Selfie-Skandal: Staatsanwälte ermitteln am Uniklinikum

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Klinikum Aachen
Recherchen unserer Zeitung hatten ergeben, dass mehrere in der Notaufnahme des Klinikums beschäftigte Pfleger zum Teil entwürdigende Fotos von dementen oder anderweitig in ihrem Bewusstsein eingeschränkten Patienten gemacht hatten. Foto: Archiv/Krömer

Aachen. Der Skandal in der Notaufnahme des Aachener Universitätsklinikums könnte für einige der Beteiligten strafrechtliche Konsequenzen haben. Nach kurzen Vorermittlungen hat die Aachener Staatsanwaltschaft Dienstagnachmittag entschieden, gegen vier frühere Angestellte des Pflegedienstes ein formelles Ermittlungsverfahren wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ in mehreren Fällen einzuleiten.

Diese Verletzung stellt einen Straftatbestand dar und wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet. Die Ermittlungen könnten sich im Laufe des Verfahrens zudem noch auf andere Straftatbestände ausweiten, erklärte Staatsanwalt Jost Schützeberg am Dienstag.

Recherchen unserer Zeitung hatten ergeben, dass mehrere in der Notaufnahme des Klinikums beschäftigte Pfleger zum Teil entwürdigende Fotos von dementen oder anderweitig in ihrem Bewusstsein eingeschränkten Patienten gemacht hatten. Die Pfleger hatten die Patienten zu diesem Zweck geschminkt und verkleidet.

Ebenso waren Fotos von unbekleideten Körperteilen der Patienten entstanden und Aufnahmen, die die Pfleger beim vermeintlichen Drogenkonsum im Klinikum zeigten. Diese Aufnahmen hatten die Pfleger über den Kurznachrichtendienst Whatsapp verbreitet.

Keine Ärzte involviert

Durch einen anonymen Hinweis hatte die Klinikumsleitung von den Vorfällen erfahren und im September vier Pflegern fristlos gekündigt. Ein weiterer Mitarbeiter wurde entlassen, nachdem unsere Zeitung am 18. Oktober erstmals über die Vorfälle berichtet hatte.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Aachener Staatsanwaltschaft haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass auch Vorgesetzte oder Ärzte in den Skandal in der Notaufnahme verwickelt gewesen sein könnten. Das Klinikum wollte sich am Dienstag nicht zu dem eingeleiteten Ermittlungsverfahren äußern.

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