Sicherungsverwahrte: Zwei bestanden Freiheitstest nicht

Von: Wolfgang Schumacher
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Den gelungenen Sprung in die Freiheit verpassten bislang zwei aus der Sicherungsverwahrung in die „kontrollierte“ Freiheit entlassene Gefangene, sie mussten zurück. Zwei im Januar 2012 in die Aachener Region entlassene Probanden bekamen eine Verwarnung. Foto: dpa

Aachen. Bisher ist nichts Gravierendes passiert: Zur Jahreswende 2011/2012 wurden sieben von insgesamt 15 Insassen aus dem Bereich der sogenannten „Altfälle“ in der Sicherungsverwahrung aus der JVA-Aachen frei gelassen, für acht blieben die Tore bis heute verriegelt.

Am Donnerstag nun zog das Aachener Landgerichts mit Präsident Stefan Weismann und dem Vorsitzenden der Strafvollstreckungskammer, Richter Holger Brantin, ein erstes Resümee über die ersten zwölf Monate.

Einer von ihnen sitzt wieder in Haft, der nach der Entlassung in Düren gelebt hatte. Der 50-Jährige hatte massiv gegen die Auflage verstoßen, keinen Alkohol trinken zu dürfen.

Zudem begingen zwei weitere frühere Sicherungsverwahrte, die sich nach der Haftentlassung in der Städteregion Aachen niedergelassen hatten, leichtere Verstöße gegen die vom Gericht erteilten „Maßregeln und Weisungen“.

Brantin: „Wir haben im Rahmen des Aachener Modells sofort regagiert, und das hatte Erfolg.“ So war einer der freien Männer zu spät zurück in die Einrichtung gekommen. Ein anderer, der immer unter Alkoholeinfluss gewalttätig geworden war, hatte gegen die Auflage verstoßen, nüchtern zu bleiben. Man habe ihnen klargemacht, wie dünn das Eis sei, auf dem sie sich bewegen, erläuterte Brantin, „danach ging es richtig gut“.

Man sei überaus froh, berichtete Brantin weiter, an dieser Stelle bis heute anders als in München (hier missbrauchte ein entlassener Sicherungsverwahrte 2012 ein Mädchen) keine Hiobsbotschaften verbreiten zu müssen. Denn die Gefährlichkeit der zumeist über Jahrzehnte inhaftierten und zuletzt in Sicherungsverwahrung einsitzenden Straftäter zu beurteilen, habe die beteiligten Juristen so manches Mal in den Bereich von „Grenzerfahrungen der richterlichen Entscheidungsfindung“ gebracht.

Allerdings habe das engmaschige Netz an „Maßregeln und Weisungen“ und die inzwischen als „Aachener Modell“ bekannte enge Zusammenarbeit von Polizei-, Sozial- und weiteren Behörden mit den Gerichten bislang die vom Verfassungsgericht geforderte rechtskonforme Behandlung der Straftäter gewährleistet.

Weismann wie Brantin betonten, dass für sie der erhebliche Zeit- und Kostenaufwand „jeden Cent wert“ sei, damit die Gesellschaft größtmöglich geschützt werde. Erst frühestens 2020 wird das Problem der Altfälle erledigt sein.

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