeigten bei der RWTH-Wissenschaftsnacht ein Modell des Hauses, mit dem sie beim Wettbewerb „Solar Decathlon Europe” Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Uhr tickt. Noch rund 250 Tage, dann muss das Studententeam der RWTH beim „Solar Decathlon Europe” in Madrid ihren Wettbewerbsbeitrag präsentieren.

Seit etwas mehr als einem Jahr tüftelt die Mannschaft an dieser Herausforderung: Sie soll ein Energie-Plus-Haus bauen, also ein Gebäude, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Inzwischen ist das Team in der Ausführungsphase, es werden Materialien besorgt, Bauteile ausgelegt und technische Komponenten entwickelt. Ab Januar wollen die Studenten dann in einer Halle im Forschungszentrum Jülich mit dem Rohbau beginnen.

Rund 50 Studenten aus den Bereichen Architektur, BWL, Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Textlinguistik stecken jede Woche unzählige Stunden Arbeit in das Projekt, viele stellen ihr Studium dafür völlig hintenan. „Es ist ein Privileg, schon während des Studiums etwas tatsächlich bauen zu dürfen”, sagt Architekturstudent Björn Teutriene. Auch die fachübergreifende Zusammenarbeit sei eine wichtige Erfahrung für das Berufsleben.

Neben dem zeitlichen Aufwand verursacht die Wettbewerbsteilnahme auch immense Kosten, die zu einem großen Teil vom Bundeswirtschaftsministerium übernommen werden. „Außerdem suchen wir fleißig nach Sponsoren und Firmen, die uns mit Sachspenden unterstützen oder mit Fachwissen zur Seite stehen”, sagt Hendrik Leiwe, der sich als Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Maschinenbau besonders für den technischen Ausbau des Hauses interessiert.

Das Konzept der Studenten ist ehrgeizig. Sie wollen nicht nur ein Haus bauen, in dem sich sehr energieeffizient leben lässt, sondern auch eines, das schon bei der Herstellung möglichst wenig Energie verbraucht und Ressourcen schont.

Deshalb experimentieren die Studenten mit Schallschutzfließ aus alten PET-Flaschen, mit Tischen aus Europaletten, oder mit alten CDs als Fassadenverkleidung. 32 000 von den Tonträgern brauchen sie, und die müssen alle aufwendig von ihrer glänzenden äußeren Schicht befreit werden, damit sie verwendbar sind.

Klar, dass auch die Wände des Hauses nicht aus Stahlbeton sind, sondern aus Holz. „Das wächst nach und ist CO2-neutral”, betont Leiwe. Sogar Teile des alten Tivoli haben sich die Studenten gesichert. Reste des Holztragwerks des Ex-Alemannia-Stadions sollen als Fußboden Verwendung finden.

Aber nicht nur alte Bohlen, sondern auch eine Menge innovative Technik stecken in dem Haus mit 50 Quadratmetern Wohnfläche: etwa die Photovoltaikanlage auf dem Flachdach oder eine Entfeuchtungsanlage, die normalerweise in Schwimmbädern zum Einsatz kommt. Warmes Wasser und Strom werden durch Sonnenenergie erzeugt, für das richtige Raumklima sorgen eine Kühldecke, die wie eine umgekehrte Fußbodenheizung funktioniert, und ein ausgeklügeltes Lüftungssystem mit Wärmetauscher und Verdunstungskühlung.

Auch für den Innenausbau hat das Team schon viele Ideen entwickelt. Der Wohnraum soll mit multifunktionalen Möbeln in variable Zonen unterteilt werden, die Fensterfronten sollen sich komplett in die Wände schieben lassen, damit Innen- und Außenraum miteinander verschmelzen. Eine Wettbewerbsaufgabe ist es, ein Dinner für acht Konkurrenten zu organisieren. „Da müssen unsere Möbel erweiterbar und wandelbar sein, wenn das Abendessen in eine Party übergeht”, sagt Teutriene.

Als wären diese ganzen Herausforderungen nicht genug, müssen die Studenten ihr Haus auch noch so planen, dass sie es nach der Konstruktion in Jülich wieder teilweise auseinandernehmen und auf Lastwagen quer durch Europa zum Wettbewerbsgelände nach Madrid transportieren können. „Wir rechnen damit, dass wir sieben Superliner brauchen”, sagt Teutriene. Vor Ort bleiben dem Team dann nur sieben Tage, um das „Counter Entropy House” wieder aufzubauen.

Um schon einmal einen Eindruck zu bekommen, haben einige Teammitglieder beim Vorjahreswettbewerb in Chicago einem Team aus Kanada beim Aufbau ihres Hauses geholfen. „Oft sind es Banalitäten, die ein solches Projekt scheitern lassen”, sagt Hendrik Leiwe. So hat das Aachener Team von den Kanadiern eine wichtige Lektion gelernt: Immer genug gutes Essen dabei haben.
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