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Sogar Tornados: Wetterextreme in der Region

Von: Manfred Kistermann
Letzte Aktualisierung:
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Unwetter in Heinsberg: Das ist eine Gewitterzelle, aus der vor drei Tagen in Heinsberg ein Tornado geworden ist. Unser Fotograf ist dem Tornado nachgefahren. Foto: Erik Dirksen

Aachen. Schneeballschlacht im Sommer: Die Männer, die den vom Unwetter umgestürzten Baum beseitigen sollen, leisten sich erst einen kleinen Spaß. Im Aachener Osten hat es nicht nur gestürmt und geregnet, sondern auch kräftig gehagelt.

Die weiße Pracht ist noch Stunden später greifbar. Das Wetter schlägt mal wieder Kapriolen. Wirklich? Für die Meteorologin vom Dienst in der Aachener Wetterwarte hat sich „wettertechnisch nichts Dramatisches getan”.

Es fielen in der Nacht zum Donnerstag nur sechs Liter Niederschlag in ihren Messbecher. Alles normal, heißt es, was aber nach Aussagen der Experten nicht ausschließt, dass es an kleinen Örtlichkeiten zu stärksten Wetterextremen kommen kann.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Tagen in den Kreisen Heinsberg und Düren, aber auch über dem Hohen Venn Tornados gesichtet wurden, die aber glücklicherweise keine größeren Schäden anrichteten.

Selbst für Meteorologen sind die trichterförmigen Wirbelstürme, die auch gerne verharmlosend Windhosen genannt werden, immer noch ein großes Rätsel.

„Wie Tornados entstehen, ist im Detail nach wie vor unklar”, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Klar ist den Wetterkundlern allerdings, welche Voraussetzungen herrschen müssen: Feuchtwarme Luft am Boden und kalte Luft in der Höhe sind die Zutaten für Tornados.

Diese bilden sich, wenn außerdem eine starke vertikale „Windscherung” herrscht. Dies ist der Unterschied in Windrichtung und -geschwindigkeit. Schiebt zum Beispiel schwacher Wind am Boden feuchtwarme Luft nach Norden und weht darüber ein scharfer kalter Westwind, bilden sich durch das Kondensieren des Wassers aus der aufsteigenden warmen Luft nicht nur die Gewitterwolken, sie können zusätzlich auch ins Rotieren geraten.

So entstehen sogenannte „Superzellen”, mächtige, sich um eine vertikale Achse drehende Gewitter mit kräftigen Aufwinden im Zentrum. Unter bestimmten Umständen verstärkt sich dieser Prozess dann von selbst, die Aufwinde werden immer schneller, der dadurch erzeugte Unterdruck wird immer kräftiger. Schließlich entsteht ein trichterförmiger Wirbel. Schafft er den „Touchdown” bis zum Boden, spricht man von einem Tornado.

Wann und wie eine Superzelle einen Tornado entwickelt, ist jedoch nicht genau bekannt. Nach Angaben von Andreas Friedrich ist dies auch nur bei weniger als zehn Prozent aller Superzellen der Fall. Thomas Sävert ist überdies sicher, dass Tornados „auch aus normalen, kleinen Gewitterzellen” entstehen. Doch auch dazu gebe es „im Moment mehr Fragen als Antworten”. Sävert gehört mit zu den Mitglieder von „Skywarn”, einem Zusammenschluss von Freiwilligen, die sich Wetterbeobachtungen verschrieben haben und meteorologisch vorgebildet sind.

Eine Gruppe dieser „Himmelswarner” wurde auch am Mittwoch auf die Reise geschickt, um in der Großregion um Aachen nach Wetterphänomenen Ausschau zu halten. Den „Skywarnern” Erik Dirksen und Thomas Heinemann gelangen dabei beeindruckende Bilder von Gewitterzellen, die sich zu kleinen Windhosen entwickelten. Nach Ansicht von Erik Dirksen ist hat es bislang nicht mehr Tornados in diesem Jahr gegeben, als in den Jahren zuvor. Er, der schon über Jahre hinweg den Himmel über unserer Region beobachtet, kann berichten, dass es laut „Skywarn”-Statistik im Jahr 2006 in Deutschland 120 Tornados gab, im letzten Jahr aber nur 30.

Auch wenn genaue Daten noch nicht zur Verfügung stehen, in einem Punkt sind viele Experten einer Meinung: Mit zunehmender Erwärmung des Erdklimas wird auch die Zahl und Intensität der gefährlichen Wetterphänomene ansteigen.

Dieter Havlik, ehemaliger Professor an der RWTH und langjähriger Klimastatistiker, glaubt allerdings nicht, dass es künftig immer mehr dieser Wirbelstürme geben werde. „Ja, es gibt mehr, aber das hängt vor allem mit der Tatsache zusammen, dass es mehr Messstationen, mehr Beobachtungsmöglichkeiten und vor allem mehr Sensibilität für das Naturphänomen gibt.” Der ehemalige Leiter des Forschungsgebietes Physische Geografie, erinnert daran, dass es bereits in den 70er Jahren in der Eifel Tornados gab, die schwere Schäden hinterließen.

Er möchte nicht den Klimawandel für das Wetter in unserer Region allein verantwortlich machen. „Klimawandel ist immer großräumig.” Tatsache ist für ihn: In den letzten Tagen hat das Wetter regional und lokal Kapriolen geschlagen. Dies hing nach seiner Ansicht mit der Luftmassensituation über Nordrhein-Westfalen zusammen. Die Grenze sei von Südwest nach Nordost verlaufen, was etwas ungewöhnlich gewesen sei.

Die Bauern hierzulande mag das nicht trösten. Schon jetzt verzeichnet die zuständige Hagel-Versicherung der Landwirte in Münster einen rapiden Anstieg der Schadensmeldungen. „Im letzten Jahr hatten wir schon extrem viel, wenn es aber jetzt so weitergeht, werden wir die Vorjahrsschäden noch übertreffen, so ein Sprecher der „Vereinigte Hagel”in Münster.
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