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Sind erneuerbare Energien nur eine Frage des Willens?

Von: Christian Rein
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Was die Beschlüsse von Politikern anbelangt, ist Rafaela Hillerbrand skeptisch. Die Professorin der Forschungsgruppe Ethics for Energy Technology (Ethik für Energietechnologie, EET) an der RWTH Aachen fragt: „Kann man Ziele im Kampf gegen den Klimawandel so beschließen wie Steuererhöhungen?”

Zumindest ist das große Ziel, eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad, international unstrittig. Fraglich ist aber, wie es erreicht werden kann. Sollte ausschließlich auf regenerative Energien gesetzt werden oder doch weiter auf Kernenergie? Oder geht es vielleicht um eine sinnvolle Mischung?

Es gibt wohl kaum ein Thema, über das mit so großer Leidenschaft diskutiert wird, wie dieses. Entsprechend kontrovers stritten auch die vier Experten, die die Forschungsgruppe EET in das „Super C” eingeladen hatte.

Geht es nach Joachim Nitsch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dann hat Kernenergie ausgedient. Man brauche sie nur noch übergangsweise, erklärte Nitsch AZ-Redakteur Ralph Allgaier, der die Veranstaltung moderierte. „Das Potenzial der regenerativen Energien liegt bei der sechsfachen Menge der Energie, die wir heute nutzen”, sagte der Experte, der sich mit Szenarien für eine künftige Energieversorgung beschäftigt. Die alleinige Versorgung mit regenerativen Energien sei keine Frage der Machbarkeit, sondern des politischen Willens - auch wenn es technische Herausforderungen gebe.

Nitsch verwies außerdem auf den geringen Anteil der Atomkraft am Strommix. „Wenn die Kernenergie global im Kampf gegen den Klimawandel sinnvoll wäre, dann müsste sie massiv ausgebaut werden”, sagte er. Das sei aber - siehe Iran - schon politisch gar nicht unproblematisch.

Die großen Probleme der Kernenergie sind die Gefahren, die von Atommeilern ausgehen, und der strahlende Müll, den sie produzieren. Hans-Josef Allelein, Professor für Reaktorsicherheit und -technik an der RWTH Aachen, kann die Bedenken aber nur bedingt nachvollziehen. „Aus sicherheitstechnischer Sicht besteht keine Veranlassung, ein Atomkraftwerk in Deutschland abzuschalten”, sagte er. Der Brand eines Transformators im Meiler Krümmel? Defekte Dübel in Biblis? „Es gab keine atomare Gefahr.” Und: „Alle Kraftwerke sind genehmigt.”

Allelein hält auch die Frage der Endlagerung des Atommülls für lösbar. Dennoch sagte er: „Kernenergie kann als Weg aus der Klimakrise nicht die Lösung sein, aber für einzelne Volkswirtschaften ist sie mittelfrisitg von Bedeutung.” Regenerative Energien würden erst langfristig größere Bedeutung gewinnen.

Hans Paul Drescher hält indes die Rolle der Kohle für unterschätzt. Der Professor, der unter anderem an der FH Aachen über Rauchgasreinigung für Kraftwerke lehrt, verwies auf Schwellenländer wie China, die für den Klimawandel entscheidend seien, aber ihre Energie größtenteils aus Kohle gewinnen. Es gehe also darum, dieses „Arbeitspferd der Stromwirtschaft” möglichst umweltfreundlich zu machen - etwa mit Hilfe der Abscheidung von Kohlenstoffdioxid (CO2).

Andreas Pfennig, Professor für Verfahrenstechnik an der RWTH, sieht die CO2-Abscheidung allerdings kritisch. Denn was tun mit dem Klimakiller, wenn er nicht in die Atmosphäre gepustet wird? Man müsste 30 Mal so viele Produkte herstellen, um das CO2 komplett aufzubrauchen. „Für eine große Lösung ist das sicher ungeeignet.” Neben einem Ausbau der regenerativen Energien rät Pfennig wie Nitsch zu einem wesentlichen zweiten Standbein für eine klimfreundliche Energieversorgung: Schlicht effizienter werden und weniger verbrauchen.
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