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Small Talk: Was man vom Taxifahrer lernen kann

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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„Schauen Sie, was Ihnen am leichtesten gelingt!”: Stimmtrainer Thomas Niemann macht seiner Seminarrunde Mut. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das Arbeitsleben bietet reichlich Raum für Peinlichkeiten. Man trifft am Aufzug den Chef, und das Gespräch („Schönes Wetter heute” - „Hmm”) versandet nach anderthalb Sätzen aufs Erbärmlichste. So weit, so unangenehm. Aber auch schade, findet Thomas Niemann, Stimmtrainer und Logopäde aus Eschweiler.

Denn gerade der Small Talk, das kleine Gespräch, der Plausch am Rande, eigne sich wunderbar, um die Atmosphäre aufzulockern, um Zugang zu Menschen zu finden.

Und was an der Bushaltestelle, beim Bäcker und beim Elternabend funktioniert, das passt fürs Arbeitsleben erst recht, versichert Niemann. Small Talk schafft Kontakte in lockerer Atmosphäre und ist Türöffner in neuen Situationen. Er bereitet den Boden für den erfolgreichen Geschäftsabschluss oder sorgt für gute Stimmung beim Bewerbungsgespräch.

Astrid van Meegen muss Niemann vom Wert des Small Talks nicht mehr überzeugen. Van Meegen, Berufsberaterin der Aachener Agentur für Arbeit, organisiert gemeinsam mit dem Fachmann fürs kleine Gespräch regelmäßig Seminare. Thema des jüngsten Workshops für Akademiker: „Small Talk als Karrierefaktor”.

Und so sitzen an diesem Wintertag acht Frauen und fünf Männer im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur. Sie wollen lernen, wie man Small Talk macht - und vor allem, wie man ihn einsetzt, um voranzukommen. Der Bauingenieur steht seit vielen Jahren im Berufsleben und meint dennoch, dass ihm so ein Seminar nur gut tun könne. Der Elektrotechniker ist auf Jobsuche und erhofft sich Tipps fürs Vorstellungsgespräch.

„Worüber redet man eigentlich?”, will die promovierte Physikerin wissen. Und die Sozialarbeiterin gesteht, dass sie Small Talk „ganz schrecklich” findet. Small Talk lernen wollen aber auch junge Menschen, die ihr Studium beendet haben oder auf der Zielgeraden sind. Eine angehende Bauingenieurin sagt: „Ich merke, dass Small Talk wichtig ist. Und dass er mir manchmal fehlt.”

Die Deutschen tun sich häufig schwer mit dem leichten Geplauder. Das stellt Thomas Niemann immer wieder fest. „Small Talk wird eher negativ gesehen. Die Leute finden das doof.” In den USA zum Beispiel sei das ganz anders. „Ich bin immer wieder begeistert, mit wie vielen Menschen ich dort ganz locker ins Gespräch komme und wie viel Interessantes ich dabei erfahre.” Aber wie kriegt man ihn hin, den gelungenen Small Talk? Ins Gespräch kommen kann man überall, sagt Niemann: am Rande der Tagung, im Bus, in der Schlange vorm Museum oder in der Kantine. Wichtig sei der ständige Wechsel der Themen.

Wie ein Teller voll Häppchen

Small Talk sei wie ein Teller voller Häppchen vom Büffet. Man plaudert über Hobby und Familie, über Freizeit und Urlaub, übers Essen oder über das jüngste Spiel der Aachen. „Probieren Sie solche Gespräche einfach aus”, macht Niemann Mut. „Und wenn Sie mal eine Abfuhr kassieren, dann bewerten Sie das nicht zu hoch.”

Und weil´s locker und spielerisch bleiben soll, sind „schwere” Themen oder allzu Persönliches strikt tabu: Nicht reden sollte man über Geld, die Krankheit der Oma, die anstehende Scheidung oder über die Politik der Bundesregierung. Allerdings kommt es aufs Gesprächsthema offenbar gar nicht so gewaltig an. „Der Körper âtalkt´ mit”, erklärt der Logopäde und zitiert eine alte britische Studie von 1972. Danach machen Gestik und Mimik beim Gespräch 55 Prozent aus, Stimme und Tonfall immerhin noch 38 Prozent - der Inhalt aber gerade mal schlappe sieben Prozent. Deshalb auch der Expertentipp: Entspannt stehen, Knie locker! Wer verkrampft steht, der redet auch gequetscht.

Dann verteilt Niemann kleine Zettelchen mit Begriffen, und die Teilnehmer talken sich tapfer durch eine erste Praxisrunde. Das läuft ein bisschen mühsam. Aber schließlich sind Stichworte wie Umzug, Öcher Bend, Fahrradreparatur und Provence in einem einigermaßen intelligenten Gespräch auch nicht so einfach unter einen Hut zu bringen. Immer wieder macht Niemann seiner Seminarrunde Mut: „Probieren Sie Small Talk in Wartesituationen! Schauen Sie, was Ihnen am leichtesten gelingt! Steigern Sie ihren Small Talk langsam auch im beruflichen Umfeld!” Und: „Lernen Sie vom Taxifahrer und vom Kioskverkäufer!” Und wenn trotz aller Plauder-Übungen das Gespräch mit dem Vorgesetzten wieder einmal ins Stocken gerät? Dann hat der Chef vielleicht ganz einfach kein Gespür für Small Talk.

„Kennen Sie sich hier aus?” Tipps für den Einstieg

Der Anfang ist am allerschwersten: Deshalb gibt Thomas Niemann seinen Seminarteilnehmern auch einige „Türöffner”-Tipps für einen gelungenen Einsteig in den Small Talk mit auf den Weg. So oder ähnlich könnte man es machen:

Selbstvorstellung: „Hallo, ich bin XY aus Musterstadt. Mich interessiert diese Tagung sehr. Und was führt Sie hierher?”

Solidarpakt: „Sie scheinen hier auch niemanden zu kennen. Wie gefällt Ihnen die Ausstellung?”

Anfragen: „Kennen Sie sich hier aus? Ich wollte die Pause in einem Café verbringen. Haben Sie vielleicht auch Lust auf einen Kaffee?”

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